Anerkennung ausländischer Abschlüsse

Zukunft selbst in die Hand nehmen

09.07.2019
Laut einer aktuellen Umfrage des Bayerischen Industrie- und Handelskammertages sehen 61 Prozent der Betriebe in Bayern den Fachkräftemangel als Risiko für die wirtschaftliche Entwicklung. Dabei verfügen viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit ausländischen Wurzeln über Berufsabschlüsse, die sie in ihrer Heimat erworben haben. Bei den IHKs können sie prüfen, inwieweit ihre Ausbildung mit einer dualen Ausbildung hierzulande übereinstimmt.
Die Kauffrau für Büromanagement Virdzsinia Horvát aus dem niederbayerischen Biburg hat das mit Erfolg getan – ihre ursprüngliche Ausbildung zur Wirtschaftsfachkraft in Serbien wurde voll anerkannt. Ihr Abschluss gilt auf dem deutschen Arbeitsmarkt nun als gleichwertig. Der Hauptgeschäftsführer der IHK Regensburg für Oberpfalz / Kelheim, Dr. Jürgen Helmes, gratulierte der gebürtigen Serbin, die den 250. positiven Anerkennungsbescheid im IHK-Bezirk erhalten hat, und betonte: „Durch die Anerkennung ausländischer Abschlüsse ergibt sich eine Win-win-Situation sowohl für ausländische Arbeitnehmer als auch für die regionalen Unternehmen.“ Die Jobaussichten für Bewerber mit anerkanntem Berufsabschluss erhöhten sich auf dem Arbeitsmarkt und die Betriebe könnten besser beurteilen, ob die Qualifikation eines Mitarbeiters oder Bewerbers den Stellenanforderungen entspricht.

Baustein für qualifizierte Zuwanderung

Die zentrale Anerkennungsstelle der IHKs, die IHK FOSA (Foreign Skills Approval) in Nürnberg, überprüft die Abschlüsse aus Industrie, Handel und Dienstleistungen. Die IHK vor Ort übernimmt die kostenlose Beratung und Unterstützung bei der Antragsstellung. Um in einem neuen Land Fuß zu fassen, sei ein entsprechender Arbeitsplatz von großer Bedeutung, weiß IHK-Beraterin Tanja Graf. „Hinter jeder Person steht eine andere Geschichte. Mit der Anerkennung ihres Abschlusses hat Frau Horvát ihre berufliche Zukunft selbst in die Hand genommen.“ Die junge Frau ist vor vier Jahren nach Deutschland gekommen und ist aktuell in der Produktion beschäftigt. „Ich habe nun den nächsten Schritt getan, um wieder in meinem erlernten Beruf arbeiten zu können“, freute sich Horvát über die Anerkennung ihrer Qualifikation.
Das 2012 beschlossene Berufsqualifikations-Feststellungsgesetz (BQFG) bildet die Grundlage für die Anerkennung ausländischer Abschlüsse. Es gibt allen Personen, die im Ausland einen staatlich anerkannten Beruf erworben haben, einen Rechtsanspruch auf Überprüfung der Gleichwertigkeit. „Das Anerkennungsgesetz ist ein wichtiger Baustein für die Zuwanderung qualifizierter Fachkräfte. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit ausländischem Abschluss sollten die Möglichkeit nutzen, ihren Berufsabschluss ins deutsche Berufsbildungssystem einordnen zu lassen und damit ihre Karrierechancen zu erhöhen“, rät Helmes.

Daten aus der Region

Fast 1.400 Anfragen zählte die IHK Regensburg für Oberpfalz / Kelheim seit Beginn des Anerkennungsgesetzes. Derzeit liegen der IHK FOSA rund 375 Anträge aus der Oberpfalz und dem Landkreis Kelheim vor. Die meisten anerkannten Berufsabschlüsse in der Region waren Kauffrau/-mann für Büromanagement, Fachkraft für Metalltechnik und Elektroanlagenmonteur/in. Die Antragsteller stammten vor allem aus Polen, Rumänien und Bulgarien.
Weitere Infos unter www.ihk-regensburg.de/anerkennung oder bei Tanja Graf, Tel. 0941 5694-362, graf@regensburg.ihk.de.