IHK-Ausschuss Mobilität, Logistik und Infrastruktur

Wieder Fahrt aufnehmen

30.07.2020
Wie geht es weiter nach der Corona-Krise? Diese Frage stand auch bei den Mitgliedern des IHK-Ausschusses Mobilität, Logistik und Infrastruktur im Fokus. Erstmals seit Beginn der Pandemie trafen sich die Unternehmerinnen und Unternehmer zu einer gemeinsamen Sitzung in der Jahnhalle Regenstauf – natürlich mit entsprechend Abstand. Zusammen mit Ausschussvorsitzendem Manfred-Jürgen Fichtl, Geschäftsführer der Fichtl Logistik-Services GmbH, zogen sie eine erste Bilanz. Die Corona-Krise zeige einmal mehr, wie wichtig die Mobilität von Personen und Gütern sowie die Infrastruktur als deren verbindendes Element seien, so der Konsens. Fichtl begrüßte zur Sitzung Barbara Koch, Expertin im Bereich Mobilitätsmanagement beim Start-up Two-ride UG, die die Vorteile von Fahrgemeinschaften in Unternehmensverbünden zeigte. Vorsitzender Fichtl betonte: „Wir müssen jetzt trotz Krise nach vorne schauen und dürfen Herausforderungen wie den effizienten Ausbau der Infrastruktur oder Vernetzungsmöglichkeiten im ÖPNV nicht aus den Augen verlieren.“

Alternative: Fahrgemeinschaft

Eine entscheidende Frage für Unternehmen im Hinblick auf Fachkräftegewinnung und -sicherung ist: Welche Möglichkeiten haben Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, um in die Arbeit zu gelangen? Nach wie vor pendeln viele Beschäftigte alleine mit dem eigenen Auto. Die Gründe dafür sehen einige Gremiumsmitglieder in der Vernetzung und Taktung des ÖPNV-Angebots in der Region. Hier sei noch Luft nach oben. Eine Alternative, um dem täglichen Verkehrschaos vor allem in Ballungsräumen Herr zu werden, präsentierte Barbara Koch anhand der Mitfahrlösung B2RIDE. „Nicht nur die Nutzung des ÖPNVs verringert den Individualverkehr auf den Straßen, sondern schlicht auch, wenn mehrere Menschen ein Auto für den Weg zum Arbeitsplatz nutzen“, sagte Koch. Mit der App solle der Besetzungsgrad von Fahrzeugen gezielt erhöht werden. Die Vorteile: Sowohl Kosten für Parkraum als auch Emissionen und das Verkehrsaufkommen könnten reduziert werden. B2RIDE arbeite dabei wie ein interner Mobilitätsmanager, der Unternehmen oder Verbünde bei der Einführung und Organisation unterstützt, so Koch. Wichtig sei ein Umdenken bei den Mitarbeitern, dass Fahrgemeinschaften eine attraktive und kostengünstige Alternative sein können – insbesondere dort, wo das Angebot des ÖPNV nicht ausreiche. „Allerdings dürfen der ÖPNV sowie individuelle Lösungen nicht für sich stehen“, resümierte Ausschussvorsitzender Fichtl. Nur die Verzahnung verschiedener Mobilitätsangebote schaffe auf lange Sicht einen Mehrwert für die Unternehmen und deren Mitarbeiter.

Branche im Corona-Modus

Die Corona-Krise hält auch die regionale Güter- und Verkehrswirtschaft in Atem. „Aufgrund der großen Heterogenität innerhalb der Branche sehen sich die Unternehmen mit vielfältigen Herausforderungen konfrontiert“, so Fichtl. Während der Busbranche im Alltagsgeschäft die Hilfsprogramme des Bundes und Ausgleichszahlungen der Kommunen sowie die Möglichkeit zur Kurzarbeit entgegen kamen, blicke man im Reiseverkehr gespannt auf die zweite Jahreshälfte. Denn das Interesse an Busreisen sei aktuell noch verhalten, so Peter Bruckner vom Omnibusunternehmen Heinz Bruckner. Für Speditionen im Grenzgebiet zu Tschechien, wie der Spedition Dischner aus Weiding, stellte sich in der Corona-Hochzeit vor allem die Frage, wie deren ausländische Mitarbeiter weiter arbeiten können. Rund 80 Prozent der Lkw-Fahrer dort stammen aus dem Nachbarland. Eine Ausnahme in der Krise bildeten die Paketdienste. „Wir mussten von heute auf morgen den Versand von bis zu zehn Millionen Paketen am Tag bewältigen. Das entspricht etwa der Menge im Weihnachtsgeschäft“, sagte Stefan Kellberger von der DHL Paket GmbH. Ein Ende sei nicht in Sicht. Die Kunden haben während der Corona-Pandemie vermehrt den Onlinehandel für sich entdeckt, entsprechend gehe man weiterhin von einem höheren Auftragsniveau im Paketbereich aus, so Kellberger. Wenig Verständnis hingegen brachten die Ausschussmitglieder für den kompletten Shutdown einiger Verwaltungen auf. „Damit sich die Branche schnell regenerieren kann, brauchen die Unternehmen wichtige Services wie beispielsweise die Zulassungsstellen“, betonte Vorsitzender Fichtl.