IHK-Gremium Cham

Wege aus der Krise

Die Coronakrise hält auch die Unternehmerinnen und Unternehmer in der Region Cham in Atem. Erstmals seit Beginn der Pandemie trafen sich die Mitglieder des IHK-Gremiums Cham zu einer gemeinsamen Sitzung im Tagungszentrum Furth im Wald – natürlich mit entsprechend Abstand. Zusammen mit IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Jürgen Helmes und Furths Bürgermeister Sandro Bauer zogen sie eine erste Bilanz und diskutierten Wege aus der Krise. Angesichts der massiven Verluste für die regionale Wirtschaft sagte Gremiumsvorsitzender Dr. Alois Plößl: „Ich glaube, wir alle haben jetzt drei Monate hinter uns, in denen jedes Unternehmen auf eine ganz eigene Art in seiner Existenz bedroht oder zumindest in einem Maß herausgefordert war, dass wir nicht kannten und in dieser Dynamik auch nicht erwartet hatten.“

Anreize für Gäste und Kunden schaffen

Nahezu alle Branchen kämpfen mit den negativen Auswirkungen der Coronakrise. Besonders hart trifft es Handel, Logistik, Gastronomie und Tourismus. Im Bayerischen Wald, eine der bedeutendsten Urlaubsdestinationen in Ostbayern, kehren Hotels und Wirtshäuser nur schrittweise zurück in eine Art Normalität. Während Industriebetriebe vor allem mit Auftragsrückgängen und unterbrochenen Lieferketten konfrontiert waren, ging es „bei Tourismusbetrieben plötzlich von hundert auf null. Und das bei unveränderten Kosten und keinem Plan, wann es wieder weitergeht“, schilderte Andreas Brunner sen. vom Brunner Hof in Arnschwang den Beginn des Lockdowns. Es folgte ein intensiver Austausch mit Wirtschaftsorganisationen und Ministerien, bis erste Lockerungen beschlossen wurden, die sich teils nicht rechneten und wie die Sperrstundenregelungen für die Branche nicht nachvollziehbar waren. Hotels setzten die Hygieneregeln seit der Wiedereröffnung am 14. Juni umfänglich um und könnten ihren Gästen einen hohen Sicherheitsstandard bieten. Klare Regeln für Hotellerie und Gastronomie wünscht sich Brunner beim Thema Mehrwertsteuersenkung, hier sei vieles nicht bis zum Ende durchdacht, sowie Impulse seitens der Regierung, um Gäste für „Urlaub Zuhause“ zu gewinnen.

Der stationäre Handel in der Region kam durch die Schließungen ebenfalls in weiten Teilen zum Erliegen. Die größte Herausforderung seien aktuell die hohen Warenbestände und das verhaltene Kaufverhalten, so Helmut Hagner von der Frey Unternehmensgruppe. Eine kurzfristige Lösung sieht Hagner darin, beispielsweise nicht-anlassbezogene, verkaufsoffene Sonntage in Cham zuzulassen, um Frequenzen zu erhöhen und Kaufanreize zu schaffen. Langfristig gesehen müsse der Fokus auf das Stadtmarketing und den Erlebnisfaktor Innenstadt gelegt werden.

Damit die Wirtschaft wieder Fahrt aufnimmt

Hauptgeschäftsführer Dr. Jürgen Helmes stellte das Informations- und Beratungsangebot der IHK vor und sagte den Unternehmen in der Oberpfalz und dem Landkreis Kelheim weiterhin volle Unterstützung zu: „In den letzten drei Monaten haben die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der IHK rund 12.500 Beratungen zu Themen wie Hilfsgelder, Kurzarbeit oder Ausbildung während der Pandemie durchgeführt. In dieser herausfordernden Zeit ist die IHK der erste Ansprechpartner für die regionalen Firmen und ein wichtiger Berater der Politik.“ Das IHK-Regionalbüro in Pilsen sei dabei eine kompetente Schnittstelle ins Nachbarland, um Informationen schnell und zuverlässig zu den vielen grenzüberschreitend tätigen Unternehmen sowie Mitarbeitern zu bringen.

Einen Blick auf die Situation in der Drachenstich-Stadt warf Furths Bürgermeister Sandro Bauer. Nachdem die Verwaltung mit mehreren Corona-Fällen unter der Belegschaft zeitweise lahm gelegt war, betonte er, wie wichtig ein weiterhin vorsichtiger Umgang mit dem Virus sei. Die Wirtschat brauche die Verwaltungen sowohl für das Alltagsgeschäft als auch für ihre Planungen, bestätigte Bauer. Oberstes Ziel sei deshalb auch in Furth, im Rahmen der Möglichkeiten schnell und vollumfänglich wieder Services für die regionalen Unternehmen anbieten zu können.

Kreative Ideen sind gefragt

Die Krise brachte verschiedenste Akteure vor Ort zusammen. In kürzester Zeit entstand so die Kampagne „Dahoam einkaufen“. Florian Werner von der Agentur Dreibein stellte das Konzept vor, das gemeinsam mit den Stadtmarketingvereinen im gesamten Landkreis sowie der Wirtschaftsförderung und der IHK-Geschäftsstelle Cham realisiert wurde. Das Ziel: Die Kaufkraft in die Geschäfte vor Ort zu lenken – mit regionalen Stimmen und Gesichtern als Werbebotschafter. Die IHK und das Regionalmanagement des Landkreises Cham sehen die Kampagne „Dahoam einkaufen“ als mögliches Dachmarkenkonzept für Stadtmarketingorganisationen und Arbeitgeber im Landkreis, das alle Städte sowie weitere Aspekte wie beispielsweise Arbeiten in der Region beinhaltet. Plößl betonte: „Cham kann auf seine kreativen Köpfe und den besonderen Zusammenhalt in der Region zählen.“ Einfach werde die kommende Zeit nicht und eine zweite Infektionswelle wäre das schlechteste Szenario, so der Konsens, aber mit Anpassungsfähigkeit und mutigen Ideen könne die regionale Wirtschaft die Krise meistern.
(01.07.2020)