Ausbildungsumfrage 2020

Unternehmen setzen trotz Krise auf berufliche Bildung

02.07.2020
Die IHKs in Deutschland haben in einer Online-Unternehmensbefragung die Lage auf dem Ausbildungsmarkt abgefragt und blicken bis dato vorsichtig optimistisch auf das Corona-Jahr 2020. „Trotz zahlreicher kreativer Ansätze seitens der Firmen wird das betriebliche Ausbildungsplatzangebot in diesem Jahr voraussichtlich niedriger ausfallen als 2019. Die gute Nachricht ist: Es gibt immer noch vielfältige Chancen und Wahlmöglichkeiten für junge Menschen, die sich für eine Berufsausbildung entscheiden“, betont Dr. Jürgen Helmes, Hauptgeschäftsführer der IHK Regensburg für Oberpfalz / Kelheim. Das geht aus der jüngsten bundesweiten Ausbildungsumfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) hervor, die auch die Situation in der Region Oberpfalz-Kelheim beleuchtet.

Corona-Pandemie verzögert Einstellungen

Laut DIHK sei die Entwicklung des Ausbildungsmarktes in diesem Krisenjahr grundsätzlich schwerer abzuschätzen als in den Vorjahren, daher könnte die Umfrage unter deutschlandweit mehr als 15.000 Unternehmen nur eine Momentaufnahme sein. Jedoch zeige sich, dass die Pandemie ihre Spuren nicht nur im Arbeits-, sondern auch im Ausbildungsmarkt hinterlässt. Bewerbungsprozesse in den Betrieben seien ins Stocken geraten. Vielerorts verzögerten sich Einstellungen. Auch wenn beispielsweise jeder vierte Ausbildungsbetrieb Gespräche über Video- und Telefonkonferenzen abwickelt, geht der DIHK davon aus, dass sich die Anbahnungsprozesse ungefähr um zwei bis drei Monate nach hinten verschoben haben. Im Ergebnis liege das betriebliche Lehrstellenangebot im deutschlandweiten Branchendurchschnitt momentan um rund sieben Prozent unter dem Vorjahresniveau. Ralf Kohl, Bereichsleiter Berufsbildung bei der IHK in Regensburg, erklärt: „Viele Unternehmen haben allerdings noch nicht final über die Zahl ihrer Ausbildungsplätze entschieden, da nach wie vor in weiten Bereichen Planungssicherheit fehlt.“ Jedoch gab es auch schon vor der Coronakrise wesentlich mehr Ausbildungsplätze als Bewerber, so dass die IHK nicht von einem Engpass bei Lehrstellenangeboten in der Region ausgeht.

Regionale Zahlen lassen hoffen

Die Zahlen aus der Oberpfalz und dem Landkreis Kelheim zeigen: Die Unternehmen setzen weiterhin auf die berufliche Bildung, um qualifizierte Fachkräfte aus den eigenen Reihen zu sichern. Beschäftigen etwa bundesweit rund 62 Prozent der Befragten ihre Ausbildungsabsolventen weiter, sind es in der Region Oberpfalz-Kelheim sogar mehr als 70 Prozent. 83 Prozent der regionalen Betriebe hatten zudem geplant, im Ausbildungsjahr 2020 neue Azubis einzustellen. Besonders erfreulich: „Trotz der aktuell sehr schwierigen Situation in manchen Branchen wie der Gastronomie und Hotellerie, geben 98,5 Prozent der befragten regionalen Betriebe an, wegen der Krise noch keine neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge wieder gelöst zu haben“, sagt Kohl. Das System der beruflichen Bildung funktioniere dank der großen Kreativität und Flexibilität der Firmen auch in Krisenzeiten. So gaben knapp 80 Prozent der Betriebe in der Oberpfalz und im Landkreis Kelheim an, dass die Ausbildung im Betrieb normal weiterlaufe (Deutschland: 75 Prozent). Rund 22 Prozent der regionalen Unternehmen schickten ihre Azubis zeitweise oder nahezu vollständig ins Home Office (Deutschland: rund 35 Prozent) und nutzten zudem vermehrt digitale Lernangebote.
Die bundesweite DIHK-Umfrage finden Sie unter https://bit.ly/2VBlAPa