IHK-Gremium Cham

Breitbandausbau braucht Standorte

16.07.2019
Während in Metropolregionen wie Berlin oder München bereits der 5G-Standard vorbereitet wird, kämpfen Unternehmen und Bewohner in weiten Teilen des ländlichen Raums weiterhin mit teils schlechtem bis gar keinem Empfang. Über die Gründe der Versorgungslücken im Mobilfunknetz und wie diese geschlossen werden können, diskutierten die Mitglieder des IHK-Gremiums Cham in ihrer Sommersitzung bei Gastgeber Stefan Reindl, Standortleiter der Siemens AG in Cham. Ministerialdirigent Dr. KIaus-Peter Potthast, Leiter der Abteilung Wirtschaftspolitik, Koordination und Industrie im Bayerischen Wirtschaftsministerium und Erwin Walch, Kommunalbeauftragter Mobilfunk Bayern bei der Deutschen Telekom AG, präsentierten den aktuellen Stand des 4G-Ausbaus im Landkreis. „Die Defizite in der digitalen Infrastruktur hemmen Entwicklungen in der Wirtschaft, blockieren die Kommunikation vieler Anwendungen und schaden dem Image des ländlichen Raums als Wirtschafts- und Lebensraum der Zukunft“, betonte Gremiumsvorsitzender Dr. Alois Plößl.

Empfang ist Glückssache

Dass es nahezu unmöglich sei, selbst auf gut ausgebauten Straßen in der Region ein zusammenhängendes Telefongespräch zu führen, sei ein Ärgernis für die Firmen vor Ort, so der Konsens unter den Gremiumsmitgliedern. Nicht nur für die Mitarbeiter der Unternehmen sei dies untragbar, sondern auch für Gäste aus nah und fern, die im bayerischen Wald ihren Urlaub verbringen. Die Pläne für den Lückenschluss im 4G-Netz stellte Ministerialdirigent Potthast vor. Grundsätzlich müsse man bedenken, dass die Bedarfe bei der Datenübertragung in den letzten Jahren rasant gestiegen seien. „Es geht nicht mehr um bloße Telefonie, sondern um einen wesentlich erhöhten Datendurchsatz.“ Das Bayerische Wirtschaftsministerium ließe zwar aktuell die Mobilfunkabdeckung entlang der bayerischen Autobahnen überprüfen, um dort bis zum Jahresende die in den Versorgungsauflagen der Mobilfunkunternehmen vereinbarte Vollabdeckung zu erreichen – Bundesstraßen, die den Landkreis Cham durchziehen, seien allerdings erst später an der Reihe. Potthast habe allerdings „große Hoffnung für die Region“. Die weißen Flecken sollen baldmöglichst abgedeckt werden, damit eine Datenübertragung im Schneckentempo endlich der Vergangenheit angehöre. Ziel sei zunächst eine flächendeckende 4G-Versorgung, um in einem zweiten Schritt die 5G-Technik zu integrieren. An Fördermöglichkeiten durch den Freistaat fehle es nicht – pro Gemeinde stünden bis zu 500.000 Euro Fördervolumen bereit – allerdings scheiterten viele Projekte an der fehlenden Akzeptanz der Anwohner für den Masten- und Antennenausbau.

Aufklärung durch Kommunen ist gefragt

„Die Angst vor der Strahlung hemmt“, bestätigte Walch von der Telekom, obwohl die Strahlung des Handys direkt am Nachttisch um ein Vielfaches höher sei als die eines Funkmastes oder der neuen, kleineren Antennengeneration. „Mobilfunk braucht Struktur. Eine Funkzelle ist Teil eines komplexen Netzes und nicht beliebig platzierbar.“ Gerade in weniger besiedelten Gebieten benötige man punktgenaue Antennen-Standorte, um vorhandene Lücken zu schließen. Die Zusammenarbeit mit Gemeinden und Kommunen sei entscheidend. „Die Versorgung steht und fällt mit geeigneten Standorten und diese befinden sich oft mitten im Ort.“ Die Entscheidungsträger aus Politik und Verwaltung seien gefragt, um die Notwendigkeit solcher Standorte zu kommunizieren und die Bevölkerung mit ins Boot zu holen. Wird kein geeigneter Standort bereitgestellt, bleibt das Funkloch bestehen. „Die Wirtschaft muss die strukturellen Nachteile noch deutlicher ansprechen und den Ausbau vor allem auf kommunaler Ebene verstärkt einfordern, damit die Unternehmen vor Ort wettbewerbsfähig bleiben“, fasste Vorsitzender Plößl die Meinung der Gremiumsmitglieder zusammen.