IHK-Gremium Nordoberpfalz

Abwägen statt abwehren

15.07.2019
Zu Gast im Nachbarlandkreis Amberg traf sich vergangene Woche das IHK-Gremium Nordoberpfalz im Rahmen einer Betriebsbesichtigung des regionalen Fernsehsenders OTV zu seiner Sommersitzung. Mit Johannes Bradtka und Michaela Domeyer vom Verein für Landschaftspflege und Artenschutz in Bayern (VLAB) diskutierten die Unternehmerinnen und Unternehmer über die Flächennutzung der Wirtschaft in der Nordoberpfalz.

In der Fläche verbunden

Sowohl aus Sicht des IHK-Gremiums als auch aus der des VLAB-Vorsitzenden Bradtka sei eine von der Landespolitik festgelegte Quote des Flächenverbrauches nicht umsetzbar. „Natürlich sieht es der Naturschutz kritisch, wenn der Flächenverbrauch stetig zunimmt“, so Bradtka. Eine Deckelung, wie mit der Fünf-Hektar-Regel angedacht, halte er dennoch für nicht sinnvoll. „Vielmehr plädiere ich für eine Prüfung auf Vorrang.“ Es müssten stets viele Faktoren abgewogen und dabei beispielsweise auch die Frage nach der gesellschaftlichen Auswirkung gestellt werden – entstehen viele neue Arbeitsplätze auf der erschlossenen Fläche, sei das positiv zu werten. „Der Flächenverbrauch muss in den Kontext notwendiger wirtschaftlicher Entwicklung gesetzt werden“, stimmte der stellvertretende Gremiumsvorsitzende Reinhold Gietl zu. Denn eine gute Konjunktur brauche Fläche mit Entwicklungspotenzial – sowohl für die Unternehmen als auch für ihre Fachkräfte.
Interkommunale Gewerbegebiete wie in Wiesau seien für Wirtschaft und Kommunen ein idealer Ansatz für ein Zusammenspiel von Ökonomie und Nachhaltigkeit, so der Konsens des Gremiums und des VLABs. Sie würden ausreichend Platz für Wachstum und eine gemeinsame Infrastruktur bieten. Neben Neuausweisungen gelte es ebenso, die Weiterentwicklung des Baurechtes voranzutreiben und mit bestehenden oder neu ausgewiesenen Flächen ressourcenschonend umzugehen. Es sei zu berücksichtigen, dass laut Bayerischem Landesamt für Statistik Gewerbe und Industrie zusammen nur ein Prozent der Gesamtfläche des IHK-Bezirks einnehmen, der Wohnbau nutzt 2,4 Prozent und 89 Prozent entfallen auf Wald, Landwirtschaft sowie sonstige Vegetations- und Wasserflächen. „Wichtig ist stets der Dialog aller Beteiligten, um im Einzelfall die bestmögliche Lösung zu finden“, sagte der VLAB-Vorsitzende.

Weg vom Kirchturm

Konstruktive Kommunikation wünschen sich die Unternehmen auch von der Wirtschaftsförderung der Landkreise Tirschenreuth und Neustadt a.d. Waldnaab sowie der kreisfreien Stadt Weiden, um künftig notwendige Entwicklungen gemeinsam anzustoßen. Ziel sei nicht, individuelle Projekte der drei Gebietskörperschaften einzudämmen, dennoch gebe es „Bereiche, in denen nur im Verbund langfristige Erfolge erzielt werden können“, so Gremiumsgeschäftsführer Florian Rieder. Dazu zählen für das IHK-Gremium beispielsweise ein gemeinsames Standort- und Fachkräftemarketing. Erste gute Ansätze in den Kommunen gelte es gemeinsam weiter voranzubringen.