Geschäftschancen in China

Online Vertrieb und Marketing in China

Sichtbar im chinesischen Internet - Lohnt es sich?

In China spielt das Internet eine zentrale Rolle und bietet daher zahlreiche Möglichkeiten für den Online Vertrieb und das Online Marketing. Im Jahr 2018 nutzten mehr als 828 Millionen Chinesen das Internet; das sind mehr als 50 Prozent der gesamten chinesischen Bevölkerung. Der Zuwachs ist vorwiegend durch einen Anstieg der Zahl der Smartphones bedingt. Bereits etwa 38 Prozent der ländlichen Bevölkerung nutzen das Internet. China ist inzwischen auch der größte E-Commerce Markt der Welt.
Insofern ist sowohl für die Wahrnehmung als Unternehmen als auch für den Vertrieb eine Online Präsenz durchaus anzuraten. Allerdings gelten im chinesischen Internet zum Teil andere Regeln. Chinas Internet ist staatlich reguliert. Die großen westlichen Internetunternehmen sind zwar meist schon in China präsent, haben dort aber nicht den Einfluss wie hierzulande. Es dominieren chinesische Pendancen den Markt. Somit lauern auch bezüglich des Werbe- und Vertriebsauftritts einige Fallstricke, die man möglichst umgehen sollte.

Internetpräsenz über Webseite oder Social Media Kanäle

Immer mehr potentielle Kunden suchen auch im Internet nach Produkten, aber auch Geschäftspartnern. Für einen geeigneten Markteinstieg bzw. die Ausweitung des bereits vorhandenen Kundenstamms ist eine repräsentative Internetseite daher sinnvoll. Gerade für kleine und mittelständische Unternehmen bietet das Internet gute Möglichkeiten kostengünstig in einen neuen Markt einzusteigen, beziehungsweise seinen Marktanteil auszubauen. Dies kann durch eine Social Media Präsenz, eine eigene Webseite oder auch beides in Kombination realisiert werden.
Beim Aufbau einer eigenen Webseite wird allerdings öfters der Fehler begangen, dass die eigene Homepage eins zu eins übersetzt wird. Sowohl vom Aufbau als auch von der Gestaltung und Navigation unterscheiden sich europäische und chinesische Internetseiten erheblich voneinander. Für europäische Betrachter wirken die chinesischen Internetseiten meist überladen, da in diesen sehr viel Informationen und Animationen dargestellt werden. Wichtig ist, beim chinesisch-sprachigen Internetauftritt, auch auf die dortigen Gestaltungsmuster zu achten. Hilfreich bei einer Einrichtung können Werbe- oder Internetagenturen sein, die auf dem chinesischen Markt schon länger aktiv sind und sich mit dem dort gängigen Stil auskennen.
Zu empfehlen ist auch der Auftritt in den sozialen Netzwerken. China hat mit Abstand die meisten und die aktivsten Social Media Nutzer der Welt. Glaubt man etlichen Studien, so befindet sich China weltweit auf Platz eins bezogen auf den Einfluss von Social Media auf das Kaufverhalten. Bei einer Social Media Strategie für den chinesischen Markt sollte man beachten, dass Verlinkung auf westliche Social Media Seiten nicht zielführend sind, da diese in China in der Regel nicht aufrufbar sind. Stattdessen empfiehlt es sich, auf den chinesischen Social Media Plattformen zusätzlich ein Profil anzulegen. Viele deutsche Unternehmen sind bereits aktiv und haben Profile auf den einschlägigen Seiten  Hier bedarf es allerdings eines bestimmten Zeitaufwandes für die Pflege eines solchen Auftritts in den Netzwerken, ansonsten kann dies auch negative Auswirkungen haben. Besonders WeChat ist sehr beliebt für den Aufbau von Kontakten (z.B. auf Messen) sowie zur Bekanntmachung von Unternehmen und Produkten.

Übersicht über wichtige Suchmaschinen und  Social Media Kanäle:

Online Vertrieb und Marketing - B2B und B2C

Beim Online Vertrieb in China hat man Möglichkeiten für B2B und B2C Geschäfte - Je nach Ziel und Zielgruppe.
B2B Handelsplattformen
Eine gute Einstiegsmöglichkeit in die chinesische Onlinewelt bieten B2B Handelsplattformen, die meist weit mehr als reine Unternehmensverzeichnisse sind. Hier können Unternehmen auch eigene Profile anlegen und werden somit für viele chinesische Unternehmen medial erst sichtbar. Einige der Portale bieten auch eine englische Version an. Der Vorteil bei diesen Plattformen ist, dass die Kosten zunächst gering gehalten werden können, da die Unterhaltung eines Profils nicht so aufwendig ist, wie die Etablierung der eigenen Homepage. Weiterhin sind die Seiten in China bereits eingeführt und bekannt, sodass potentielle Kunden schneller auf das eigene Unternehmen aufmerksam werden, was den Bekanntheitsgrad auf dem chinesischen Markt erhöht. Auch kann hier Fälschern, die sich natürlich auch auf diesen Seiten tummeln, aktiv entgegengetreten werden. Es ist daher bei der Anmeldung unbedingt darauf zu achten, dass absolut klar und eindeutig ersichtlich ist, dass es sich bei diesem Unternehmen um das Original aus Deutschland handelt.
Meist ist eine Registrierung auf einem dieser Portale der erste Schritt bevor man eine eigene chinesische Internetseite einrichtet. Basierend auf den dann gemachten Erfahrungen, kann man sich im weiteren Verlauf überlegen, wie sinnvoll und effektiv eine eigene Seite in China sein kann. Auf keinen Fall aber sollte eine eigene Internetseite als Ersatz für die Handelsplattformen benutzt werden, da gerade im B2B Bereich viele Unternehmen zuerst auf diesen Plattformen nach interessanten Geschäftspartnern Ausschau halten und daher die eigene Präsenz auf den einschlägigen Seiten unverzichtbar ist. Viele dieser Seiten sind auch mit einer eigenen Handy-Version ausgestattet, so dass man automatisch im wichtigen Bereich Mobil-Marketing vertreten ist.
B2C Handelsplattformen
China ist der größte E-Commerce Markt der Welt. Über 600 Millionen Personen nutzen regelmäßig E-Commerce Plattformen. Informationen zum größten E-Commerce Markt der Welt, sowie rechtliche und zollrechtliche Informationen finden Sie im E-Commerce Spezial der GTAI.
Informationen darüber, welche Produkte über den Cross-Border E-Commerce (CBEC) Weg eingeführt werden dürfen finden Sie hier. Weiterhin wurden im November 2018 der CBEC verlängert und einige Neuerungen eingeführt; mehr dazu finden Sie hier.
Eigene Webseite
Falls eine eigene Internetseite auf chinesisch eröffnet werden soll, stellt sich die Frage ob die Internetseite aus China heraus gehostet werden soll oder doch eher aus Deutschland betrieben wird. Beides hat sowohl Vor- als auch Nachteile. Um eine eigene Internetseite in China zu betreiben, muss meist vor Ort auch eine Tochtergesellschaft vorhanden sein. Zuständig für eine Internet Content Provider Licence in China ist das Ministry of Industry and Information Technology. Eine in China angesiedelte Webseite hat allerdings den Vorteil, dass chinesische Webseiten sich viel schneller öffnen und von chinesischen Suchmaschinen leichter gefunden werden können.
Zu beachten bei den Planungen eines eigenen Online-Vertriebs ist, dass das Logistik-Netz meist noch nicht die Qualität und Zuverlässigkeit, wie zum Beispiel in Deutschland, aufweist. Gerade in ländlichen Regionen kann es vorkommen, dass Waren verspätet oder beschädigt ankommen. Dies muss unbedingt bei den Planungen einer eigenen Online-Vertriebspräsenz bedacht werden.
Überblick über einige wichtige chinesische Internetseiten im Bereich Business und Vertrieb:
B2B
B2C
Bitte beachten Sie: Die IHK übernimmt keine Gewähr, dass die in den Webportalen genannten Unternehmen seriös und leistungsfähig sind oder Interesse an einer Zusammenarbeit haben.

Übrigens: Alle angegebenen Portale sowie chinesische Suchmaschinen eignen sich dazu, nachzuprüfen, ob eventuelle Plagiate der Markenrechtsverletzungen von den eigenen Produkte angeboten werden. Auch chinesische Suchmaschinen auf Fälscher aufmerksam zu werden, um dann gegebenenfalls nötige Schritte einzuleiten zu können.

Fallstricke

Auch wenn das Internet viele Möglichkeiten bietet, sollte man nicht außer Acht lassen, dass es natürlich auch viele Fallstricke gibt. Gerade der in letzter Zeit in den Medien häufig genannte "Shitstorm", kann die Reputation eines Unternehmens nachhaltig beschädigen. Unternehmen sollten daher ihre Internetstrategie im unbedingten Einklang mit allen anderen Marketing Aktivitäten ausrichten und möglichst die Internetpräsenz nicht nur halbherzig durchführen. Kritische Stimmen werden im Internet schnell gehört und können eine Lawine auslösen, die mitunter schwer zu stoppen ist. Auf negative Stimmungsmache in Foren, Internetseiten, etc. muss somit umgehend und effektiv reagiert werden. In allen Bereichen des Engagements sollte nicht vergessen werden, dass das Internet in China weiterhin der staatlichen Kontrolle und Zensur unterliegt, insofern verbieten sich Äußerungen über Politik oder kritische Sachverhalte von selbst, da es ansonsten zu Konsequenzen chinesischer Behörden führen kann.
Bitte beachten Sie, dass des Öfteren deutsche Unternehmen von angeblichen chinesischen Domainregistratoren unaufgefordert E-Mails erhalten, dass ein anderes Unternehmen den Namen anmelden möchte. Meistens handelt es sich dabei um Betrugsfälle. 

Stand: Mai 2020