Arbeitswelt der Zukunft

Die Industrie wird intelligenter

Kein Metallstaub oder Lärm in der Montagehalle, dafür helle Büros, Kommunikationsinseln, Familien- und Fitnessprogramm. Der Schaltschrankhersteller Spangler Automation GmbH setzt auf Industrie 4.0. Geschäftsführerin Tina Lambert lud die Mitglieder des IHK-Gremiums Neumarkt in ihren Betrieb.
Sie zeigte, wie das 130 Mitarbeiter zählende Unternehmen den Weg in die Digitalisierung meistert. Spannend für die Mitglieder des Gremiums, denen dieser Weg zum großen Teil noch bevorsteht. „Die Firmen wissen, dass sie an der Digitalisierung nicht vorbeikommen. Wichtig wird sein, dabei eine Unternehmenskultur zu entwickeln, die die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mitnimmt“, fasste Gremiumsvorsitzende Susanne Horn die Sitzung zusammen.

Im virtuellen Schaltschrank

Wird bei Spangler heute ein Schaltschrank zusammengebaut, dann hat er alle Schritte der Planung und Entwicklung, umfangreiche Testphasen und darauf aufbauende Optimierungen bereits durchlaufen, und zwar vollends in virtueller Umgebung, ohne Einsatz von Material oder Personal dort, wo er einmal aufgestellt werden soll. Als „Kerngeschäft“ des Unternehmens sieht Tina Lambert die virtuelle Konfiguration von Stromlaufplänen. Das Know-how stecke in der Software und in den Köpfen der Programmierer. „Wir vernetzen Bauteil um Bauteil miteinander“, erklärt Mitarbeiter Thomas Zenk von Spangler bei der Betriebsführung. So können immer mehr Informationen über die Vorgänge im Schaltschrank gesammelt und für den Kunden aufbereitet werden. Nicht nur Fernwartung, auch zielgerichtete Prozessverbesserungen werden möglich. „Big Data“ lautet das Schlagwort, mit dem Spangler im After-Sales-Geschäft beim Kunden punkten möchte.
Wie die 330.000 Köpfe starke Siemens AG zum „Digitalisierungskonzern“ umgebaut werden soll, erläuterte Siemens-Vertriebsleiter Bayern, Markus Birkhan, in seinem Gastvortrag. Was bei Spangler im mittelständischen Umfeld funktioniert, hält auch beim „Big Player“ Siemens Einzug. Als Zukunftsfelder mit einem jährlichen Marktwachstum von knapp 20 Prozent nennt Birkhan „Digital Services“ und „Vertical Software“. Das eine Geschäftsfeld umschreibt die Datenerfassung und -verarbeitung, das andere das Planen, Bauen und Testen von Anlagen gemeinsam mit dem Kunden auf virtuellen Plattformen.

Kulturwandel im Unternehmen

All das erfordert ein Lernen digitaler Fähigkeiten und einen grundlegenden Kulturwandel in den Unternehmen. Darin waren sich die Gremiumsmitglieder mit Gastredner Hermann Brandl von den Bayerischen Metall- und Elektroarbeitgeberverbänden einig. Der stellte aus einer Studie vor, was die Industrie 4.0 für die Personalabteilungen bedeutet. „Bisher Erlerntes wird nicht reichen, die Arbeitsprozesse werden schneller und vernetzter.“ Von jedem Mitarbeiter erfordere das, die Vorgänge im Unternehmen von der Materialbeschaffung bis zum Kundenservice zu kennen. Gefordert sieht Brandl in erster Linie die Firmenchefs. Sie müssten ihren Personalabteilungen sagen, welche Anforderungen sie an ihre Mitarbeiter künftig haben. Aus- und Weiterbildungen müssten flexibler werden. Sein Tipp: „Machen Sie Ihren Ausbildungsleiter zum Leiter der Abteilung Wissensvermittlung.“
(08.11.2016)