Pressemeldung

Wetten statt Wirtschaften

Auch für die regionale Wirtschaft bedeutet das stetige über den Haufen werfen und Neuschaffen von Verordnungen in der Corona-Pandemie Verunsicherung. Das kostet wertvolle Kraft. Dabei müssten die politischen Entscheidungen eigentlich transparent, erklärbar und verlässlich bleiben. Anforderungen, die sich aus Sicht der Mitglieder des IHK-Gremiums Nordoberpfalz nicht mehr zu erfüllen scheinen. „Die Lage bleibt frustrierend“, mahnte Vorsitzender Bernd Fürbringer bei der virtuellen Gremiumssitzung vergangene Woche.
Während betroffene Betriebe versuchen, trotz aller Unsicherheiten weiter bestmöglich zu wirtschaften, wachsen Resignation und Existenzängste. „Es fehlt die Basis für betriebswirtschaftliches Planen, aktuell gleicht dies eher einem Wetten mit oftmals hohen Einsätzen. Eine Erholung oder gar Rückkehr zur Normalität für die Wirtschaft ist unter diesen Bedingungen schwer möglich“, sagte IHK-Geschäftsstellenleiter Florian Rieder. Klar sei, dass es auch im Interesse der Unternehmen ist, das Coronavirus einzudämmen, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie Kunden zu schützen und die Prozesse im Betrieb aufrechtzuerhalten.
„Funktionierende Hygienekonzepte sind seit letztem Jahr Realität, Testen im Betrieb auch vor der aktuellen Pflicht gängige Praxis“, betonte Fürbringer. Die kürzlich verabschiedete Testangebotspflicht entwerte das freiwillige Engagement der Wirtschaft und verursache zusätzliche Kosten für die teilweise bereits angeschlagenen Unternehmen. Das Angebot dürfe laut Rieder nicht zur Einbahnstraße werden: „Wir hoffen sehr, dass die Mitarbeiter das Testangebot tatsächlich wahrnehmen. Ansonsten läuft diese für die Wirtschaft teure Pandemie­Maßnahme ins Leere.“

Veränderungen anstoßen und begleiten

Gerade wegen der allgegenwärtigen Einschränkungen rückten die Mitglieder des IHK-Gremiums auch die Zeit nach der Pandemie in den Mittelpunkt. Gemeinsam mit Fabian Liedl, Leiter der Wirtschaftsförderung der Stadt Weiden, sowie Sabine Müller und Michael Sperber von den Wirtschaftsjunioren beschäftigten sich die Unternehmerinnen und Unternehmer mit den Entwicklungsperspektiven für die Wirtschaftsregion.
„Innenstädte werden nie mehr so, wie sie einmal waren“, konstatierte Wirtschaftsförderer Liedl mit Blick auf die Zeit nach dem Lockdown. Auch wenn diese in Fachkreisen verbreitete Meinung hart klinge, bedeute dies nicht das Ende der Ortszentren. Ein Besuch der Innenstadt sei beispielsweise in Zukunft nicht mehr vom reinen Versorgungseinkauf, sondern auch von Emotionen  und Aufenthaltsqualität geprägt. „Das bedeutet im Umkehrschluss nicht, dass der Einzelhandel keine Rolle mehr spielt, wohl aber, dass sich eine Innenstadt nicht mehr nur allein darüber definieren kann“, erklärt Liedl. Ein Patentrezept gebe es nicht, wohl aber könnten gute und bewährte Konzepte an die eigene Kommune angepasst werden. Generell gelte es interkommunale Netzwerke zu pflegen und zu nutzen, um Vorteile für alle Beteiligten zu realisieren.
„Engagiert und innovativ zu denken, zeichnet die junge Generation und damit der Wirtschaftsjunioren aus“, würdigte Fürbringer die Arbeit der Nachwuchsführungskräfte. Sabine Müller und Michael Sperber verdeutlichten, wie wichtig die Junioren in der Region und auf Oberpfälzer Ebene Megatrends wie Digitalisierung einstufen. Dies führt nicht zuletzt zu Initiativen wie dem laufenden „Mint Sprint“, mit dem der Juniorenkreis aktuell Lernroboter an alle Mittelschulen der Nordoberpfalz vermittelt.
(30.04.2021)