Pressemeldung

Waren brauchen Wege und keine Hürden

Bayerns Bahnausbau und die Situation im Nachbarland Tschechien standen auf der Agenda der virtuellen Vollversammlung der IHK Regensburg für Oberpfalz / Kelheim am Donnerstagabend. Über allen Diskussionen der regionalen Vertreter der Wirtschaft standen die Belastungen der Unternehmen durch die Corona-Krise und den daraus resultierenden Pandemie-Maßnahmen.
Ab nächster Woche müssen die Unternehmen ihren Mitarbeitern, die nicht im Homeoffice arbeiten, ein wöchentliches Corona-Testangebot machen. „Damit tragen die Firmen künftig in großem Umfang die Last bei der bevölkerungsweiten Teststrategie“, stellte IHK-Präsident Michael Matt fest und hofft auf staatliche Kompensation für die Wirtschaft.  
Über das Handeln der IHK gegenüber der Politik im Sinne einer sinnvollen Ausgestaltung der Pandemie-Maßnahmen berichtete IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Jürgen Helmes. Die Lage bei vielen Unternehmen in der Region vor allem in den besonders hart von Geschäftseinschränkungen betroffenen Branchen bei Handel und Dienstleistungen bezeichnete Helmes mitunter als bitterernst. Thomas Hanauer, Vorsitzender des IHK-Ausschusses International, berichtete über die Hürden, mit denen die Unternehmen auf den Weltmärkten gegenwärtig nicht allein durch die Corona-Pandemie zu kämpfen hätten. Klar ist: „Die internationalen Lieferketten bleiben weiterhin unter Druck“, stellte Hanauer fest. Mit Blick auf den Gesetzesentwurf des Sorgfaltspflichtengesetzes sieht Hanauer bürokratischen Aufwand auf die Unternehmen zukommen.

2,35 Milliarden Euro für Bayerns Bahnausbau 2021

Warenströme brauchen Wege, um zu fließen. Der Bahnausbau in Ostbayern steht nunmehr im Fokus des Bundesverkehrswegeplans 2030. „2,35 Milliarden Euro investiert die Deutsche Bahn 2021 in die Bahninfrastruktur in Bayern. Die Bundespolitik setzt auf eine starke Schiene und wir nutzen diesen Rückenwind. Gerade der Nah- und Güterverkehr in der Region wird profitieren“, versprach Gastredner Klaus-Dieter Josel, Konzernbevollmächtigter der Deutschen Bahn für den Freistaat Bayern. Die Elektrifizierung der Schiene zwischen Regensburg und Hof sei nun in der Planung weiter fortgeschritten. Auch für den Ausbau des sowohl für Nah-, Fern- und Güterverkehr wichtigen Nadelöhrs Regensburg-Obertraubling macht Josel Hoffnung auf Umsetzung. Bei alledem müssten sich Wirtschaft und Bahn aufgrund der komplexen politischen Entscheidungsprozesse jedoch auf einen längeren Planungsprozess einstellen.

Einsatz für grenzenlosen Handel

Der erfolgreiche Wirtschaftsraum Ostbayern-Westböhmen steht durch die Corona-Krise besonders unter Druck. Bernard Bauer, Geschäftsführender Vorstand der Deutsch-Tschechischen Industrie- und Handelskammer in Prag (DTIHK) berichtete in einem Gastvortrag über die gegenwärtige Corona-Situation im Nachbarland und die Auswirkungen auf das deutsch-tschechische Wirtschaftsgeschehen. Tschechien hatte seit September 2020 wie kein anderes Land mit der Pandemie zu kämpfen. Bauer stellte dar, wie wichtig die Eingaben der IHK- und AHK-Organisation an die Politik in Prag und Deutschland angesichts der Pandemiemaßnahmen an den Grenzen waren. Auch dank dieses Engagements konnten die Lieferketten weitestgehend aufrechterhalten werden, denn auf die Exporte nach Deutschland hatten die Grenzschließungen 2020 keine nennenswerten Auswirkungen.  
Trotz der wirtschaftlichen Einbrüche vor allem im Tourismusbereich bewege sich das Land weiterhin nahe der Vollbeschäftigung. Nachdem die Industrieproduktion 2020 um 7,1 Prozent einbrach, erwarten die Wirtschaftsexperten für 2021 wieder ein Plus von 6,1 Prozent. Nach einem massiven Lockdown wurde nach fünf Monaten der landesweite Notstand zum 11. April aufgehoben. Weiterhin bleiben jedoch weitreichende Pandemiemaßnahmen aufrechterhalten. Die Betriebe in Tschechien sind zum regelmäßigen Testen der Mitarbeiter verpflichtet. Seit 14. April gibt es keine Grenzkontrollen mehr zu Tschechien. Über die gängigen Regelungen informiert die Website www.ihk-regensburg.de/corona/tschechien
Aus einer Blitzumfrage der DTIHK berichtet Bauer davon, dass fast zwei Drittel der Betriebe im Land bereit seien, ihre eigene Infrastruktur etwa über Betriebsärzte für die nationale Impfkampagne einzusetzen oder die dafür nötige Infrastruktur kurzfristig aufzubauen. „Das zeigt eine enorme Bereitschaft der Wirtschaft, den Staat bei der Pandemiebekämpfung zu unterstützen“, so Bauer. Der nationale Aufbauplan aus den EU-Mitteln der Recovery and Resilience Facility soll die Wirtschaft in Tschechien nun bei Themen der digitalen Transformation, der Infrastruktur und der Nachhaltigkeit voranbringen – vom 5G-Ausbau, über die E-Mobilität bis hin zu Nanotechnologien. Hier sieht Bauer ein enormes Potenzial für die Zusammenarbeit bayerischer und tschechischer Unternehmen.

Verleger Peter Esser geehrt

Für seine besonderen Verdienste um die regionale Wirtschaft dankte IHK-Präsident Michael Matt dem Vollversammlungsmitglied und IHK-Vizepräsidenten Peter Esser, Komplementär der Mittelbayerischer Verlag KG. Esser engagiert sich seit Jahrzehnten im Ehrenamt der IHK-Organisation und schied Ende März satzungsgemäß nach zwei Wahlperioden als Vizepräsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertags e.V. (DIHK) aus. Nicht allein für sein Engagement um die regionale Wirtschaft bei der Politik in Berlin verlieh ihm die IHK Regensburg für Oberpfalz / Kelheim ihre Ehrenmedaille.
(16.04.2021)