Pressemeldung

Vernetzter Landkreis

Für die Wettbewerbsfähigkeit der Betriebe im Landkreis Kelheim ist die Kapazität der Verkehrsinfrastruktur ebenso erfolgsentscheidend wie die der Datenautobahnen. Gerade in Zeiten einer durch die Corona-Pandemie beschleunigten und branchenübergreifenden Digitalisierung „müssen nicht nur die Verkehrswege zu ihren Standorten, sondern auch die digitalen Verbindungen genügend Leistung für die Unternehmen bieten“, zeichnete Gremiumsvorsitzender Michael Gammel das Bild eines vernetzten Landkreises. Gemeinsam mit Landrat Martin Neumeyer diskutierte das IHK-Gremium Kelheim bei dessen virtueller Sitzung die Stärken und Schwächen der Region.

Leistungsfähige Infrastruktur

Corona habe die Notwendigkeit eines flächendeckenden Glasfaserausbaus nochmals verstärkt, so der Konsens der Gremiumsmitglieder. Entsprechende Datenleitungen spielten für die Wirtschaft nicht nur in Gewerbegebieten eine Rolle. Der Blick auf Homeoffice mache deutlich, dass auch die Wohngebiete ausreichend erschlossen werden müssen. Die Ergebnisse der IHK-Standortumfrage 2020 für den Landkreis Kelheim untermauern den Handlungsbedarf. „Die Unternehmen bewerten die digitale Infrastruktur hinsichtlich Mobilfunk und Breitband als klaren Standortnachteil“, erklärte IHK-Bereichsleiterin Standortpolitik Sibylle Aumer. Das Thema habe sich verschärft, bestätigte auch Landrat Neumeyer, „die Krise richtet das Brennglas auf die Digitale Infrastruktur“.
Die Zuverlässigkeit der Energieversorgung und die überregionale Verkehrsanbindung auf der Straße weist die Umfrage hingegen als Standortvorteile aus, wenngleich die Zufriedenheit mit der Lage rund um die B 16 seit der letzten Umfrage 2015 weiter sank. „Knapp 80 Prozent der Betriebe im Landkreis sind davon betroffen“, wusste Aumer. Viele von ihnen, vor allem aus dem Verarbeitenden Gewerbe, seien an der Bundesstraße angesiedelt und auf eine gute Erreichbarkeit und funktionierende Logistik angewiesen. „Wir benötigen die Bundesstraße als belastbare und zuverlässige Verbindung nach Regensburg und Ingolstadt. Sie ist als Zugang zu den Autobahnen A 9 und A 3 von existenzieller und überregionaler Bedeutung für die Wirtschaft“, stimmte Gammel zu. Trotz des durch Corona aktuell verringerten Verkehrsaufkommens ist die B 16 zwischen Regensburg und Ingolstadt überlastet. Im Landkreis müsse ihr Ausbau bei Neustadt a. d. Donau und Bad Abbach weiter vorangetrieben werden. „Denn spätestens nach der Corona-Krise wird das aktuell verringerte Verkehrsaufkommen wieder steigen und an vielen Stellen Defizite und Überlastungen wieder deutlich spürbar.“ Neumayer stimmte zu: „Im Bereich der B 16 wird sich was bewegen, weil sich was bewegen muss.“ Wie genau, müsse man in Abwägung der unterschiedlichen Interessen und Möglichkeiten sehen.

Attraktivität kommunizieren

„Die Umwelt- und Lebensqualität gilt neben der Motivation und Loyalität der Mitarbeiter als deutlicher Standortvorteil“, berichtete Aumer. Doch die Akquise neuer Fachkräfte und Auszubildender gestalte sich schwierig. Der Landkreis Kelheim engagiert sich beispielsweise mit dem Tag der Ausbildung für die Berufsorientierung von Nachwuchskräften. „Doch Corona-bedingt konnte vieles leider nicht oder nur online umgesetzt werden“, bedauerte Neumeyer. Auch hinsichtlich der Arbeits- und Lebensqualität des Landkreises böten sich für Gammel durch eine ausreichende Datenverbindung gepaart mit dem aktuellen Trend zum Homeoffice Chancen: „Die Entfernung zum Arbeitsplatz werde relativiert und das Leben im Grünen noch attraktiver.“
Darüber hinaus ist das Landratsamt im engen Austausch mit den Unternehmen vor Ort, um die regionalen Vorteile potenziellen Fachkräften und Firmen, die einen neuen Standort suchen, zu kommunizieren. Eine Stellschraube, an der aus Sicht der Unternehmen in punkto Attraktivität noch gedreht werden könnte, ist die Dauer von Genehmigungsverfahren. Die Gremiumsvertreter wünschten sich hier wieder eine stärkere Ausrichtung der Wirtschaftsförderung auf Lotsendienste im das Landratsamt.
(25.02.2021)