Pressemeldung

Risikofaktor Energiepreise

Die Corona-Krise hat die Wirtschaft nach wie vor fest im Griff. Die Industrie in der Region schreitet langsam aus dem Konjunkturtal, jedoch steht das exportstarke Verarbeitende Gewerbe mehr denn je in einem harten internationalen Wettbewerb und kämpft mit explodierenden Rohstoff- und Vorgüterpreisen. Zeitgleich stellt die Verschärfung der klimapolitischen Ziele in Deutschland – vor allem die aktuell diskutierte Steigerung der CO2-Preise – die Betriebe in der Oberpfalz und im Landkreis Kelheim vor die nächste Herausforderung. „Auch wenn sich unsere Mitgliedsunternehmen für den Klimaschutz aussprechen und diesen als Chance sehen, droht eine mögliche Erhöhung der CO2-Preise die Leistungsfähigkeit der regionalen Wirtschaft erheblich auszubremsen“, betont Dr. Jürgen Helmes, Hauptgeschäftsführer der IHK Regensburg für Oberpfalz / Kelheim.

Alternative Technologien fehlen

Die Unternehmen wollen ihren Beitrag zum Klimaschutz leisten, so Helmes. Jedoch seien die Möglichkeiten, auf alternative Technologien umzusteigen, begrenzt. „Mit einer Erhöhung des festgelegten Korridors für den CO2-Preis soll Planungssicherheit erreicht werden, um die nachgebesserten Klimaschutzziele zu erreichen. Das würde allerdings solche Betriebe, deren Produktionstechnologien oder Gebäudebeheizung auf fossilen Energieträgern beruhen, in eine ungewisse und wenig planbare Zukunft befördern“, sagt Helmes. Niemand könne genau sagen, wann die ersehnten klimafreundlichen Technologien, die künftig mit immer saubererem Strom betrieben werden sollen, ihre Marktreife und damit Praxistauglichkeit erreichen. Zudem seien die damit verbunden Kosten unklar. In der jüngsten Vergangenheit kannte der Strompreis nur eine Richtung – die nach oben. Zu hohe Energiekosten bergen Risiken für viele Unternehmen und bringen letztendlich keinen positiven Effekt für den Klimaschutz. „Wenn die Betriebe sich nun gezwungen sehen, ihre Investitionen ins Ausland zu verlagern, weil in Deutschland die Rahmenbedingungen zu restriktiv sind und die notwendige Planungssicherheit fehlt, ist keinem geholfen, erst recht nicht der Umwelt“, so Helmes. Von Seiten der Politik brauche es jetzt ein effektives Gesamtkonzept mit langfristig verlässlichen und möglichst unbürokratischen Rahmenbedingungen, um die klimapolitischen Herausforderungen zu bewältigen und Wohlstand sowie Arbeitsplätze zu sichern.

Unternehmen brauchen Planungssicherheit

Das bestätigt ebenfalls Johannes Heckmann, Vorstandsvorsitzender der Nabaltec AG in Schwandorf, eines weltweit tätigen Anbieters für Füllstoffe und Spezialoxide: „Ein Verlassen des ursprünglich angedachten Pfads bei der CO2-Bepreisung würde uns trotz der bereits in hohem Maß genutzten Energieeinsparpotenziale im Unternehmen empfindlich treffen. Ein nationaler Alleingang ist für deutsche Industriestandorte mit erheblichen Problemen verbunden." Denn im internationalen Wettbewerb könnten Kostensteigerungen nicht beliebig an Kunden weitergegeben werden, so Heckmann. Erschwerend komme hinzu, dass durch ständige Änderungen staatlicher Vorgaben die für Unternehmen erforderliche Planungssicherheit nicht vorhanden sei. Das sieht auch Josef Kallmeier, Geschäftsführer der Porzellanfabriken Christian Seltmann GmbH in Weiden, so: „Da wir für die Produktion Strom und Gas benötigen, investieren wir schon lange in Energieeffizienzmaßnahmen. Diese Investitionen sind auf mehrere Jahre ausgelegt und brauchen Planungssicherheit. Das Hin und Her bei gesetzlichen Regelungen ist für Investitionsstandorte kontraproduktiv. Was wir brauchen, sind langfristig verlässliche und praxisorientierte Vorgaben, die auch die technologischen Möglichkeiten berücksichtigen.“ Jeder zusätzliche Euro beim CO2-Preis schmerze das Unternehmen empfindlich, da mangels wirtschaftlich einsetzbarer Produktionstechnologien die zusätzlichen Kosten nicht einfach aufgefangen werden können. Zudem sei das Unternehmen an Lieferverpflichtungen mit langen Laufzeiten gebunden, die Preiserhöhungen nicht zulassen.
IHK-Chef Helmes betont: „Anstatt Unternehmen blind in eine ungewisse Zukunft wirtschaften zu lassen und damit ganze Branchen und Arbeitsplätze zu gefährden, sollte die Politik vielmehr daran arbeiten, betroffenen Branchen Planungssicherheit und positive Anreize zu geben – zum einen hinsichtlich der Preise für eine grüne Stromversorgung und zum anderen der Marktfähigkeit technischer Alternativen.“ Eine stabile Energieversorgung auf Basis erneuerbarer Energien, deren Ausbau ohnehin stärker vorangetrieben werden muss, stelle dafür eine Grundvoraussetzung dar.
(21.05.2021)