Pressemeldung

Nutzungsmix im Zentrum

Der Strukturwandel des Einzelhandels ist immer mit einem Strukturwandel der Innenstädte verbunden. Nicht zuletzt durch die Corona-Pandemie nahmen Kundenfrequenzen ab. Viele innenstadtrelevante Sortimente wie Mode- und Schuhhandel verlagerten sich zunehmend ins Internet und hinterließen leerstehende Geschäfte. „Um Stadtbummler zurück in die Zentren zu bringen, sind mutige, konsequente und kreative Lösungen unter Einbeziehung der beteiligten Akteure gefragt“, sagte IHK-Präsident Michael Matt zu Beginn des neunten Werkstattgesprächs zur Stadtentwicklung am vergangenen Freitag. Gemeinsam mit Experten aus Wirtschaft und Kommunen beleuchtete die IHK Regensburg für Oberpfalz / Kelheim mögliche Strategien.
Jan Vorholt, Projektleiter bei der CIMA Beratung + Management GmbH, stellte Konzepte zur Leerstandsbekämpfung vor: „Pop-up-Stores oder Co-Working-Spaces bieten neue Nutzungsmöglichkeiten für leerstehende Ladenlokalen und können die Attraktivität der Ortszentren neu gestalten.“ Das Einbinden von Kultur und Start-ups sorge für ein abwechslungsreiches und spannendes Stadtbild. „Es braucht neue Frequenzanker“, bestätigte Markus Wotruba, Leiter Standortforschung der BBE Handelsberatung GmbH. Inspirationsquellen, um Konzepte der Stadtentwicklung neu zu denken, liefern für Wotruba unter anderem Einkaufszentren: „Kommunen können hinsichtlich Aufenthaltsqualität und Nutzungsmix von Händlern, Gastronomen und Dienstleistern viel von ihnen lernen.“

Regionales Gesamtkonzept

Wie die erfolgreiche Nutzung von Leerständen aussehen kann, präsentierte Rolf Beuting, Bürgermeister des oberbayerischen Markt Murnau am Staffelsee. Dort wurde ein ehemaliges Krankenhausgebäude als Innovationsquartier umfunktioniert, um Start-ups kostengünstige Arbeitsräume zu bieten und sich als innovativer Wirtschaftsstandort zu positionieren. Erfolgreiche Stadtentwicklungskonzepte aus der Oberpfalz kamen aus den Städten Berching und Parsberg. Berchings Bürgermeister Ludwig Eisenreich zeigte, was Investitionen in die touristische Infrastruktur leisten können. Die Erneuerung von Außenfassaden und der Bau einer neuen Kulturhallte steigerten die Aufenthaltsqualität und schufen Synergieeffekte für die bestehenden Hotel- und Gastronomiebetriebe. Bereits 2010 setze die Stadt Parsberg ein integriertes Städtebauliches Entwicklungskonzept (ISEK) auf, um im Ortszentrum einen Nutzungsmix aus Wohnen, Einkaufen und Kultur zu vereinen. „Es bleibt noch viel zu tun und da braucht es einen klaren Plan“, betonte Parsbergs Bürgermeister Josef Bauer.
Damit ein Konzept aufgeht, braucht es nach Wotruba „eine Gesamtstrategie, die Städte und Gemeinden gemeinsam mit ihren Gewerbetreibenden verfolgen“. IHK-Präsident Michael Matt ist durch bundesweit über 80 Filialen in ganz Deutschland hiermit vertraut und bestätigte: „Dort wo die Kommunalentwicklung strategisch ausgerichtet ist und konsequent verfolgt wird, finden wir nach wie vor vitale Zentren vor. Nur so können unsere Städte und Kommunen langfristig als Wohn- und Arbeitsort attraktiv bleiben.“
Jörg Schötz, Referatsleiter Städtebauförderung des Bayerischen Staatsministeriums für Wohnen, Bau und Verkehr, stellte neue Förderprogramme für Kommunen zur Stadtentwicklung vor, darunter auch der neue 100 Millionen Euro umfassende Sonderfond „Innenstadt beleben“. Beispiele für frühere, erfolgreiche Verwendungen von Städtebaumitteln zeigte Dr. Hubert Schmid, Sachgebietsleiter Städtebau bei der Regierung Oberpfalz.
(11.05.2021)