Pressemeldung

Ladensterben verhindern, Perspektiven schaffen

In der Innenstadt flanieren, durch die Geschäfte stöbern und einen Espresso im Café trinken – Stadtbummler werden in diesen Zeiten in den Ortszentren schmerzlich vermisst. Bereits vor der Corona-Pandemie nahmen Kundenfrequenzen ab, während die Umsatzanteile des Onlinehandels stiegen. Die weitreichende Schließung von Gastronomie und Handel hat die Besucher nun völlig aus dem Stadtbild verschwinden lassen.„Doch Innenstädte sind prägend für eine Region“, betont Michael Matt, Präsident der IHK Regensburg für Oberpfalz / Kelheim.
Sie sind auch nach der Krise entscheidende Identifikationskerne, um sowohl als Wirtschaftsstandort wie auch als Arbeits- und Wohnort attraktiv zu bleiben. Das Ziel müsse sein, den Einzelhandel zunächst kurzfristig etwa durch schnelle, finanzielle Hilfen oder eine Erhöhung der Berechnungsgrundlage für die Überbrückungshilfe III zu unterstützen und gleichzeitig langfristige Strategien für die Zukunft der Innenstadtentwicklung zu schaffen. Denn ohne ein vielfältiges Angebot aus Einzelhandels- und Dienstleistungsunternehmen sowie Gastronomie und Hotellerie entstehen Leerstände und die Immobilienwerte, das Versorgungsangebot sowie die Aufenthaltsqualität nehmen ab.

Innenstädte und ihre Händler stärken

„Jahrzehnte lang haben die Kommunen von einem starken und frequenzbringenden Einzelhandel in den Ortskernen profitiert“, erinnert Matt. Nun hat die Corona-Pandemie die Konkurrenz durch den Online-Handel verstärkt. Der Ausbau von Verkaufsflächenschwerpunkten mit innenstadtrelevanten Sortimenten auf der „grünen Wiese“ oder in Gewebegebieten erhöht den Druck auf die in den Zentren ansässigen Gewerbetreibenden zusätzlich. Es sei höchste Zeit, für ihre Unterstützung zu sorgen. „Es braucht dringend Diskussionen und Konzepte über Aufgaben der Ortszentren sowie den Umgang mit drohenden Verlusten der Zentralität“, sagt Matt. Politik und Verwaltung vor Ort seien gefordert, bestmögliche Rahmenbedingungen zu schaffen, damit die Region Oberpfalz-Kelheim auch künftig mit vitalen Innenstädten und Handelsstandorten punkten kann. Davon würden nicht nur die dort angesiedelten Händler, sondern im Umkehrschluss auch andere Branchen profitieren.
Seit Beginn der Pandemie machen sich die IHKs in ihrem bayerischen und deutschlandweiten Verbund unentwegt bei der Politik für die Unternehmen stark. „Zusammen wurde bereits einiges erreicht, wie das Kippen der 800-Quadratmeter-Regel, die Zulassung von Click&Collect für den geschlossenen Handel und steuerliche Erleichterungen, beispielsweise beim Verlustrücktrag und den Abschreibungsmöglichkeiten“, resümiert IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Jürgen Helmes. Bezogen auf die angespannte Finanzlage vieler Einzelhändler – insbesondere der Händler mit Saisonware – würde eine anteilige Übernahme der Fixkosten in vielen Fällen nicht ausreichen, um Existenzen zu sichern. Neben schnellen, unbürokratischen und vor allem ausreichenden Finanzhilfen, sei eine Anrechnung bei der Überbrückungshilfe der abgeschriebenen verderblichen und Saisonware zu 100 Prozent zu begrüßen.

Kommunale Gesamtstrategie nötig

Gemeinsam setzen sich das Haupt- und Ehrenamt der IHK schon vor Corona mit Veranstaltungen, Gesprächen mit kommunalen Vertretern und Projekten wie „Heimatshoppen“ für eine zukunftsfähige und zielgerichtete Stadt- und Einzelhandelsentwicklung ein. „Kommunen brauchen eine umfassende Gesamtstrategie, in der verschiedene Maßnahmen sowie die Anliegen unterschiedlicher Akteure verknüpft werden“, sagt Helmes. Anknüpfungspunkte und Unterstützung bietet der IHK-Stadtentwicklungscheck.
Der Leitfaden zeigt Handlungsbedarfe auf und liefert Bausteine zur Verbesserung beispielsweise hinsichtlich der Erreichbarkeit der Zentren. „Innenstädte müssen für Kunden und Besucher einfach zu erreichen sein. Nur so werden sie für einen Ausflug zum Stadtbummel attraktiv“, betont Helmes. Ein auseichendes Parkplatzangebot in fußläufiger Entfernung unterstützt durch ein Besucherleitsystem und ÖPNV sieht die IHK als weitere Stellschrauben. „Mit einem aktiven Leerstandsmanagement können Kommunen zusätzlich die Attraktivität des Stadtbildes sichern“, ergänzt Matt. In Gesprächen mit Eigentümern und Unternehmern können Bedarfe abgefragt und Strategien für alternative Flächennutzungen entwickelt werden. Ein zusätzlich regelmäßiges Innenstadtmonitoring inklusive Besucherfrequenzmessungen kontrolliert dessen Erfolg. In Problemlagen kann ein Quartiersmanagement hilfreich sein, um diese dauerhaft aufzuwerten. Daneben können ein Baustellenmanagement sowie Veranstaltungskonzepte, sobald deren Umsetzung wieder erlaubt ist, Teil der Gesamtstrategie sein. „Auch das Thema Digitalisierung muss gerade im Bereich der Standortvermarktung und Verwaltung sowie bei der Onlinesichtbarkeit der stationären Händler ganzheitlich mitgedacht werden“, zeigen sich Matt und Helmes sicher.
(22.01.2021)