Pressemeldung

Hohe Energie- und Materialpreise belasten Industrie

Während sich die Industrie in der Region zunehmend von der Corona-Krise erholt, kämpfen die Unternehmen bereits mit neuen Herausforderungen. Einige der drängendsten Risiken für die weitere wirtschaftliche Entwicklung diskutierten die Mitglieder des Ausschusses Industrie, Umwelt, Energie und Technologie der IHK Regensburg für Oberpfalz / Kelheim in ihrer Herbstsitzung in der Regenstaufer Jahnhalle. „Aktuell bereiten den produzierenden Unternehmen die stark gestiegenen Energiepreise, Lieferschwierigkeiten bei Rohstoffen und Vorprodukten sowie aufwändige und langwierige bürokratische Verfahren große Sorgen“, betonte der Ausschussvorsitzende Stephan K. Fischer. Wie die Materialengpässe die Industrieproduktion ausbremsten, erläuterten Dr. Ralph Solveen, stellvertretender Chefvolkswirt bei der Commerzbank AG und Carsten Fritsch, Rohstoffexperte bei der Commerzbank AG.

Industrie braucht wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen

Grund für die Engpässe sei vor allem ein weltweites Ungleichgewicht aufgrund der Corona-Pandemie: Die weltweite Nachfrage steige aktuell schneller als Produktionskapazitäten in vielen Ländern hochgefahren werden können, so die Experten. So entstehe das Paradoxon, dass viele Unternehmen trotz voller Auftragsbücher gezwungen sind, ihre Produktion zu bremsen oder sogar auszusetzen, weil Rohstoffe und Vormaterialien fehlen. Damit einhergehend werden auch die Energie- und Rohstoffpreise, etwa bei vielen Industriemetallen, zumindest in diesem Jahr noch auf hohem Niveau bleiben.
Insbesondere die hohen Energiepreise hierzulande wirken sich für viele Betriebe im internationalen Wettbewerb negativ aus, so der Konsens unter den Ausschussmitgliedern. Aus Sicht der IHK ist es deshalb unerlässlich, dass die Politik schnellstmöglich staatliche Energiepreisbestandteile wie die EEG-Umlage und die Stromsteuer spürbar reduziert, damit hier für Entlastung gesorgt wird. Auch im Hinblick auf einen investitionssicheren und wettbewerbsfähigen Klimaschutz müssten derartige Rahmenbedingungen angepasst werden. „Die neue Bundesregierung muss die Versäumnisse der letzten Jahre zügig anpacken, sonst verliert der Standort im internationalen Wettbewerb zunehmend an Boden. Gefragt sind Gestaltungswille und verlässliche Entscheidungen, damit die Unternehmen Planungssicherheit haben“, so Fischer.

Nachhaltigkeit ohne weitere bürokratische Hürden

Darüber hinaus war die „Strategie zur Finanzierung des Übergangs zu einer nachhaltigen Wirtschaft“, die die EU-Kommission im Rahmen des europäischen Green Deals beschloss, Thema der Sitzung. Prof. Dr. Robert Feicht von der TH Deggendorf stellte die Planungen vor, die auch auf nationaler Ebene umgesetzt werden sollen. Neben der Umschichtung der Anlagen des Bundes in nachhaltige Anlageformen seien unter anderem auch neue Nachhaltigkeits-Berichtspflichten vorgesehen. Das treffe insbesondere Großunternehmen und kapitalmarktorientierte Unternehmen.
Obwohl die Vorgaben derzeit nicht direkt auf kleine und mittelständische Unternehmen abzielen, können sich die geplanten Regulierungen am Finanzmarkt über die Lieferketten indirekt auf sie auswirken. Daher befürchten zahlreiche Firmen auch in diesem Bereich einen überbordenden bürokratischen Aufwand, der das unternehmerische Handeln weiter einschränkt. Viele Betriebe investierten bereits verstärkt in Nachhaltigkeit. Die Ausgestaltung von Regelungen sollte daher die Bürokratie auf ein notwendiges Minimum beschränken, so die Meinung der Ausschussmitglieder. Bereits jetzt hemme die Flut an Vorschriften und Regularien die Unternehmen. Um wichtige Zukunftsaufgaben wie Klimaschutz und Nachhaltigkeit anpacken zu können, sei ein koordiniertes, gut durchdachtes und vor allem praxisorientiertes Vorgehen notwendig. Ein weiteres Kleinklein an Regularien sei hier fehl am Platz und ginge zu Lasten der Wettbewerbsfähigkeit des gesamten Wirtschaftsstandortes, so der Konsens.

Herausforderung Fachkräftemangel

Neben den Engpässen bei Rohstoffen und Materialen beschäftigt die Unternehmen in der Region vor allem auch die Frage, wie künftig genügend qualifizierte Fachkräfte gefunden und gebunden werden können. Aufgrund der demografischen Entwicklung werden die Fachkräfteengpässe in den kommenden Jahren in vielen Bereichen zunehmen, waren sich die Ausschussmitglieder einig. Durch die digitale Transformation könnten zwar bestimmte Tätigkeiten durch Computer und Maschinen ersetzt werden. Es brauche aber auch qualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die diese bedienen können, sagte Andrea Leitner von der Agentur für Arbeit Regensburg, die verschiedene Förderprogramme zur Qualifizierung von Beschäftigten vorstellte. Durch den digitalen Wandel entstehen neue Tätigkeiten und Berufe – daher werde die Qualifizierung und Weiterbildung eine noch größere Rolle einnehmen.
(18.10.2021)