Pressemeldung

Gemeinsam wachsen und Zukunftsregion bleiben

Das IHK-Gremium Regensburg legte in seiner virtuellen Sitzung am vergangenen Mittwoch den Fokus auf die Standort- und Gewerbeflächenentwicklung in der Wirtschaftsregion Regensburg. Gremiumsvorsitzender Peter Esser begrüßte Toni Lautenschläger, Leiter des Amts für Wirtschaft und Wissenschaft der Stadt Regensburg, die Bürgermeister der Stadt Wörth an der Donau, Josef Schütz, der Gemeinde Wiesent, Elisabeth Kerscher und der Gemeinde Wenzenbach, Sebastian Koch. „Für die Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschaftsstandorts Regensburg braucht es leistungsfähige Strukturen in verschiedensten Bereichen. Nur wenn die Akteure aus Politik und Wirtschaft gemeinsam an einem Strang ziehen und das Kirchturmdenken hinter sich lassen, können diese nachhaltig entwickelt und realisiert werden“, stellte Esser fest.

Standort „gut“ mit Luft nach oben

Im Rahmen der IHK-Standortumfrage 2020 haben die Unternehmen in Stadt und Landkreis Regensburg ihre Einschätzung anhand von 40 harten und weichen Standortfaktoren abgegeben. „Dabei bewerteten die befragten Unternehmen die Wirtschaftsregion mit einer Gesamtnote von 2,08 und gaben damit die Schulnote ‚gut‘“, sagte IHK-Bereichsleiterin Standortpolitik Sibylle Aumer. Die Ergebnisse zeigen: Stadt und Landkreis punkten vor allem im Hinblick auf ihre Umwelt- und Lebensqualität, die Loyalität und Motivation der Mitarbeiter sowie die Zuverlässigkeit der Energieversorgung. Es gebe laut Aumer aber auch Nachholbedarf. Neben leistungsfähigen Netzen für Daten, Stromversorgung und Verkehr betreffe das ebenso Angebote für zukünftige Gewerbeflächen. Denn knapp 33 Prozent der befragten Unternehmen gaben an, eine Standorterweiterung in der Region Regensburg innerhalb der nächsten fünf Jahre zu planen.
Im Anschluss zeigte Lautenschläger die Potenziale der Fortschreibung des Entwicklungskonzepts „Gewerbliche Bauflächen“ für die Stadt Regensburg auf. Die Stadt habe rund 170 Hektar gewerbliche Potenzialfläche, davon aktuell etwa 24 Hektar mit Baurecht. Den zukünftigen Flächenbedarf bis 2035 schätzt das Gutachten auf 120 bis 180 Hektar. Die Nachfragen von Betrieben der letzten Jahre zeigten einen Trend zum „Zuzug in urbane Umgebungen sowie integrierte Ansätze für Hochtechnologie und Entwicklung.“ Lautenschläger sieht auch einen Trend zum hybriden Geschäftsmodell, also getrennte Standorte für digitale Entwicklung und klassische Produktion. Digitale Entwicklungsteams werden hier vom Produktionsstandort an einen Tech-Standort wie beispielsweise dem Tech-Campus verlagert.

Die Mischung macht’s

Wie die interkommunale Zusammenarbeit gelingen kann beziehungsweise mit welchen Herausforderungen sich Kommunen bei der Gewerbeflächenentwicklung konfrontiert sehen, zeigten im Anschluss die Bürgermeister Elisabeth Kerscher und Josef Schütz für das interkommunale Gewerbegebiet Wörth/Wiesent sowie Sebastian Koch für das geplante Gewerbegebiet Thanhof in Wenzenbach. Ein Erfolgsrezept des Gewerbeparks Wörth-Wiesent sei laut Kerscher und Schütz die vielfältige Mischung aus Industrie- und Handwerksunternehmen, die zahlreiche Arbeitsplätze in den östlichen Landkreis bringen. Aktuell sind in den Firmen im Gewerbepark etwa 350 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt – durch die jüngste Erweiterung sollen es künftig rund 500 werden. Zudem seien dort nur Branchen angesiedelt, die keine Konkurrenz beispielsweise zum bestehenden Einzelhandel im Ortszentrum Wörth darstellen. Dass die Gewerbeflächen mit unmittelbarer Anbindung zur Autobahn A3 sehr gefragt sind, zeigt auch, wie schnell diese nach der aktuellen Erweiterung des Gewerbeparks vergeben waren. Nur etwa 3.000 qm Restfläche sei noch vorhanden.

In Regionen denken

Während sich der interkommunale Gewerbepark Wörth-Wiesent weiter sehr positiv entwickelt, bezeichnete Bürgermeister Koch das seit mehr als 10 Jahren geplante, aber nicht realisierte Gewerbegebiet Thanhof in Wenzenbach als „unendliche Geschichte“. Nachdem die Lösung als interkommunales Gewerbegebiet gemeinsam mit der Stadt Regensburg nicht zustande kam, startete die Gemeinde im Alleingang die Flächennutzungsplanänderung, die 2020 abgeschlossen wurde. Dennoch befindet sich das Gewerbegebiet aktuell in einer Wartschleife, da es von weiteren Verkehrsplanungen seitens der Stadt und des Landkreises Regensburg sowie des Bundes betroffen ist. Derzeit laufe ein verkehrsplanerisches Gutachten zur überörtlichen Verkehrsanbindung der Region Regensburg-Nord, erläuterte Koch. Die aus dem Gutachten hervorgehenden Empfehlungen zu Straßenbaumaßnahmen könnten im Einzelfall direkten Einfluss auf die Verkehrserschließung des Gewerbegebiets haben und damit auch unmittelbare Auswirkungen auf die Attraktivität und Vermarktbarkeit der Flächen. Koch richtete daher einen Appell an alle Verantwortlichen, die Verkehrsplanungen Regensburg-Nord zügig voranzubringen.
Die anschließende Diskussion machte deutlich, dass hinreichende Gewerbeflächenpotenziale nur gemeinsam mit guter überörtlicher Verkehrsanbindung zu realisieren sind. „Die künftige wirtschaftliche Entwicklung Regensburgs und seines Umlands wird maßgeblich davon abhängen, wie es der Politik gelingt, die voneinander abhängigen Planungen bei Verkehr und Gewerbeflächen mit innovativen Konzepten weiter zu entwickeln“, fasste Gremiumsvorsitzender Esser zusammen.