Pressemeldung

Fachkräftesicherung braucht gute Ausbildung

Mit dem Abflachen der Corona-Krise rücken bekannte Herausforderungen für die regionale Wirtschaft wieder in den Fokus. Dazu zählt insbesondere die Fachkräftesicherung. Welchen entscheidenden Baustein die Berufliche Bildung dabei einnimmt sowie künftige Perspektiven für Auszubildende diskutierten die Mitglieder des Berufsbildungsausschusses der IHK Regensburg für Oberpfalz / Kelheim mit Andrea Huber, Jugendsekretärin des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) für die Oberpfalz und Dr. Markus Ringer, Strategischer Projektleiter der Allianz für berufliche Bildung in Ostbayern (ABBO) der Lars und Christian Engel (LUCE) Stiftung.
„Die Unternehmen sind mehr denn je auf qualifizierte Fachkräfte angewiesen. Die Ausbildungsbereitschaft der Betriebe in der Region, die ihre Nachwuchskräfte nach wie vor am besten in den eigenen Reihen finden, ist deshalb auch während Corona ungebrochen hoch“, betonte Ausschussvorsitzender Alexander Schmid von der BMW AG. Obwohl eine duale Ausbildung jungen Menschen weitreichende Karrierechancen bietet, kämpfen die Unternehmen mit unbesetzten Ausbildungsstellen. Gründe seien neben der demografischen Entwicklung und dem anhaltenden Trend zur höheren Schulbildung nicht zuletzt die während Corona nur eingeschränkt möglichen Veranstaltungen zur Berufsorientierung – auch wenn diese wie beispielsweise beim bayernweiten IHK-Projekt AusbildungsScouts erfolgreich über Online-Schuleinsätze stattgefunden haben.

Perspektiven für den Berufseinstieg

Im Ausbildungsreport 2020 der DGB-Jugend wurden rund 13.400 Auszubildende zur Ausbildungsqualität in Deutschland befragt. Dazu gehörten auch Kriterien wie die fachliche Qualität der Ausbildung oder die Erreichbarkeit des Betriebs. „Mit Blick auf das Thema Mobilität zeigten zum Beispiel etwa drei Viertel der Befragten generell Interesse an einem Azubi-Ticket“, erläuterte Jugendsekretärin Huber. Grundsätzlich seien die Azubis zufrieden mit ihrer Lehre, „jedoch ist für viele angehende Fachkräfte der Start ins Berufsleben kein Selbstläufer, vor allem, was die Übernahme nach der Ausbildung betrifft.“ So wusste weit über die Hälfte der Auszubildenden zum Zeitpunkt der deutschlandweiten Befragung nicht, ob sie im Anschluss an ihre Ausbildung von ihrem Ausbildungsbetrieb übernommen werden. Dieses Ergebnis sei jedoch auch abhängig von der Betriebsgröße und der Branche, so der Konsens. Das Gros der Unternehmen lege viel Wert darauf, ihre Nachwuchskräfte frühzeitig und langfristig zu halten.

Verbindung ist das A und O

Mit welchen Herausforderungen sich Betriebe und Auszubildende während der Corona-Pandemie konfrontiert sahen, zeigte sich in der anschließenden Diskussion. Grundsätzlich war der Zugang zu geeigneter Hard- und Software ein entscheidender Faktor für die Vermittlung der Ausbildungsinhalte – sowohl seitens der Unternehmen und ihrer Azubis, als auch der Berufsschulen. „An den Inhalten der Ausbildung änderte sich aufgrund der Pandemie nichts, vielmehr wechselte man das Medium beziehungsweise den Lernort“, sagte der stellvertretende Ausschussvorsitzende Michael Mändl vom Berufsbildungszentrum Schwandorf. Generell sei vieles pragmatischer und schneller gelöst worden, jedoch „können praktische Inhalte oftmals nicht virtuell erklärt werden.“ Deshalb hätten viele Betriebe während der Lockdowns die theoretischen Inhalte der Ausbildung vorgezogen und anschließend die praktischen Übungen durchgeführt. Insgesamt habe das gut funktioniert. Dennoch betonten die Vertreter der Berufsschulen, dass vor allem für schwächere Schülerinnen und Schüler der reine Online-Unterricht von Nachteil gewesen sei. Im Präsenzunterricht könnten Lehrerinnen und Lehrer unmittelbar sehen, ob Inhalte verstanden werden und ganz anders auf schwächere Schüler eingehen. Die IHK sei hier auch als Vermittler zwischen Betrieben, Berufsschulen und Azubis aufgetreten, damit schwächere Schüler zum Beispiel im Betrieb den Unterricht absolvieren und dort unterstützt werden können. Dass der Hybrid-Unterricht auch nach Corona ein Thema bleiben werde, darüber waren sich die Ausschussmitglieder einig.

Zukunft der Ausbildung gestalten

Die Pandemie befeuert den ohnehin rasanten digitalen Wandel – das gilt auch für den Bereich der Fachkräftequalifizierung. IHK-Bereichsleiter Ralf Kohl betonte, dass immer mehr Facharbeiter mit Transferkompetenzen benötigt werden. Doch wie befähigt man Menschen, sich selbst zu befähigen? „Viele Betriebe sind mangels moderner technischer Ausstattung, personeller oder finanzieller Ressourcen allein nicht in der Lage, im digitalen Wandel eine zukunftsorientierte Aus- und Weiterbildung zu garantieren“, sagte Dr. Markus Ringer, der das Pilotprojekt ABBO zur Entwicklung innovativer Aus- und Weiterbildungskonzepte vorstellte. Kern des Projekts sei dabei die regionale, institutionelle und digitale Vernetzung aller Akteure. In einer Art Frühausbildung sollen Berufsorientierung und Ausbildung verzahnt und grundlegende Fähigkeiten wie „Berufswahlkompetenz“ erlernt werden. In anschließenden High-Tech-Modulen werden Bildungsprozesse und -inhalte über Virtual Reality entwickelt und vermittelt. Ziel des Projekts sei die effiziente Verknüpfung von realer und virtueller Bildungswelt, um Fachkräfte auf künftige Herausforderungen in der digitalen Arbeitswelt vorzubereiten.

Das Erfolgsprojekt AusbildungsScouts

Bereits seit 2015 geben engagierte Auszubildende im Rahmen des bayernweiten IHK-Projekts AusbildungsScouts Schülerinnen und Schülern direkt in den Klassen praxisnahe Einblicke in ihre Berufsausbildung und berichten über die Vorteile des Karrieremodells. Im Bezirk der IHK Regensburg für Oberpfalz / Kelheim sind derzeit knapp 80 AusbildungsScouts aus rund 50 unterschiedlichen Ausbildungsbetrieben im Einsatz. Die Schuleinsätze der AusbildungsScouts fanden während der Corona-Pandemie rein über Videokonferenzen statt.
(10.08.2021)