Pressemeldung

Der Blick aufs Ganze zählt

Welche Strategien und Rahmenbedingungen braucht es, damit Stadt und Landkreis Cham im Wettbewerb der Regionen künftig bestehen können? Darüber diskutierten die Mitglieder des IHK-Gremiums Cham am vergangenen Mittwoch in der Chamer Stadthalle.
Gremiumsvorsitzender Dr. Alois Plößl begrüßte bei der ersten Präsenzsitzung seit 14 Monaten Chams Bürgermeister Martin Stoiber und Martina Englhardt-Kopf, Direktkandidatin für den Bundeswahlkreis der Landkreise Cham und Schwandorf, Brennberg sowie Wörth an der Donau. „Auch wenn noch vieles aus den vergangenen Monaten des Lockdowns aufzuarbeiten ist, so geht unser Blick trotzdem verhalten optimistisch nach vorne“, betonte Plößl. Die Sieben-Tage-Inzidenz im Landkreis bewege sich aktuell im niedrigen einstelligen Bereich. Der Einzelhandel darf wieder öffnen, Hotellerie und Gastronomie können endlich wieder Gäste empfangen. Auch für die vielen tschechischen Fachkräfte vor Ort ist wieder Normalität eingekehrt. Wichtig sei jetzt, die Regionalentwicklung auf ein stabiles Fundament zu stellen und die Vernetzung verschiedener Akteure und Branchen nachhaltig voranzutreiben. Nur so könne man nach der Corona-Krise mit einem attraktiven, wettbewerbsfähigen Standort punkten, so der Konsens.

Oberzentrum mit Strahlkraft

Dazu brauche es Maßnahmen, die ineinandergreifen und konsequent Schritt für Schritt umgesetzt werden, zeigte sich Chams Bürgermeister Stoiber sicher. Er präsentierte den Unternehmerinnen und Unternehmern, wie die Kreisstadt als Marke neu gedacht werden kann. Dafür werde auf lange Sicht das Gesamtkonzept für Cham weiterentwickelt – hier geht es darum, wie die Stärken als Wohn-, Handels- und Hochschulstadt miteinander verknüpft und sichtbar gemacht werden können. Auch der Aspekt als bedeutender Tourismusstandort spiele hier eine wichtige Rolle. Rund 40 Prozent ihres Urlaubsbudgets geben Touristen im Einzelhandel vor Ort aus, so Andreas Brunner vom Brunner Hof in Arnschwang. Cham als Oberzentrum der Tourismusregion brauche schon alleine deshalb eine vielseitige und attraktive Handelslandschaft sowie eine entsprechende Infrastruktur, stimmte Stoiber zu. Das entscheidende Stichwort laute Vernetzung. Vor allem am Miteinander von Tourismus, Einzelhandel und Gastronomie müsse man nach der Pandemie weiterarbeiten, denn hier würden sich zahlreiche Synergieeffekte ergeben.

Stadt als Ideengeber und Investor

Doch nicht nur das Angebot müsse stimmen, sondern auch die Rahmenbedingungen, um Aufenthaltsqualität und Kundenfrequenz zu steigern. Flankierend werden deshalb kurzfristig umsetzbare Maßnahmen wie der „Grüne Marktplatz 2021“ realisiert oder wieder vermehrt auf kulturelle Veranstaltungen in der Stadt gesetzt. Bewohner, Gäste, Fachkräfte und Studierende müssten in Cham ein Rundum-Wohlfühlpaket vorfinden, waren sich die Gremiumsmitglieder sowie der Bürgermeister einig. Um die Bündelung aller Kräfte vor Ort sowie das Stadtmarketing voranzutreiben, brauche es zusätzlich personelle Verstärkung im Bereich Citymanagement. Grundsätzlich sieht Stoiber die Stadt Cham künftig als Ideengeber und Investor, der Leuchtturmprojekte wie den Technologie Campus oder die Optimierung der Gesundheitsversorgung, aber beispielsweise auch das Leerstandsmanagement im Blick behält. Dazu wolle man vermehrt Förderprogramme nutzen sowie den engen Schulterschluss mit dem Landkreis und der Wirtschaft suchen. Vor allem bei der Entwicklung neuer Industrie- und Gewerbegebiete werde man künftig stärker auf die interkommunale Zusammenarbeit setzen müssen, betonte Gremiumsgeschäftsführer Richard Brunner.

Verbindungen im ländlichen Raum schaffen

Ländliche Gebiete sehen sich oft mit anderen Herausforderungen konfrontiert als Ballungsgebiete, so Martina Englhardt-Kopf. Die Direktkandidatin für den Bundeswahlkreis Cham-Schwandorf wolle sich dafür einsetzen, dass der ländliche Raum bei Bundesentscheidungen mitgedacht wird, beispielsweise im Bereich Digitalisierung und Mobilität. Die Grundlage für eine zukunftsfähige Regionalentwicklung – auch im Hinblick auf den starken Tourismusstandort – seien leistungsfähige Verbindungen, sowohl bei der Infrastruktur für Breitband und Mobilfunk als auch im Bereich Straße und Schiene. Glasfaser müsse in jedes Haus oder Unternehmen reichen, so Englhardt-Kopf. Dies sei Grundvoraussetzung, um in Zeiten einer immer flexibleren Arbeitswelt junge Fachkräfte und Familien in die Region zu bringen und zu halten. Auch ein Bürokratieabbau in der Verwaltung gehe mit schnellen Datenleitungen einher. Mit Blick auf die aktuell diskutierte Steigerung der CO2-Preise dürfe es keine Benachteiligung der ländlichen Gebiete im Vergleich zu den Zentren geben. Der ÖPNV werde dort zum Beispiel massiv gefördert, in einem Flächenlandkreis werden Bewohner und Beschäftigte aber auch künftig vermehrt auf das Auto, unabhängig von der Antriebsart, angewiesen sein. Wirtschaft und Gesellschaft stünden in vielen Bereichen vor großen Veränderungen – dieser Wandel müsse auch im ländlichen Raum bewältigt werden, die Voraussetzung dafür sei eine gute Infrastruktur, zeigte sich Englhardt-Kopf sicher.
(11.06.2021)