IHK-Gremium Cham

Breitbandausbau nimmt Form an

Nicht zuletzt die Corona-Pandemie lege die Bedeutung einer leistungsfähigen digitalen Infrastruktur offen, waren sich die Unternehmerinnen und Unternehmer des IHK-Gremiums Cham bei ihrer virtuellen Sitzung einig.
„Firmen, Schulen, Krankenhäuser, Behörden und private Haushalte sind auf schnelle digitale Verbindungen angewiesen“, betonte Gremiumsvorsitzender Dr. Alois Plößl. Es sei deshalb richtig, dass der Landkreis Cham den Ausbau der oft noch lückenhaften digitalen Infrastruktur selbst in die Hand nehme, um den Hightech-Standort Bayerischer Wald zukunftsfähig aufzustellen. Plößl begrüßte neben IHK-Präsident Michael Matt und IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Jürgen Helmes den Werkleiter „Digitale Infrastruktur Landkreis Cham“ Klaus Schedlbauer. Der Geschäftsführer des neu gegründeten kommunalen Eigenbetriebs ist dafür verantwortlich, dass in den kommenden Jahren rund 1.700 km Glasfaserkabel verlegt und etwa 13.000 unterversorgte Haushalte erschlossen werden.

Glasfaser ist Basis für neue Technologien

Das Projektziel sei gesteckt: Die gesamte Region soll über ein eigenes Netz baldmöglichst mit gigabitfähiger Glasfaserversorgung ausgestattet werden. Weiße Flecken, also Gebiete mit einer Downloadgeschwindigkeit unter 30 Mbit/s, sollen bald der Vergangenheit angehören. Eine Herausforderung sei die Projektdimension des Betreibermodells, das in Bayern aktuell einmalig ist, so Schedlbauer. Darüber hinaus gebe es derzeit hohe Erwartungen an die zukünftige Mobilfunkgeneration 5G, deren Aufbau im Landkreis bereits läuft und eine deutliche Leistungssteigerung gegenüber der vierten Generation mit sich bringen soll. 5G-Mobilfunkstationen brauchen das Glasfasernetz zur Anbindung. Die Errichtung einer Glasfaserinfrastruktur sei daher kein Widerspruch zu 5G, vielmehr sei 5G die Ergänzung der Glasfasernetze, zeigte sich Schedlbauer sicher. Eine leistungsfähige digitale Infrastruktur sei Grundvoraussetzung für neue Technologien und sichere die Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschaftsraums. Man dürfe bei der Digitalisierung den Anschluss an die Weltspitze nicht verlieren, bestätigte Dr. Georg Schwab, Geschäftsführer der AVL Software and Functions GmbH aus Regensburg. Das Unternehmen baut derzeit in den Hallen des Continental-Werkes in Roding einen weiteren Entwicklungsstandort auf. Ein Schwerpunkt ist das autonome Fahren im ländlichen Raum.  

Zweite Welle hat Region im Griff

Für die Unternehmen in der Region ist Corona seit Monaten das bestimmende Thema. Als starker Industrie-, Handels- und Tourismusstandort ist der Landkreis Cham in mehrfacher Hinsicht von den Auswirkungen der Pandemie und dem damit verbundenen Teil-Lockdown betroffen. Bei den Unternehmen vor Ort sind rund 4.600 Berufspendler aus Tschechien beschäftigt, die sich mit der wöchentlichen Testpflicht und den verschärften Einreisebedingungen für Werkvertragsunternehmen konfrontiert sehen. Tourismus und Gastronomie, die Hygienekonzepte in vorbildlicher Weise umgesetzt haben, sind aktuell wieder geschlossen. Zahlreiche Auflagen, das Verbot von Sonderveranstaltungen wie verkaufsoffene Sonntage sowie die Online-Konkurrenz stellen den stationären Handel vor große Herausforderungen. „Umso bemerkenswerter ist es deshalb, dass sich unsere Wirtschaft trotz der schwierigen Rahmenbedingungen robust gegen die Krise stemmt“, sagte Gremiumsvorsitzender Plößl. Auch wenn sich die Corona-Pandemie unterschiedlich stark auf die einzelnen Branchen auswirke, so „kann die leichte gesamtwirtschaftliche Erholung im Herbst nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich nur jedes fünfte Unternehmen im IHK-Bezirk wieder auf Vorkrisenniveau befindet“, betonte IHK-Präsident Matt.

Ausbildung sichert Fachkräfte

Wie wichtig das Thema Aus- und Weiterbildung auch in Corona-Zeiten sei, erläuterte IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Jürgen Helmes. Zum Ausbildungsbeginn Anfang September startete man im Vorjahresvergleich mit einem deutlichen Minus an neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen. Der Rückgang um 18,8 Prozent konnte bis dato auf ein Minus von rund 15 Prozent abgeschwächt werden. Aufgrund der Corona-Pandemie fehlten vor allem wichtige Bausteine der Berufsorientierung an den Schulen und in den Betrieben. Trotzdem gibt es laut Statistik der Agentur für Arbeit weiterhin mehr Ausbildungsplätze als Bewerber. „Dass der regionale Ausbildungsmarkt auch während der Corona-Krise ein Bewerbermarkt bleibt, begünstigt der anhaltende Trend zur höheren Schulbildung und die demografische Entwicklung“, betonte Helmes und appellierte an die Unternehmerinnen und Unternehmer, ihr hohes Ausbildungsengagement beizubehalten. „Das beste Mittel gegen den anhaltenden Fachkräftemangel ist die Ausbildung eigener, qualifizierter Nachwuchskräfte.“ Für Jugendliche seien die Chancen, im Wunschberuf einen Ausbildungsplatz zu finden, aktuell sehr gut. Gemeinsam mit den Unternehmen müsse dies gerade jetzt über neue Kanäle wie beispielsweise die 1. Online-Berufswahlmesse im Landkreis Cham kommuniziert werden. Die virtuelle Messe läuft noch bis zum 22. November unter www.messe-cham.de. Auf der IHK-Matching-Plattform www.ihk-lehrstellenboerse.de finden Bewerber und Betriebe ebenso zueinander.
(17.11.2020)