Vollversammlung

Ausbau digitale Infrastruktur: 5 vor 12 war gestern

Welche Rahmenbedingungen braucht die regionale Wirtschaft, um nach der Corona-Krise wieder durchstarten zu können? Darüber diskutierten die Unternehmerinnen und Unternehmer der IHK-Vollversammlung in ihrer virtuellen Sitzung. „Standortfaktoren wie beispielsweise eine moderne Breitband-, Mobilfunk- und Verkehrsinfrastruktur sind grundlegend für die künftige Entwicklung des Wirtschaftsraums und den Erfolg der Betriebe vor Ort“, betonte Michael Matt, Präsident der IHK Regensburg für Oberpfalz / Kelheim. Alle fünf Jahre führt die IHK eine Standortumfrage bei den Unternehmen in der Region durch. Die Ergebnisse aus 2020 zeigen nicht nur, wie die Betriebe den Wirtschaftsraum Oberpfalz-Kelheim aktuell beurteilen, „sondern mit welchen Empfehlungen und Positionen wir an die Politik herantreten müssen, um die Bedingungen für die regionalen Firmen künftig zu verbessern“, sagte IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Jürgen Helmes.

Corona-Pandemie befeuert Digitalisierung

Gerade mit Blick auf die Corona-Krise sei es umso wichtiger, entscheidende Standortthemen konsequent weiter zu verfolgen, so der Konsens. Eine leistungsfähige und flächendeckende Mobilfunk- und Breitbandversorgung müsse dabei oberste Priorität haben. 98 Prozent der befragten Unternehmen sind von dieser Thematik betroffen. „Einen Stillstand können wir uns hier nicht mehr erlauben. Die Politik muss den Ausbau der digitalen Infrastruktur jetzt vorantreiben, damit die Unternehmen international wettbewerbsfähig bleiben“, appellierte IHK-Präsident Matt. „Hightech und die Entwicklung von Zukunftstechnologien funktionieren nicht nur in Metropolregionen, das zeigen die vielen Hidden Champions im IHK-Bezirk – Voraussetzung dafür ist eine leistungsfähige, digitale Anbindung.“
Doch nicht nur in dieses Thema muss Bewegung kommen. „Die Region Oberpfalz-Kelheim punktet insbesondere mit weichen Standortfaktoren, während bei vielen harten Faktoren deutlicher Nachholbedarf herrscht“, erklärte die für die Umfrage verantwortliche IHK-Bereichsleiterin Standortpolitik Sibylle Aumer. Neben der unzureichenden digitalen Infrastruktur sehen die Unternehmen bei der Entwicklung der Verkehrsinfrastruktur sowie bei Verwaltungsprozessen hohe Verbesserungspotenziale – auch wenn sich die Ergebnisse je nach Branche und Landkreis ausdifferenzieren. „Alle befragten Unternehmen wünschen sich beispielsweise mehr eGovernment-Angebote der öffentlichen Verwaltung“, so Aumer. Nicht zuletzt die Corona-Pandemie befeuere den digitalen Wandel rund um den Globus – Ostbayern dürfe hier nicht den Anschluss verlieren.

Fachkräftemangel bleibt Herausforderung

Zudem muss die Region als Ganzes die Verfügbarkeit und Qualifikation von Fachkräften sicherstellen und weiterentwickeln. „Der Fachkräftemangel bleibt auch nach der Corona-Krise eine der größten Herausforderungen für die regionale Wirtschaft“, zeigte sich IHK-Präsident Matt sicher. „Wir leben und arbeiten in einer Region, die auch künftig viel zu bieten hat. Um neue Mitarbeiter zu gewinnen, müssen die Stärken des Standorts wie beispielsweise die hohe Lebensqualität vermehrt im überregionalen Wettbewerb genutzt werden.“ Wie auch in den Vorumfragen wurde die Loyalität und Motivation der Mitarbeiter vor Ort als großer Standortvorteil eingeschätzt.
Insgesamt bewerten die Unternehmen im IHK-Bezirk ihren Standort mit der Gesamtnote 2,3. Tendenziell sind größere Unternehmen zufriedener mit den Rahmenbedingungen vor Ort als kleinere Betriebe. Nur 60 Prozent bescheinigen ihrem Standort in den letzten fünf Jahren eine positive oder teilweise positive Entwicklung. „Die Einschätzung der Unternehmen von heute sind die Anforderungen und Zukunftsthemen von morgen. Diese packen wir gerne im Dialog mit den Entscheidungsträgern aus Politik und Verwaltung an“, sagte IHK-Präsident Matt und gab damit eines der IHK-Jahresziele für 2021 vor.
Die Ergebnisse der Umfrage finden Sie unter weitere Informationen.
(09.12.2020)