Ihre IHK

Wirtschaft trotzt der Krise

Die Industrie- und Handelskammer ist die Stimme der regionalen Wirtschaft. Die IHK-Arbeit lebt davon, die vielfältigen Meinungen aller Branchen vor Ort zu ermitteln und ihr Gesamtinteresse zu vertreten. Das ist während der Corona-Pandemie oft eine Herausforderung, denn der Weg aus dem Lockdown besteht aus vielen Puzzlestücken.
An ausgewählten Beispielen zeigen wir, welche Themen für die Unternehmen jetzt wichtig sind und was die IHKs während der Krise bereits erreicht haben.
Die Unternehmen können sich sicher sein: Wir setzen uns mit aller Kraft dafür ein, um die Interessen der regionalen Wirtschaft über die IHK-Organisation in die politische Entscheidungsfindung einfließen zu lassen – auch wenn das nicht immer öffentlich sichtbar ist. Wir bleiben für die Firmen an den entscheidenden Themen dran, damit die Wirtschaft nach der Corona-Krise wieder durchstarten kann. 

Dafür setzen wir uns aktuell ein

Die Politik muss jetzt schnell zu einer breiten, verbindlichen und vor allem fairen Öffnungsperspektive für alle Branchen finden.
Es geht bei vielen Unternehmen ums Überleben. Der Gang durch die Ortszentren in der Region führt vor Augen, wie viele Existenzen aufgrund der laufenden Pandemie-Maßnahmen schon auf der Strecke geblieben sind. Die IHK fordert eine faire und breite Öffnungsperspektive für die gesamte Wirtschaft und keine willkürlichen Einzelfallregelungen. Breite Öffnungen können intelligent gesteuert werden. Neben den bestehenden Hygienekonzepten können weitere Mittel zielführend sein:
  • Grundsätzlich sollten Inzidenzwerte nicht als singuläres Entscheidungskriterium herangezogen werden.
  • Schnelltests und die Nutzung digitaler Anwendungen können wegweisend sein. Die Politik ist gefordert, den massenhaften und breiten Einsatz von Schnelltests, auch zur Selbstanwendung, zu ermöglichen.
  • Digitale Frequenzmessungs- und Prognosetools sowie Registrierungs- und Zugangssysteme können helfen, Besucherströme zeitlich besser zu verteilen.
  • Es sollte zukünftig keine pauschale Schließung ganzer Wirtschaftszweige angeordnet werden, wenn die Einhaltung geltender Infektionsschutzmaßnahmen durch Hygienekonzepte plus Teststrategien gewährleistet ist.
  • Die Möglichkeit zur Erweiterung von Freiflächen für Unternehmen, beispielsweise in der Gastronomie, sollte unbürokratisch und ohne zusätzliche Kosten erfolgen.
  
Die Corona-Krise legt schonungslos offen, dass die Unternehmen schnellstmöglich eine zukunftsfähige digitale Infrastruktur brauchen, um wettbewerbsfähig zu bleiben.
Corona beschleunigt die Digitalisierung der Wirtschaft hin zu noch mehr digitalen Prozessen, zu mehr Agilität, zu neuer Arbeitsorganisation. Viele Unternehmen sind hier bereits sehr weit. Die Digitalisierung stößt jedoch an ihre Grenzen, wenn – vor allem im ländlichen Raum – eine leistungsfähige Mobilfunk- und Breitbandversorgung fehlt. Auf Bundes-, Landes- und Kommunalebene müssen die Anstrengungen weiter erhöht werden, um bestehende Versorgungslücken schnellstmöglich zu schließen. Hier sollten Kommunen und Gemeinden die zur Verfügung stehenden Mittel beim Breitbandausbau abgreifen, auszuweisende Baugebiete von vornherein “digital” denken und den Bestand ertüchtigen. Das aktuelle Mobilfunknetz deckt ebenfalls zu oft den heutigen Bedarf nicht ab, der sukzessiv anwächst. Daher müssen Löcher im Mobilfunknetz baldmöglichst in der Fläche geschlossen werden, zunächst noch auf Basis des LTE/4G-Standards. Mittelfristig braucht es ein Gigabit-Mobilfunknetz auf 5G-Standard. Neben besiedelten Flächen muss beispielsweise auch die gesamte Verkehrsinfrastruktur mit stabilen und leistungsfähigen Mobilfunkverbindungen abgedeckt werden. Fakt ist: Nur mit einer zukunftsfähigen digitalen Infrastruktur können die regionalen Betriebe international wettbewerbsfähig bleiben. Gleichzeitig setzt sich die IHK für staatliche Förderprogramme etwa im Bereich digitaler Start-ups und der Digitalisierung betrieblicher Prozesse ein.
Unter Einhaltung des Infektionsschutzes muss die grenzüberschreitende Zusammenarbeit mit unseren Nachbarländern weiterlaufen.
Rund 350 Unternehmen aus der Oberpfalz und dem Landkreis Kelheim unterhalten intensive Geschäftsbeziehungen nach Tschechien. 13.500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus dem Nachbarland pendeln täglich über die Grenze zu ihren Arbeitgebern in der Oberpfalz. Damit der grenzüberschreitende Wirtschaftsraum Ostbayern-Westböhmen in der Corona-Pandemie nicht voneinander abgeschnitten wird, steht die IHK in engem Dialog mit Ministerien, Behörden und Institutionen in beiden Ländern. Für die Unternehmen und für die Menschen gilt es – unter Wahrung des Infektionsschutzes – den freien Verkehr von Waren und Personen aufrecht zu erhalten, damit unsere europäische Erfolgsgeschichte weitergeschrieben werden kann.  
  
Existenzgründer und junge Unternehmen sind der Motor für neue Ideen und müssen bei den Corona-Hilfen mitgedacht werden.
Damit Gründer in der Region wieder durchstarten können, brauchen sie staatliche Unterstützung über steuerliche Anreize und Finanzierungen sowie ein kreatives Umfeld, in dem sie Know-how gewinnen und sich vernetzen können.  
  
Der Verrechnungszeitraum muss deutlich in die Zeit vor der Corona-Krise – mindestens zwei, besser drei Jahre – ausgeweitet werden.
Gerade die von den Lockdowns stark betroffenen Branchen brauchen Liquidität, um zu überleben. Neben finanziellen Hilfen gibt es viele steuerpolitische Möglichkeiten, die Betriebe entlasten können. Schon im Frühjahr 2020 plädierten die IHKs für eine Ausweitung des steuerlichen Verlustrücktrags. Dieser wurde nun im Februar 2021 angehoben. Unternehmen können bei der Steuererklärung finanzielle Einbußen aus den Jahren 2020 und 2021 in größerem Umfang mit Gewinnen aus 2019 verrechnen und zahlen dann weniger Steuern. Um dieses Mittel noch besser nutzbar zu machen, fordern die IHKs angesichts der anhaltenden Einschränkungen eine Ausweitung des Verlustrücktrags deutlich in die Jahre vor der Corona-Krise, mindestens zwei, besser noch drei Jahre.
  
Damit in Ortszentren keine Leerstände drohen, fordern wir Öffnungsperspektiven für Gastronomie, Hotellerie und Einzelhandel sowie eine nachhaltige Stadtentwicklung.
Ostbayerns Innenstädte leben von ihrem breiten Branchenmix und dem Zusammenspiel von Gastronomie, Hotellerie und stationärem Handel. Neben konkreten Öffnungsperspektiven fordert die IHK eine integrierte Entwicklung der Innenstädte, damit diese in Zukunft lebendige Zentren für Wohnen, Erlebnis, Einkauf und Arbeit bleiben. Dazu gehören ein aktives Leerstandsmanagement, um die Attraktivität des Stadtbildes zu sichern sowie Strategien für alternative Flächennutzungen unter Einbeziehung eines Quartiersmanagements zur Aufwertung bestimmter Lagen. Wichtig dabei ist, dass die Innenstädte für Kunden und Besucher einfach zu erreichen sind. Nur so wird das Zentrum für einen Ausflug oder Stadtbummel attraktiv. Dafür braucht es ein ausreichendes Parkplatzangebot in fußläufiger Entfernung sowie intelligente Park&Ride-Angebote. Um Handel und Tourismus bei der Bewältigung des Strukturwandels zu unterstützen, sollten Landes- und Bundesregierung zielgerichtete Hilfsprogramme wie beispielsweise Mietzuschüsse oder Renovierungs- und Modernisierungshilfen zügig auf den Weg bringen. Darüber hinaus braucht es seitens Bund und Freistaat Unterstützung bei der Investitionsförderung sowie bei Konzepten und Beratungen für Kommunen.
  
Wir setzen uns dafür ein, dass Firmen während der Corona-Krise nicht mit zusätzlichen bürokratischen Hürden kämpfen müssen.
Bei der Ausgestaltung der Corona-Hilfen des Bundes justieren die IHKs ständig nach für mehr Praktikabilität. Je mehr Bürokratie, umso länger dauert es, bis die Mittel bei den betroffenen Betrieben ankommen. Darüber hinaus ist das Thema Bürokratieabbau ein Dauerbrenner, bei dem die regionale Wirtschaft vonseiten der Politik mehr Engagement einfordert. 
  
Neben der Beratung tausender Mitgliedsunternehmen sind die Zulassung von Click&Collect-Services für den geschlossenen Handel, die Durchsetzung von Steuerstundungen oder die Ausweitung von Krediten nur einige Beispiele, wie wir die Unternehmen während der Corona-Pandemie erfolgreich unterstützt haben.

Das haben wir erreicht

Nach massiver Kritik unter anderem von Seiten der Wirtschaft wurde die kurzfristig definierte Osterruhe am Folgetag wieder zurückgenommen.
Angesichts der am 23. März 2021 gefassten Corona-Beschlüsse auf Bundesebene fand IHK-Präsident Michael Matt deutliche Worte: “Mit Blick auf das bevorstehende Osterfest den Gründonnerstag und Karsamstag kurzfristig als Sonn- und Feiertage zu definieren, bedeutet für die regionale Wirtschaft einen logistischen und arbeitsrechtlichen Super-Gau." Bereits am Folgetag wurden die Beschlüsse wieder gekippt. „Die regionale Wirtschaft begrüßt die Rolle-Rückwärts bei den Ruhetagen. Alles andere wäre in der Praxis nicht umsetzbar gewesen und hätte erhebliche wirtschaftliche Schäden nach sich gezogen. Die Politik hatte mit der wenig durchdachten Maßnahme von „Ruhetagen“ bei den Unternehmen für massive Verunsicherung gesorgt. Die IHKs wurden infolge seit Montagnacht mit Anfragen ihrer besorgten Mitglieder geflutet. Allein für die Waren- und Produktionslogistik wäre diese Maßnahme eine kaum stemmbare Herausforderung gewesen, denn Betriebsstillegungen sind bei der international vernetzten Wirtschaft so kurzfristig nicht darstellbar“, sagte Dr. Jürgen Helmes, Hauptgeschäftsführer der IHK Regensburg für Oberpfalz / Kelheim.

Wir haben bei den Corona-Schnellkrediten der KfW und der LfA Förderbank Bayern eine 100-prozentige Haftungsfreistellung sowie eine erleichterte Bonitätsprüfung erreicht.
Die Corona-Schnellkredite der KfW und der LfA Förderbank bringen vielen Unternehmen kurzfristig Liquidität, die diese im Kampf ums Überleben brauchen. Hierbei wird die Kreditwürdigkeit unbürokratisch geprüft und der Bund haftet zu 100 Prozent. Die Kredite der KfW und LfA berücksichtigen nunmehr auch Kleinstunternehmen unter zehn Beschäftigten.
  
Wir haben auch während der Corona-Pandemie dafür gesorgt, dass junge Menschen ihre Ausbildung erfolgreich abschließen können.
Das Thema Fachkräftesicherung ist und bleibt eine entscheidende Herausforderung für die Gesellschaft. Das Corona-Jahr hat den Auszubildenden, ihren Ausbildungsbetrieben und auch der IHK, die für die Prüfungen in der Aus- und Weiterbildung verantwortlich ist, vieles abverlangt. Dennoch funktioniert das System der Beruflichen Bildung nicht zuletzt dank gemeinsamer Anstrengungen sowie der großen Kreativität und Flexibilität der Firmen auch in Krisenzeiten. Eine bundesweite Ausbildungsumfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) zeigt, dass die regionalen Unternehmen weiterhin auf qualifizierte Fachkräfte aus den eigenen Reihen setzen. So gaben knapp 80 Prozent der Betriebe in der Oberpfalz und im Landkreis Kelheim an, dass die Ausbildung im Betrieb auch während der Corona-Pandemie normal weiterlaufe. Auch wenn Unternehmen zeitweise keinen Kundenverkehr hatten, konnte dort die praktische Prüfungsvorbereitung zumindest über Übungsarbeiten erfolgen. Ebenso konnte natürlich die Vorbereitung auf die theoretischen Prüfungsinhalte stattfinden. Rund 22 Prozent der regionalen Betriebe schickten ihre Azubis zeitweise ins Homeoffice und nutzten zudem vermehrt digitale Lernangebote. Laut DIHK-Umfrage befand sich 2020 nur ein sehr geringer Anteil der Azubis in Kurzarbeit. Die erzielten Bestehens-Quoten der Sommerprüfung 2020 mit rund 3.700 Teilnehmern aus der Region zeigen, dass es in der Summe zu keinen deutlichen Benachteiligungen gekommen ist.
  
Wir haben im zweiten Lockdown mit der Zulassung von Abholservices Erleichterungen für den geschlossenen Einzelhandel erzielt.
Click&Collect und Call&Collect ersetzen keinen Ladenbesuch und kompensieren nicht die Einnahmenausfälle des Handels durch den Lockdown. Doch jeder Euro Umsatz zählt und darüber hinaus können die betroffenen Händler den Kontakt zu ihren Stammkunden halten. Gerade im Kampf gegen den überregionalen Online-Handel hilft das. Zu begrüßen ist darüber hinaus die Möglichkeit der 100-prozentigen Abschreibung auf verderbliche Ware und Saisonware.

Wir haben gezeigt, wo Finanzhilfen angepasst werden müssen, damit sie bei allen von der Krise betroffenen Betrieben ankommen.
Die Corona-Hilfen des Bundes – angefangen von der Corona-Soforthilfe bis hin zur Überbrückungshilfe III – erfuhren durch Eingaben der IHKs laufend Verbesserungen hin zu mehr Praxisnähe und Abschlagszahlungen.
  
Wir haben faire und sichere Bedingungen bei der Kundenanzahl pro Quadratmeter Fläche in Geschäften durchgesetzt.
Vor dem verschärften Lockdown hatten wir uns dafür ausgesprochen, dass im Handel die Regelung "Ein Kunde pro 10 Quadratmeter" durchgängig auf die gesamt Verkaufsfläche angewendet wird. Hier konnten wir einen Teilerfolg für Unternehmen ab 800 Quadratmeter Verkaufsfläche verbuchen: Für die ersten 800 Quadratmeter ein Kunde pro 10 Quadratmeter, für die weitere Verkaufsfläche je ein Kunde pro zusätzlichen 20 Quadratmetern. Denn gerade in großen Betrieben ist es möglich, die gegebenen Abstände einzuhalten.
  
Wir haben uns für die Unternehmen mit Erfolg für längere Fristen bei der Steuererklärung und Steuerstundung eingesetzt.
Auch steuerliche Regelungen können betroffenen Unternehmen kurzfristig Luft verschaffen. So wurde etwa die Abgabefrist für durch Steuerberater erstellte Steuererklärungen für das Kalenderjahr 2019 um einen Monat – bis zum 31. März 2021 – verlängert. Außerdem werden auch die Stundungsmöglichkeiten verlängert. Steuerpflichtige, die durch die Corona-Krise unmittelbar und nicht unerheblich negativ wirtschaftlich betroffen sind, können bei ihrem Finanzamt bis zum 31. März 2021 einen Antrag auf Stundung stellen. Die Stundungen laufen längstens bis zum 30. Juni 2021.
  
Wir haben unsere IHK-Angebote umfangreich digitalisiert, um Betriebe während der Corona-Pandemie bestmöglich zu unterstützen.
Die IHK bietet neben virtuellen Ehrenamtssitzungen auch Info-Webinare, Sprechtage sowie Beratungsgespräche digital an. Mehr als 2.000 Interessierte nahmen im vergangenen Jahr an rund 100 virtuellen IHK-Veranstaltungen teil. Damit unterstützte die IHK beispielsweise stationäre Einzelhändler dabei, ihre digitalen Services und Angebote aufzubauen und auszuweiten.
  
Mehr als 15.000 Telefonberatungen haben wir seit Beginn der Pandemie durchgeführt und wirtschaftliche Fragen zu Corona beantwortet.
Durch das Auftreten des Coronavirus ergaben und ergeben sich für viele Unternehmen zahlreiche Fragen. Auf der Homepage stellte die IHK laufend aktuelle Informationen zu den Auswirkungen der Entwicklungen des Coronavirus zur Verfügung. Für spezielle Fragen richtete die IHK zentrale Experten-Hotlines zu den Themenbereichen “Schutzschirm für Unternehmen und Hilfsgelder”, “Internationales Geschäft”, “Tschechien”, “Export, Logistik und Verkehr”, “Arbeitsrecht und weitere rechtliche Fragen”, “Kurzarbeit”, “Aus- und Weiterbildung” sowie “Dienstleistungen, Handel, Gastgewerbe und Steuern” ein.