Unternehmensportrait - Ausgabe 09|10

Visionäre Verbindungen

Die Werner Rädlinger Gruppe vereint unterschiedlichste Kompetenzen unter einem Dach – von tonnenschwerer Baumaschinenausrüstung über Lösungen zur grabenlosen Rohrsanierung und nachhaltiger Elektrotechnik bis hin zu überbetrieblicher Bildung. Dabei setzt das Chamer Familienunternehmen auf neuartige Synergieeffekte und jahrelanges Know-how.
Bei 238,5 Metern liegt der aktuelle Rekord auf der Heini-Klopfer-Skiflugschanze im bayerischen Oberstdorf. Aktuell ist sie die weltweit drittgrößte Skiflugschanze mit einer Hillsize – der Strecke vom Absprung bis zum Landebereich – von 235 Metern. Bis heute gilt die Schanze als architektonische und statische Meisterleistung. Ausschließlich Felsenanker halten sie auf Höhe des Absprungtisches im Berg. Verwirklicht hat den Sprungturm, der wegen seiner frei auskragenden Spannbeton-Konstruktion auch als „schiefer Turm von Oberstdorf“ bezeichnet wird, die Werner Rädlinger Gruppe aus Cham. „Unser Team stellt sich neuen Herausforderungen und setzt große Ideen innovativ um. Das gilt nicht nur für den Bereich Stahlbau, sondern für alle Firmensegmente“, betont Geschäftsführer Werner Rädlinger.

In vielen Welten zuhause

Das international tätige Familienunternehmen stützt sich auf vier unterschiedliche Säulen, die im Zusammenschluss viele Synergieeffekte mit sich bringen: Die Rädlinger Maschinen- und Stahlbau GmbH legt den Fokus auf Baumaschinenausrüstung und Stahlbau, die Rädlinger primus line GmbH steht für eine weltweit einzigartige Technologie zur grabenlosen Rohrsanierung, die BBZ Berufsbildungszentrum GmbH ist eine der wichtigsten Bildungsstätten in der mittleren Oberpfalz und die Rädlinger energy GmbH plant und realisiert Elektroinstallationen im Industriebereich sowie Photovoltaikanlagen aller Größen.
Grabenlose Rohrsanierung in der australischen Millionenstadt Brisbane
Mit der innovativen Technik der grabenlosen Rohrsanierung – hier in der australischen Millionenstadt Brisbane – können pro Projekt im Durchschnitt bis zu 80 Prozent CO2 gegenüber einer offenen Bauweise eingespart werden. © Werner Rädlinger Gruppe
Nach dem Motto „Es gibt nichts, das nicht geht“ und einem einzigen Zwei-Achser-Hinterkipper legte Josef Rädlinger sen. 1963 den Grundstein der Unternehmensgruppe Rädlinger in der Baubranche. In den mehr als 50 Jahren Firmengeschichte wurden stetig neue Sparten und Geschäftsfelder erschlossen. 2019 ging daraus die Werner Rädlinger Gruppe mit etwa 450 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern – darunter aktuell knapp 15 Auszubildende – hervor. An weltweit acht Standorten in Deutschland, den USA, Kanada, China und Australien bedient das Unternehmen die vielfältigen Anforderungen seiner Kunden aus mehr als 50 Ländern.

Nachhaltigkeit fest verankert

Das Thema Nachhaltigkeit ist dabei fester Bestandteil der Wertebasis – nicht nur in der eigenen Produktion, sondern auch bei den größtenteils schlüsselfertigen Lösungen. „Vor allem bei der Sanierung von Druckleitungen geht Reparieren vor neu aufbauen“, erklärt der Geschäftsführer. Wenn sensible Leitungen zum Transport von Wasser, Öl oder Gas in die Jahre gekommen sind und ausgewechselt werden müssen, kommt die innovative Technik zur grabenlosen Rohrsanierung von Rädlinger ins Spiel. Die Vorteile liegen für den Firmeninhaber auf der Hand: „Kern des Systems ist ein hochbelastbarer, flexibler Inliner. Zum Einziehen benötigt man oberirdisch nur zwei kleine Baugruben am Anfang und Ende der zu sanierenden Leitung. Per Kameraroboter wird ein Seil eingefädelt, mit dem später der neue Liner – der im Prinzip einem mit Aramid verstärktem Feuerwehrschlauch gleicht – in die alte Leitung eingezogen wird und diese ersetzt.“ Eine zeitsparende Sanierung bis zu 1.500 Meter Länge und einem Durchmesser von 50 Zentimeter ist damit möglich, ohne aufwendig alte Rohre ausgraben und komplett neu setzen zu müssen. „Vor allem in stark bebauten Regionen oder Naturschutzgebieten ist unsere patentierte Technik, die selbst höchste Standards für den Einsatz im Trinkwasser-Bereich erfüllt, seit bereits mehr als 20 Jahren im Einsatz“, erklärt Rädlinger.
Das Thema Nachhaltigkeit zieht sich auch durch die Sparte Energietechnik und Photovoltaik. Neben der Planung und Realisierung von Solarstromanlagen für gewerbliche und private Kunden bietet Rädlinger individuelle LED-Beleuchtungskonzepte an. Die heutige Full-Service-Dienstleistung wurde einst als Folgeprojekt im Energiebereich gestartet. „Die Einsparpotenziale für Betriebe durch ein effizientes Energiemanagement sind enorm“, betont der Geschäftsführer. Eine Umrüstung auf LED – egal ob im Bereich Straßen-, Industrie- oder Innenbeleuchtung – habe sich in der Regel nach zwei Jahren amortisiert.

Hoch hinaus

Im Stahlbau und bei der Ausrüstung von Baumaschinen geht es oft in luftige Höhen. Rädlinger gilt als Experte für Stahlbaukonstruktionen aller Art – dabei liegt eine der Stärken im Brückenbau. Ein großer, sechsstündiger Brückeneinhub über die Autobahn A 9 hat es in diesem Jahr sogar in eine Fernsehreportage geschafft. Zuerst wurde die 270 Tonnen schwere Konstruktion mit speziellen Fahrzeugen in Position gebracht, bevor drei Kräne sie in ihre finale Lage hoben. „Das ist Millimeterarbeit bei laufendem Autobahnbetrieb. Ein Jahr lang hat sich unser Team auf diesen Moment vorbereitet“, zeigt sich Rädlinger stolz. Doch nicht nur im Stahlbau denkt Rädlinger in großen Dimensionen. Auf 27.000 Quadratmetern Produktions- und Lagerfläche entstehen in Cham und Schwandorf tonnenschwere Baggerlöffel, Laderschaufeln, Schnellwechselsysteme oder Drehmotoren für Baumaschinen. Bis zu fünf Meter breit können beispielsweise Laderschaufeln für den Einsatz in Steinbrüchen sein. „Unsere Auftragsbücher sind trotz Corona-Krise voll“, sagt Rädlinger. Sorgen bereitet ihm hingegen der Preiskampf sowie die Verfügbarkeit von Rohstoffen – der Stahlpreis habe sich in den letzten Jahren nahezu verdoppelt. Da helfe aus Rädlingers Sicht nur Vorsorgen: „Unsere Lager sind gut mit entsprechenden Vormaterialen gefüllt.“
Firmengründer Werner Rädlinger vor einem Tieflöffel mit Drehmotor in der eigenen Fertigungshalle
© Werner Rädlinger Gruppe
Visionen lassen sich nur mit einem motivierten und kompetenten Team verwirklichen.

Werner Rädlinger

Eine Schippe Bildung

Ebenso entscheidend während der Pandemie war die Investition ins wichtigste Gut des Unternehmens, seiner Belegschaft. „Weiterbildung fördert nicht nur die individuelle Entwicklung jedes Mitarbeiters, sondern bedeutet nachhaltige Zukunftssicherung für ein Unternehmen“, sagt Rädlinger. Dafür tut Rädlinger einiges: Moderne Arbeitsplätze im neu renovierten Verwaltungsgebäude im Chamer Stadtteil Windischbergerdorf oder ein „WorkCafé“ als Mittelpunkt des internen Netzwerkens schaffen den Rahmen der auf Offenheit und partnerschaftlichem Miteinander basierenden Unternehmenskultur. Die Förderung von Fachkräften hat sich Rädlinger schon lange auf die Fahne geschrieben. Zur Unternehmensgruppe gehört auch das BBZ Berufs-Bildungs-Zentrum in Schwandorf. Das breite Spektrum an Bildungsangeboten umfasst neben der inner- und außerbetrieblichen Ausbildung in den Bereichen Metall, Elektro und Mechatronik auch Umschulungen sowie Fortbildungen. „Das BBZ leistet einen wichtigen Teil zur Fachkräftesicherung vor Ort – nicht nur intern, sondern für nahezu alle namhaften Betriebe in der Region. Denn eines ist klar: Visionen lassen sich nur mit motivierten und kompetenten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern verwirklichen“, betont Rädlinger und fügt mit Blick in die Zukunft hinzu: „Als gesundes Unternehmen mit einem engagierten Team werden wir neue Herausforderungen immer auch als Chance erkennen und unsere weltweiten Verbindungen weiter nutzen, um innovative Lösungen für unsere Kunden umzusetzen.“