Unternehmensportrait - Ausgabe 01|02

Eine Schicht Luxus

Zahlreiche Bauwerke der griechischen Antike beeindrucken durch ihre ästhetische Architektur und Materialen. So ragt beispielsweise die Akropolis in Athen in majestätischem Marmorweiß in den Himmel. Heute bringt die Grama Blend GmbH den Naturstein an Bord von Privatjets sogar über die Wolken. Verkleidete Fronten oder Tischplatten aus Marmor sorgen für ein edles Interieur der Flugzeuge.
Ob das Material nicht zu schwer sei, wenn es in der Luftfahrt doch auch um Gewicht geht? Auf diese Frage hat Geschäftsführer Norbert Moller eine knappe Antwort: „Sandwich-Bauweise“. Auf eine wenige Millimeter hohe Trägerplatte aus Aluminium wird eine bis auf drei bis vier Millimeter dünn geschliffene Steinplatte kaschiert. Mit dieser Technik reduziert sich das Flächengewicht der Plattenkonstruktion gegenüber einer reinen Marmorplatte mit identischen Maßen um mehr als zwei Drittel. Während ein zwei Zentimeter starker Quadratmeter Marmor rund 60 Kilo wiegt, kann mit dieser Technik eine vergleichbare Plattenkonstruktion das Gewicht auf unter 20 Kilo drücken. Zusätzlich sorgt die Wellen- bzw. Wabenform des Aluminiums für mehr Stabilität und gleicht Vibrationen sowie Erschütterungen aus. „Das Material ist verformungsstabil und bricht gleichzeitig schwieriger“, sagt Moller.
Nicht ganz so hoch hinaus, aber zumindest nach oben geht es in Aufzügen, die das Unternehmen ebenso mit edlen Steinplatten verkleidet. Der Marmor an Wänden und Boden versprüht herrschaftlichen Charme, während die geringe Aufbauhöhe entscheidende Kilos für die Aufzuganlage spart. Bedienfelder und Fahrstandsanzeigen beispielsweise bestehen aus vier Millimeter kratzfestem Naturstein auf einem sechs Millimeter Aluminiumwabenträger, der hier ebenfalls für die nötige Stabilität sorgt.

Leichter Luxus

Dünn geschliffene Steinplatte auf Aluminium-Trägerplatte
Auf eine Trägerplatte aus Aluminium wird eine dünn geschliffene Steinplatte kaschiert, um das Flächengewicht gegenüber einer reinen Natursteinplatte zu reduzieren. Die Wellen- bzw. Wabenform sorgt für mehr Stabilität. © Grama Blend GmbH
Grama Blend sorgt im wortwörtlichen Sinne für leichten Luxus – in der Luft, ebenso wie zu Wasser oder auf der Straße. Die Leichtbaulösungen werden auch in Yachten oder hochpreisigen Reisemobilen verbaut. Auch hier ist die Maßgabe: edles Material bei möglichst wenig Gewicht. Der erste Geschäftsbereich des in Sulzbach-Rosenberg beheimateten Betriebs war die Schifffahrt. Heute ist das Unternehmen als Geschäftspartner von Serienyachtherstellern und beim Innenausbau von Privatyachten auf den Meeren dieser Welt zuhause. „Gemeinsam mit Partnerunternehmen bündeln wir die jeweiligen Stärken und realisieren gemeinsam Projekte“, sagt Moller. Für die Akquise neuer Aufträge sei in diesem Preissegment das Empfehlungsmarketing innerhalb der Branche erfolgsentscheidend.

Qualität im Gleichgewicht

Als die Firma 1990 gegründet wurde, liefen zahlreiche Arbeitsschritte per Hand. Heute ist der komplette Maschinenpark in der Fertigung ausgetauscht, ein Großteil der Prozesse läuft automatisiert mit CNC-Maschinen. Das verbessere die Präzision der hergestellten Werkstücke. Traditionelle Tätigkeiten wie die eines Steinmetzes sind im Betrieb in Sulzbach-Rosenberg nicht zu finden und dennoch bleibe insbesondere für die Veredelung Handarbeit unerlässlich, wird im Gespräch deutlich. Dabei gehe es um Schleifen, Kleben und Imprägnieren.
„Ein hundertprozentiger Automatisierungsgrad ist für uns nicht zielführend“, sagt Moller. Statt mit Unternehmen, die eine vollautomatisierte Fertigung betrieben, im Preiskampf zu stehen, legt Grama Blend seinen Fokus auf Qualität und Aufträge mit geringer Stückzahl.
Geschäftsführer Norbert Moller im Gespräch mit Mitarbeitern
© Grama Blend GmbH
Ein hundertprozentiger Automatisierungsgrad ist für uns nicht zielführend.

Norbert Moller


Innovativer Innenausstatter

So facettenreich wie die Kundenwünsche und die Einsatzgebiete sind auch die verschiedenen Gesteinsarten: Marmor und Granit oder Schmucksteine wie beispielsweise Onyx. In der Zeit vor Corona bezog das Grama Blend fast alle Steine aus Italien. Doch die Engpässe der Lieferkette während der Pandemie waren auch hier spürbar. So wich Moller auf Lieferanten innerhalb Deutschlands aus – zugunsten der Zuverlässigkeit, zuwider dem Preis. Dennoch wolle er das weiterhin beibehalten, weil er Regionalität schätze.
„Wir verstehen uns als einen innovativen Innenausstatter“, erklärt Moller. Dabei ist Naturstein mehr als die klassische Fließe für Boden und Treppe. Im Interieur-Bereich fertigt und konfektioniert Grama Blend Paneele insbesondere für Küche und Bad. Die Produktpalette reicht von filigranen Elementen bis hin zu drei auf 1,45 Meter große Wandverkleidungen. Hinzu kommen hinterleuchtete Steininstallationen, deren dünngeschliffene transluzente Marmorplatten für indirekte Raumbeleuchtung sorgen. „Jeder Einbau erfordert dabei eine präzise Vorbereitung für eine reibungslose Montage“, so der Geschäftsführer.

Edle Vielseitigkeit

Auch Museen oder Händler von Designermarken setzen weltweit auf die extra Schicht Luxus von Grama Blend. In Displays oder in ihrer Auslage nutzen sie Platten des Unternehmens als Präsentationsfläche. Ein entscheidendes Qualitätskriterium über alle Produkte hinweg sind für den Geschäftsführer die knapp 35 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit Sinn für die Naturmaterialien und deren Ästhetik. Moller selbst stieg 2004 nach einer Ausbildung zum Schreiner und anschließender Weiterbildung zum Holztechniker als Qualitätsmanager in das Unternehmen ein. Nachdem er als Projekt- und Fertigungsleiter sowie Prokurist tätig war, wurde der technische Betriebswirt 2014 schlussendlich Geschäftsführer.
Kücheninsel mit Naturstein-Paneelen
Für den Interieur-Bereich fertigt und konfektioniert der Betrieb Naturstein-Paneele insbesondere für Küche und Bad. Zusätzlich bietet Grama Blend mit der hauseigenen Produktlinie inzwischen auch komplette frei planbare Küchenzeilen und Kücheninseln an. © Grama Blend GmbH
Als er einstieg lieferte das Unternehmen an Küchenstudios meist nur Arbeitsplatten oder lose Möbelfronten, die vor Ort weiterverarbeitet wurden. „Das ist noch immer so, aber heute fertigen wir selbst zusätzlich komplett fertige Möbelstücke“, erzählt Moller. Mit der hauseigenen Produktlinie Monostonekitchen bietet Grama Blend frei planbare Küchenzeilen und Kücheninseln aus Naturstein. In pechschwarzem Granit bis hin zu grünem Quarzit entstehen Kochinseln mit verschiedensten Modulen und Formen, in die sich Elektrogeräte aller Marken integrieren lassen.

Steinerne Akustik

Inspiration für neue Produkte sammle insbesondere der Außendienst in Gesprächen mit Kunden und Geschäftspartnern. So entstünden in lockeren Gesprächen aus der Frage „Sagen Sie mal, geht das eigentlich auch, dass…?“ neue Ideen. Das neueste Projekt vereint Optik und Akustik. In Zusammenarbeit mit einem Audiohersteller installiert das Unternehmen Sichtblenden von Musikanlagen, Lautsprecherfüße oder versteckte Deckenmodule. Auf den Membranträgerplatten angebracht, schwingt weißer Marmor mit den Schallwellen der Musik und wirkt als zusätzlicher Klangkörper. Vielleicht reicht die majestätische Klangkulisse so bis in den Himmel zu den Helden und Göttern der griechischen Antike.