Titel - Ausgabe 07|08

Zu Lande, zu Wasser und in der Luft

Per pedes vor der Haustür, hoch über den Wipfeln oder auf den blauen Wassern der Donau – die Erlebnisanbieter in der Region haben einiges in petto.
„In Mitteleuropa fühlen sich Gäste draußen und vor allem im Wald sehr wohl“, sagt Thomas Gradl, Diplom-Geograph aus Garmisch-Partenkirchen, der vor wenigen Monaten die Kletterwald Regensburg GmbH & Co. KG übernommen hat. Mitten in der Pandemie investierte der Kletteranlagensachverständige in den Erlebnistourismus in der Oberpfalz.
Gradl hat sich für Regensburg entschieden, obwohl eine Reihe weiterer Kletteranlagen zum Verkauf standen, und den dortigen Kletterwald, der seit 2009 besteht, gekauft. Die gute Verkehrsanbindung an Flughafen und Autobahn, das Potenzial der Anlage durch die Verbindung zum Walderlebniszentrum in Regensburg und nicht zuletzt die Schönheit der Stadt überzeugten den gebürtigen Bamberger.

Disneyfiguren im Wald – undenkbar

Auf der ganzen Welt unterwegs, um Anlagen zu prüfen, kennt er das Geschäft zumindest von der anderen Seite ganz genau – und weiß um seine kulturellen Spezifikationen. „Es ist bei uns undenkbar, dass im Wald beim Klettern plötzlich Disneyfiguren stehen wie etwa in den USA oder auch in England“, weiß Gradl, „wir wollen einen naturnahen Wald erleben.“
Allerdings nicht unbedingt auf beschwerliche Weise. So würden die Verweilzeiten in Kletterparks weltweit kürzer, die Besucher planen die Tour oftmals nur als einen Teil ihres mit Aktivitäten gefüllten Urlaubstags ein. „Abends will man dann vielleicht noch ins Konzert und das nicht unbedingt allzu verschwitzt“, so Gradl.

Familien als wichtige Zielgruppe

Diesem Trend zu „leichter und spaßiger“ trägt er mit der Entwicklung seines Angebots Rechnung. Kinder und Jugendliche sollen sich im Kletterwald genauso wertgeschätzt fühlen wie Erwachsene und in eigenen Parcours Höhe erleben können. So will Gradl nicht nur den Sonntagsausflug mit der ganzen Familie attraktiver gestalten, sondern auch einen Rahmen für aufregende Kindergeburtstage schaffen.
Kletterwald in Regensburg
Kletterwald in Regensburg © Kletterwald Regensburg GmbH & Co. KG
Vor allem aber dient der Regensburger Kletterwald als Spielwiese für die zahllosen Ideen, die er bei seinen Inspektionen auf der ganzen Welt gesammelt hat. Da der Unternehmer zudem in die Entwicklung von eigenen Gerätschaften einsteigen will, soll der Regensburger Kletterwald mittelfristig auch als Showroom für die internationale Kundschaft dienen. Die Oberpfälzer darf das freuen, denn auf diese Weise kommen sie vor der Haustür in den Genuss von innovativstem Klettererleben.

Tradition neu belebt

Unterhaltung und Erlebnis der ganz traditionellen Art bietet dagegen die Schifffahrt Kelheim - Donaudurchbruch. Bereits seit Ende März 2021 darf der seit 1967 bestehende Familienbetrieb wieder Passagiere befördern, da es Renate Schweiger, die das Unternehmen in der zweiten Generation führt, gelungen ist, die Flotte als öffentlichen Personennahverkehr eingruppieren zu lassen.
Daher legten sogar während des Lockdowns vereinzelte Wanderer die sechs Kilometer von Kelheim durch den Donaudurchbruch zum Kloster Weltenburg auf dem Wasser zurück und ließen sich mit Lunchpaketen versorgen. Ganz neu ist seit 2021 die Möglichkeit, dienstags von Kelheim nach Regensburg zu fahren, um dort den Tag zu verbringen und abends zurückzukehren.

Gäste legen mehr Wert auf Qualität

Was Renate Schweiger, die den Betrieb seit 45 Jahren führt, seit der Pandemie besonders auffällt, ist die Tatsache, dass die Gäste deutlich mehr Wert auf Qualität legen und insbesondere am Essen nicht sparen. Das ist für ihr Unternehmen bedeutsam, da die
Schifffahrt Kelheim - Donaudurchbruch
Erfolung auf dem Wasser bietet die Schifffahrt Kelheim - Donaudurchbruch. © Anton Mirwald
Marge nicht allein im Ticketpreis, sondern auch in der Bord-Gastronomie liegt. „Der Urlaub im Inland hat durch die Pandemie wieder einen anderen Stellenwert bekommen“, so die Flottenchefin.
Früher habe es nicht als ernst zu nehmender Urlaub gegolten, wenn man nicht auf Malle gewesen sei. Das ändere sich gerade. Über die Jahre hat Schweiger schon viele Umbrüche erlebt, von der Ölkrise in den siebziger Jahren als Sonntagsfahrverbot herrschte, bis hin zu den Niedrigwasserzeiten in den Jahren 2003 und 2018, als der Betrieb jeweils für ein Drittel der Tage eingeschränkt war oder vollständig ruhen musste. Corona sei dennoch einzigartig, aber auch eine große Chance wieder neue Gäste zu gewinnen.

Betriebsfamilien wachsen zusammen

„Die Krise hat uns wieder näher zusammengebracht – innerhalb unseres Betriebs mit unseren 15 festen und 15 Aushilfsmitarbeitern, aber auch mit den Unternehmern in den anderen Tourismusbranchen hier“, sagt Renate Schweiger. Busunternehmen und Restaurantbetreiber, sie alle hätten gelernt, ihre Angebote aufeinander abzustimmen und zusammenzuarbeiten.
Außerdem sei es an der Zeit, als Arbeitgeber den Mitarbeitern etwas zurückzugeben für ihre Treue – denn nicht nur Überbelastung fordere und stresse, sondern auch die erzwungene Untätigkeit. Und dafür, dass die Belegschaft bei der Stange geblieben sei und sich nicht etwa anders orientiert habe, ist Schweiger sehr dankbar.

Die ganze Welt in Regensburg

Untätigkeit gar nicht erst zum Problem werden zu lassen, bieten zwei Jungunternehmer aus Regensburg, die das Konzept eines „umgekehrten Tourismus“ verfolgen, wie sie sagen. Johannes List und Dr. Michael Mayer holen mit ihrem Internetportal Curicosmo die Welt vor die Haustür. „Die Leute sollen bei uns Untypisches erleben können“, erklärt List.
Onlineportal der Curicosmo GmbH
Das Onlineportal der Curicosmo GmbH soll die Welt vor die Haustür holen. © Curicosmo GmbH
Angefangen von Aktivitäten, kulinarischen Erfahrungen, über Veranstaltungen, Workshops oder ungewöhnliche Läden verschafft ihr Angebot Zugang zu Erlebnissen, die traditionell eher mit Reisen in Verbindung stehen. „Wir haben so viele tolle Dinge in Regensburg und der Oberpfalz, die man aber nur nach langer Recherche – oder nie – findet“, so Dr. Mayer.
Wer weiß schon vom kubanischen Konzert um die Ecke? Oder dass es einen philippinischen Streetfood-Kochkurs in Regensburg gibt? „Wichtig ist uns, dass das konkrete Erlebnis im Mittelpunkt steht“, so List. Der Betriebswirtschaftler und der Wirtschaftsinformatiker machen sich seit einem Jahr hauptberuflich für die Besucher ihres Portals auf die Suche nach dem Besonderen.

Anbieter und Nutzer profitieren

Das kitzeln sie dann in appetitmachenden Texten auf ihrer Seite heraus. Die Anbieter zahlen dafür eine Monatspauschale, die Nutzer nichts. „Unsere Devise ist: Etwas online finden, sich das schnell vorstellen können und dann vor Ort erleben“, erklärt List. Dabei spielten sowohl alles Künstlerische wie etwa Musik, die Kulinarik, als auch die Themen Menschen, Sprache, Geschichte sowie Traditionen und Handwerk eine Rolle. „Das Wesentliche ist immer der Kontakt mit anderen“, so Dr. Mayer.
Geplant ist, das Angebot, das vor kurzem in Regensburg gestartet ist, deutschlandweit zu etablieren und sukzessive auszubauen. Das Potenzial sei ja noch lange nicht ausgeschöpft, denn oft wüssten Anbieter gar nicht, dass ihr Angebot eine Art Reiseerlebnis für Kunden darstellen kann und sie somit eine ganz neue Zielgruppe ansprechen könnten, so die Geschäftsführer. Und es ist ja nicht nur eine Pandemie, die einen am zügellosen Reisen hindert – sondern schlicht der mangelnde Urlaub, das fehlende Kleingeld und der Gedanke an die Nachhaltigkeit. Zuhause aber darf zumeist hemmungslos erlebt werden.
- von Alexandra Buba