Region - Ausgabe 07|08

Licht am Ende des Tunnels

Der IHK-Konjunkturbericht zur Jahresmitte meldete einen Teilaufschwung durch regionale Industrie und Dienstleister.
Eine positive Tendenz vermeldete der IHK-Konjunkturbericht zur Jahresmitte. „Ein Großteil der Unternehmen im IHK-Bezirk kämpft sich zurück ins Wirtschaftsleben, auch wenn die Beurteilungen zur Geschäftslage über alle Branchen noch nicht den Wert vor der Pandemie erreichen“, sagt IHK-Präsident Michael Matt. Rund 47 Prozent der knapp 350 von der IHK befragten Unternehmen in der Region bewerten ihre Lage derzeit wieder als „gut“. Besondere Sogwirkung entfaltet die regionale Industrie. Hier profitiert jedes zweite Unternehmen von gestiegenen Auftragsvolumina aus dem In- und Ausland und steigert sein Produktionstempo. Aufgrund der engen Verflechtungen zur Industrie ziehen die Unternehmensdienstleister nach. Aber: „Die Entwicklung im Handel zeigt sich gespaltener denn je. Hotels und Gaststätten bewerten ihre Lage mitunter wieder etwas besser, das To-Go-Geschäft generiert zumindest Umsätze und es bindet die Stammkunden. Erste Lockerungen bei den Pandemiemaßnahmen sorgen für verhaltenen Optimismus“, so Matt.

Auslandsgeschäft stützt die Region

Die konjunkturelle Erholung in China, den USA und auch Russland wirkt sich positiv auf die Auftragsbücher der ostbayerischen Industrie aus. Doch auch die Europa-Geschäfte legen bei 40 Prozent der Firmen deutlich zu. Gleichzeitig explodieren die Beschaffungskosten auf den internationalen Märkten, was im Großhandel und dem produzierenden Gewerbe wiederum zu Versorgungsengpässen führt und teure Lagerhaltung erforderlich macht. Versorgungslücken bestehen bei Grundstoffen und Vorprodukten wie Stahl, Aluminium, Glas, Plastik und Holz. „Eine für die exportorientierte Region erforderliche Verbesserung der internationalen Lieferketten hängt stark ab vom zurückgehenden Infektionsgeschehen, einer Beruhigung der Weltmärkte und einer Normalisierung der wirtschaftlichen Kreisläufe“, merkt IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Jürgen Helmes an. Potenzial für mehr Aufträge im Export sieht nur ein Drittel der Firmen. Wachstumssignale senden insbesondere China und die Asien-Pazifik-Region.
„Beim Auftragseingang verzeichnen wir bereits seit Jahresbeginn einen sehr positiven Trend sowohl bei unseren Kunden im In- als auch im Ausland", berichtet Christian Brandmüller, Geschäftsführer der Spangler GmbH in Töging im Landkreis Neumarkt. Etwa bei Zukunftstechnologien wie der Wasserstoffgewinnung oder der industriellen Verwertung von Schlamm sei die Nachfrage derzeit besonders groß. Genau beobachtet Brandmüller die internationalen Lieferketten. „Die Liefersituation auf dem Weltmarkt ist angespannt, die Rohstoffpreise gehen nach oben. Früher wurden wir innerhalb eines Werktags von unseren Lieferanten versorgt, heute betragen die Vorlaufzeiten bis zu fünf Wochen." Infolge dessen hat das Unternehmen die Kommunikation mit den Kunden und Lieferanten intensiviert und die Bestellprozesse angepasst.
Die ti communication GmbH aus Regensburg berät Unternehmen im internationalen Geschäft. Da dort die Geschäftslage wieder anzieht, wirkt sich das auch positiv auf das Unternehmen von Gerhard Hain und Susanna Bezzel aus: „Die Auftragszahlen steigen und zahlreiche Projekte sind in Aussicht. Das Niveau von 2019 ist noch nicht erreicht. Viele Firmen hadern immer noch mit den virtuellen Möglichkeiten und sind zurückhaltend in internationalen Projekten, ihre Leute vor Ort einzusetzen.“ so Gerhard Hain. Ab Herbst rechnet ti communication mit einem Ansturm, da die zunehmende Normalisierung wohl zu Nachholeffekten führen wird. Hain beobachtet derzeit noch nicht, dass die Unternehmen nun ihre Länder-Strategien angesichts der massiven Probleme auf den internationalen Märkten überdenken. „Aktuell ist das Thema Verlagerung auf andere Zielmärkte bei uns jedenfalls noch nicht angekommen. Erkennbar ist, dass zahlreiche Unternehmen ihre Organisation strategisch neu ausrichten und wir in diesem Zusammenhang häufiger beratend eingebunden werden. Die Unternehmen wandeln sich schneller und COVID hat dies nochmals beschleunigt.“

Finanzlage nicht schlechter

Die Rückmeldungen der besonders hart von den Corona-Maßnahmen betroffenen Branchen in Tourismus und Handel ergeben, dass die staatlichen Hilfen mittlerweile ankommen. Dennoch stehen einige Betriebe am finanziellen Abgrund. 78 Prozent der Tourismusbetriebe und 67 Prozent der Händler geben an, fremde Finanzierungsmittel wie z.B. Kredite und Anleihen in Anspruch zu nehmen. Im Vergleich zum Jahresbeginn rechnen mit Ausnahme der Baubranche aber insgesamt weniger Umfrageteilnehmer mit Ausfällen aufgrund von Insolvenzen ihrer Kunden oder Lieferanten.

Optimismus steigt

Die positiven Erwartungen der Unternehmen für die zweite Jahreshälfte nehmen mit 30 Prozent deutlich zu. Auch die Angaben zu den Investitionsplänen ergeben eine Aufbruchsstimmung. Erstmals seit dem Frühjahr 2019 wollen die Unternehmen mit Ausnahme der Bauwirtschaft wieder mehr investieren. „Die Unternehmen haben bereits jetzt die Bundestagswahl und die wirtschaftlichen Auswirkungen der Wahlprogramme im Blick. Größter Risikofaktor bleiben daher auch bei dieser Umfrage die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen“, beobachtet Helmes. Trotz staatlicher Unterstützung ist das Eigenkapital der Unternehmen vielfach abgeschmolzen. Die Betriebe fordern über die Zuschussmöglichkeiten der Überbrückungshilfe hinaus besser zugängliche Nachrangdarlehen etwa für anstehende Rückzahlungen. Hinzu kommen die Herausforderungen, die die Wirtschaft bereits vor Corona umgetrieben haben: „Mit der konjunkturellen Erholung und den Öffnungsperspektiven rückt der Fachkräftemangel insbesondere bei den Dienstleistern und im Tourismusgewerbe wieder mehr in den Vordergrund“, schließt Matt.