Region - Ausgabe 07|08

Schlüsselfaktor Entwicklungsflächen

Neben der Neuausweisung und -erschließung von Gewerbegebieten bieten innovative Ansätze bei bestehenden Flächen mit Fokus auf Innenentwicklung, Nachhaltigkeit oder Vernetzung Chancen für die Wirtschaft. In einer dreiteiligen Serie zeigt „Wirtschaft konkret“ innovative und ökologische Konzepte für Flächenentwicklung, die Betriebe und Kommunen gemeinsam vorantreiben.
Nicht zuletzt durch die politischen Diskussionen und Maßnahmen zum Thema Flächensparen geraten wirtschaftliche Flächennutzungen unter öffentlichen Beschuss und erfahren Einschränkungen. „Mit dem wirtschaftlichen Erfolg von Unternehmen und Regionen wächst aber oftmals auch der Bedarf an Fläche, daran ändert auch die Pandemie nichts“, weiß IHK-Expertin Sibylle Aumer. Unternehmen, die neu in die Region kommen oder ihren bereits ansässigen Betrieb erweitern wollen, benötigten Flächen mit Entwicklungspotenzial. „Sind diese nicht vorhanden, wandern Firmen ab oder kommen gar nicht erst in die Region. Und mit ihnen schwinden Arbeitsplätze, Wirtschaftsleistung und Wohlstand“, gibt Aumer zu bedenken. Hier mit einer bedarfsgerechten Flächenentwicklung frühzeitig gegenzusteuern, sei entscheidend für die Wettbewerbsfähigkeit eines Standorts. Insbesondere im Verarbeitenden Gewerbe oder der Logistik benötigen Betriebe zusammenhängende Gebiete. Ein großer Vorteil neu ausgewiesener Gewerbegebiete ist die Möglichkeit, die aktuellen Nachfragestandards der Unternehmen erfüllen zu können. Aber Schwierigkeiten beim Flächenkauf oder planungsrechtliche Einschränkungen erschweren oft. Ideale Ansätze sind interkommunale Gewerbegebiete mit Raum für Wachstum. Das Schaffen bestmöglicher Rahmenbedingungen könnte dort laut Aumer mit vereinten Ressourcen in Angriffen genommen werden: „Nachhaltige Mobilitätsformate beispielsweise mit Ladeinfrastrukturen, digitale Anbindungen, kurze Wege zwischen Partnerunternehmen und ein einheitliches Flächenmanagement des Gebiets schaffen Synergieeffekte für Unternehmen und Kommunen.“
Einen idealen Ansatz im Zusammenschluss mit benachbarten Gemeinden zeigt beispielsweise das interkommunale Gewerbegebiet Wiesau in der Nordoberpfalz. Zehn Kommunen entwickelten gemeinsame Industrieflächen und schlossen sie an bestehende Infrastrukturen an. Auf zunächst rund 20 Hektar werden sich zwei große Industriebetriebe niederlassen, weitere Ansiedlungen sollen folgen. „Wir haben zahlreiche Anfragen aus den unterschiedlichsten Branchenbereichen, vor allem aus der Logistik, von Produktionsunternehmen mit Schwerpunkt Export oder dem Bauhandwerk“, sagt Wiesaus Bürgermeister Toni Dutz. Für ihn ist die „erstklassige Lage mit Anschluss an Bahn und Autobahn, um auch überregional angebunden zu bleiben“ einer der Standortvorteile. Den Mehrwert eines interkommunalen Gewerbegebietes sieht Dutz für Kommunen wie Wirtschaft gleichermaßen. Die unter allen Akteuren aufgeteilte Arbeitsbelastung ermögliche auch eine Beteiligung von kleineren Kommunen, die ein solches Großprojekt allein organisatorisch und finanziell nicht realisieren könnten. Zudem könnten die Unternehmen von Anfang an eingebunden und so die Planungen optimal auf ihre Raum- und Gestaltungsbedürfnisse zugeschnitten werden. „Ein großes, zentrales Industrie- und Gewerbegebiet ist wesentlich effizienter und ressourcenschonender als mehrere kleine und verstreute Gebiete“, betont Dutz auch hinsichtlich der Flächenersparnis. Dieser Ansatz sei für Unternehmen, die auf Nachhaltigkeit setzen, ein Pluspunkt für die Standortwahl.
Gut angebunden ist das Gebiet zwischen Wackersdorf, Schwandorf und Steinberg am See an der Autobahnanschlussstelle Schwandorf-Mitte der A 93. Dort planen die drei Gemeinden ein interkommunales Gewerbegebiet und gründeten dazu den Zweckverband „Interkommunales Gewerbegebiet an der A 93“. IHK-Expertin Sibylle Aumer sieht die Entwicklung als notwendig: „Die Gewerbeflächen in den Kommunen sind knapp.“ Der Mangel an geeigneten Flächen könne so ausgeglichen und Firmenansiedlungen gefördert werden. Dennoch sehen sich die Verantwortlichen bei der Erstellung eines Flächennutzungsplans oftmals mit Einwänden seitens Naturschutzes oder anderer Verbände, die unter anderem befürchtete Bodenversiegelung anmahnen, konfrontiert. Dabei „kalkulieren Unternehmen schon aufgrund des ökonomischen Prinzips eng mit Grund und Boden, denn jede Flächenerschließung und Baumaßnahme kostet nicht nur Platz, sondern auch Geld“, sagt Aumer. Die wirtschaftliche Entwicklung mit Bodenversiegelung und Betonflut gleichzusetzen, erzeuge ein falsches Bild der Wirtschaft als vermeintlichen Flächenfresser. Zudem würden auch Grünflächen auf Betriebsgeländen offiziell als verbrauchte Fläche gelten. „Ziel war es, die Planungen für das interkommunale Gewerbegebiet voranzutreiben und dabei aber die Argumente der Einwanderheber in den Prozess einfließen zu lassen“, so der Zweckverbandsvorsitzende und Wackersdorfer Bürgermeister Thomas Falter. Im März dieses Jahres wurde der Flächennutzungs- und Landschaftsplan des Zweckverbandes genehmigt.
Flächennutzung in der Region
Dem Bayerischen Landesamt für Statistik zufolge nahmen Gewerbe- und Industrieflächen 2019 zusammen nur ein Prozent der Gesamtfläche des IHK-Bezirks in Anspruch, der Wohnbau nutzt 2,2 Prozent, 86,3 Prozent entfallen auf Wald, Landwirtschaft und Wasserflächen. Weitere Fakten und Forderungen der bayerischen IHKs finden Sie in der Broschüre Standortfaktor Fläche – Flächennutzung in Bayern zusammengefasst.