Region - Ausgabe 11|12

In den Startlöchern

Nach dem Corona-Einbruch von Frühjahr 2020 sieht es für Unternehmensgründungen in Deutschland inzwischen wieder besser aus.
Das zeigt eine aktuelle Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) unter den IHKs und zahlreichen Start-ups. Der DIHK-Report Unternehmensgründung 2021 (PDF-Datei · 795 KB) beruht auf mehr als 200.000 IHK-Gesprächen mit angehenden Gründerinnen und Gründern – ergänzt um eine Befragung von knapp 350 jungen Unternehmen.
Der Erhebung zufolge gehen 43 Prozent der IHK-Gründungsexpertinnen und -experten davon aus, dass es 2021 mehr Unternehmensgründungen geben wird als im Vorjahr. „Viele stehen jetzt in den Startlöchern, die im Vorjahr ihre Vorhaben zurückstellen mussten“, sagt dazu DIHK-Präsident Peter Adrian. „Damit besteht die Chance, zumindest einen Teil des herben pandemiebedingten Einbruchs wieder aufzuholen.“

Beim Standort Luft nach oben

Allerdings: „Junge Unternehmen schätzen den Gründungsstandort Deutschland gerade mit einem schwachen ‚befriedigend‘ ein“, berichtet Adrian. „Da ist bei den Rahmenbedingungen für Unternehmen noch viel Luft nach oben.“ So wünschen sich knapp 80 Prozent der Gründerinnen und Gründer von der Politik, die Errichtung eines Unternehmens schneller und einfacher zu machen.
„Ziel sollte sein, dass eine digitale Gründung binnen 24 Stunden möglich ist“, so das Plädoyer des DIHK-Präsidenten. „Wichtig ist aber auch, die Prozesse zwischen Unternehmen und Verwaltung sowie innerhalb der Verwaltung durchgängig digital zu gestalten.“ Mehrheitlich erhoffen sich die jungen Unternehmen zudem ein einfacheres Steuerrecht mit weniger Aufzeichnungs- und Nachweispflichten. 38 Prozent finden einen leichteren Zugang zu öffentlichen Fördermitteln wichtig. Für 30 Prozent hat eine bessere IT-Infrastruktur eine große Bedeutung, um ihnen im Betrieb die Digitalisierungsprozesse zu ermöglichen und den Zugang zu überregionalen Märkten zu erleichtern.

Weniger Gespräche und Beratungen

Was das konkrete Interesse an Unternehmensgründungen betrifft, vermelden die IHKs für das Corona-Jahr 2020 den stärksten Rückgang seit Beginn der IHK-Statistik im Jahr 2003 – es gab deutliche 34 Prozent weniger Gespräche und Beratungen zur Unternehmensgründung als noch 2019. Besonders Handel, Gastronomie und etliche Dienstleistungssparten waren betroffen. In manchen Teilbereichen wie in der Veranstaltungsbranche, bei den Schaustellern, im Messebau, bei den Reisebüros und Reiseveranstaltern ist das Gründungsgeschehen nahezu vollständig zum Erliegen gekommen. „Die wirtschaftlichen Einschränkungen haben zu großen Unsicherheiten geführt – mit der Folge, dass viele Gründungsprojekte abgebrochen oder auf Eis gelegt wurden“, erklärt Adrian.

Start-ups leiden unter Corona ...

Von den Jungunternehmen, die durch die Krise hindurchgegangen sind, haben 71 Prozent ihr Geschäftsmodell infolge der Pandemie angepasst. Gut ein Drittel hat staatliche Corona-Hilfen in Anspruch genommen, 20 Prozent haben Kredite aufgenommen oder Beteiligungskapital akquiriert. Insgesamt überwiegen bei den Jungunternehmen die negativen Effekte der Pandemie: Zwei Drittel der Gründerinnen und Gründer berichten von weniger Nachfrage, geringerer Liquidität und reduziertem Eigenkapital.

... aber nutzen Chancen

Ein Drittel sieht jedoch auch positive Trends – etwa dank neuer Geschäftsmodelle bei der Steuerung von Kundenströmen, Online-Shops oder digital gesteuerten Liefer- und Bringdiensten.
„Deutschland hat viele mutige Gründerinnen und Gründer, die anpacken und ihre guten Ideen in die Tat umsetzen“, betont der DIHK-Präsident. „Nach der Bundestagswahl ist es an der Zeit, ihnen unternehmerische Freiräume zu geben, damit sie ihre und unser aller wirtschaftliche Zukunft gestalten und Innovationen voranbringen können.“
- von Dr. Christian Jekat
Gründen heißt Vielfalt
Unter dem Motto „Gründen heißt Vielfalt“ findet vom 15. bis 21. November 2021 die Gründungswoche Deutschland 2021 in Kooperation mit der Global Entrepreneurship Week (GEW) statt. Gemeinsam mit dem Bundesministerium für Wirtschaft und Energie bieten viele weitere Partnern während der bundesweiten Aktionswoche u.a. Workshops, Seminare und Wettbewerbe rund um das Thema berufliche Selbstständigkeit an. Sie wollen für unternehmerisches Denken und Handeln begeistern, Kreativität wecken, Raum zum Austausch von Ideen bieten und über Förderungen informieren. Die Regensburger IHK unterstützt Gründungswillige und Jungunternehmen mit zwei Veranstaltungen zu den Themen Gründen im Nebenerwerb sowie Finanzierung und Crowdfunding.
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