Firmen vor Ort - Ausgabe 07|08

Erfolgreiche Kooperationen

In Kooperation entwickelten Unternehmen innovative Glasschreiben für unteschiedliche Einsatzbereiche oder integrieren einen kollaborativen Roboter in den Produktionsprozess.

Freie Sicht voraus

Die Irlbacher Blickpunkt Glas GmbH, weltweit agierender Spezialist für Glastechnologie und Glasbearbeitung, aus Schönsee im Landkreis Schwandorf entwickelte gemeinsam mit der Schott AG eine neue Feuer-Sichtscheiben für den Anforderungen aus der Industrie ebenso wie aus dem Privatbereich.
„Für Werker können Sicht- und Schutzscheiben nicht groß genug sein, um industrielle Heißprozesse im Auge zu behalten. Für Betreiber wie Hersteller stehen dagegen die Energiekosten im Vordergrund. Für sie sind große Sichtschutzscheiben Scheunentore für den Verlust von Wärmeenergie“, schildert Geschäftsführer Stephan Irlbacher die diametralen Anforderungen. Die Lösung: Eine Infrarot reflektierende Beschichtung auf der Basis einer transparenten Nextrema-Glaskeramik von Schott kann den Wärmeverlust erheblich reduzieren. Die einseitig außen auf der Glaskeramik aufgebrachte Beschichtung reflektiert die Wärmestrahlung zurück in den Prozess und kann so den Wärmeverlust deutlich reduzieren. Die beschichtete Glaskeramik gibt es in unterschiedlichen Formen und Formaten von maximal rund 19 auf 10 Meter. Die Beschichtung hält bis zu 100 Stunden einer Temperaturen bis 650 Grad stand, ist elektrisch leitend und kann daher in EMV-Schutzkonzepte von Maschinen mit eingebunden werden. „Je nach Kundenanforderung veredeln und liefern wir auch einbaufertige Baugruppen. Beispielsweise flächenbündig in Abdeckrahmen eingeklebte Scheiben einschließlich Dichtprofile, mit oder ohne elektrischer Kontaktierung oder versehen mit weiteren Beschichtungen oder UV-beständigen Drucken“, sagt Irlbacher.
Freie Sicht voraus
Die auf der Außenseite aufgetragene Beschichtung für Feuer-Sichtscheiben reflektiert die Wärmestrahlung. © Schott AG
Fernab von auf Hochtouren laufende Industrieprozesse, entwickelten die Unternehmen eine neue Generation von Feuer-Sichtscheiben für Holz-, Pellet- und Gaskamine für Privathaushalte. Die Wärmestrahlung reflektierende Scheiben-Beschichtung verhindert ein Überhitzen von Wohnräumen und reduziert den notwendigen Sicherheitsabstand zu Einrichtungsgegenständen und Wänden dadurch bis auf die Hälfte. Die erhöhte Temperatur im Brennraum sorgt dafür, dass Katalysatoren optimal arbeiten und kommt der Umwelt mit reduzierter Feinstaubbelastung zugute. Angenehmer Nebeneffekt: Die Sichtscheibe verrußt erheblich weniger und muss seltener gereinigt werden.

Kollege Cobot

In der Produktion der Maschinenfabrik Herbert Meyer GmbH ist seit kurzem ein kollaborativer Roboter – kurz Cobot – im Einsatz. „Der Mensch und diese Art von Roboter können ohne Schutzvorrichtung zusammenarbeiten, sprichwörtlich Hand in Hand“, erklärt Armin Lausterer, Geschäftsführer der Armin Lausterer Ingenieurbüro für Prozessoptimierung GmbH. Gemeinsam mit dem Hersteller für Spezialmaschinen zum Verkleben, Beschichten, Pressen und Verformen realisierte das Ingenieurbüro das Cobot-Projekt von der ersten Idee bis hin zur Schulung der Mitarbeiter. In der Produktion unterstützt der Cobot fortan bei Fertigungsschritten von Fräsarbeiten für Heizelemente. Er entnimmt aus einem Magazin Rohteile, legt und spannt diese in Schraubstöcke ein. Der Roboter und die Fräsanlage kommunizieren stetig miteinander und stimmen ihre Prozesse automatisiert aufeinander ab.
Kollege Cobot
Ein kollaborativer Roboter unterstützt in der Produktion der Maschinenfabrik Herbert Meyer GmbH fortan bei Fräsarbeiten. © Firmenfoto
„Die Technik bietet uns eine Möglichkeit, Arbeitsplätze in der Produktion attraktiver zu gestalten und durch Prozessoptimierung die Kundenzufriedenheit zu erhöhen“, zeigt sich Geschäftsführer Thomas Meyer zufrieden. Für die Mitarbeiter bedeute der neue Kollege Cobot eine Entlastung von monotonen Tätigkeiten und zugleich eine Perspektive auf Weiterqualifizierung hinsichtlich Programmierung und Bedienung des Roboters. Das Projekt sei an den Lean-Prinzipien orientiert, schnell und einfach umsetzbar sowie modular gestaltbar. Lausterer ist überzeugt, dass „keine andere Technologie in Sicht ist, die die Produktion unserer mittelständischen Unternehmen in den nächsten Jahren so stark verändern wird wie LeanBOTs.“ Meyer prüft bereits weitere Prozesse, bei denen der neue Kollege ortsflexibel auch bei anderen Fertigungsschritten unterstützen kann. Zudem könne beim Verkauf von Sondermaschinen künftig ein Cobot mitgeliefert und damit auf den zunehmenden personellen Engpass in der Fertigung reagiert werden.