Bayern-Čechy - Ausgabe 11|12

Unverzichtbare Verbindung

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und seine Frau Elke Büdenbender reisten im August mit der tschechischen Bahn von Berlin nach Prag zum Staatsbesuch im Nachbarland. Bereits während der Zugfahrt tauschte sich eine kleine Delegation über die Bedeutung des gemeinsamen Wirtschaftsraums Ostbayern-Westböhmen sowie seiner Pendlerinnen und Pendler aus. Teilnehmer der Gesprächsrunde mit dem Bundespräsidenten war auch IHKGeschäftsstellenleiter in Cham Richard Brunner, der gemeinsam mit der Sprecherin der Pendlerorganisation Zuzanna Vintrova und der sächsischen Europaministerin Katja Meier die Probleme im grenzüberschreitenden Arbeitsmarkt erläuterte.
Brunner betonte dabei: „Rund 13.000 Grenzpendler sind seit vielen Jahren auf der bayerischen Seite beschäftigt. Im verarbeitenden Gewerbe, der Logistik, im Tourismus und nicht zuletzt als Ärzte und Pflegekräfte sind sie unverzichtbar.“ Vor allem in den letzten beiden Corona-Jahren hätten sie an der Grenze aufgrund der veränderten Einreisebestimmungen ungewohnte Herausforderungen gemeistert, um dennoch ihren Arbeitsplatz zu erreichen. Neben den Fachkräften aus dem Nachbarland seien offene Grenzen und eine funktionierende Infrastruktur auch für die Lieferketten zwischen beiden Ländern notwendig. Hier verwies Brunner auf die große Bedeutung der Metropolenbahn zwischen München, Nürnberg und Prag, die als zweiter europäischer Bahnkorridor neben Berlin-Dresden-Prag zukunftsfähig ausgebaut werden müsse.
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier mit den Vertretern der deutsch-tschechischen Wirtschaft in Prag
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (Mitte) mit den Vertretern der deutsch-tschechischen Wirtschaft in Prag gemeinsam mit Richard Brunner von der IHK (l.) und dem geschäftsführenden Vorstand der DTIHK Bernard Bauer (2.v.l.). © Bundesregierung/Steffen Kugler
In Prag traf Steinmeier in der Villa Richter Spitzenvertreter der deutschtschechischen Wirtschaft, um die aktuellen Herausforderungen zu diskutieren. Der geschäftsführende Vorstand der Deutsch-Tschechischen Industrie- und Handelskammer Bernard Bauer dankte dem Bundespräsidenten für das Treffen, sein Besuch sei „ein wichtiges Signal in ein Land hinein, das auch wirtschaftlich die Aufmerksamkeit auf höchster Ebene verdient“. Im Rahmen des einstündigen Gesprächs skizzierten Bauer und die Vorstandsvorsitzenden der Unternehmen Skoda Auto, Bosch, E.ON, Kaufland und a.hartrodt die Erfolge der deutsch-tschechischen Wirtschaftskooperation, die vor der Pandemie ein Rekord-Handelsvolumen von mehr als 92 Milliarden Euro generierte. Steinmeier lobte das Engagement und stellte die Bedeutung der tausenden Unternehmen für die „Weiterentwicklung des Landes“ bei Themen wie Mobilität und Infrastruktur, Nachhaltigkeit, Energie und Handel heraus. Die Wirtschaftsvertreter wünschten sich allerdings einen engagierteren Ansatz seitens der tschechischen Politik beim Thema Nachhaltigkeit. Dazu gehören auch mehr Unterstützung für Elektromobilität, Erneuerbare Energien sowie eine praxisorientierte duale Berufsausbildung.
Tschechien ist seit fünf Jahren unter den zehn weltweit wichtigsten Handelspartner Deutschlands und im Ranking deutscher Investoren der beliebteste Investitionsstandort in Mittelosteuropa. Die Nachfrage aus Deutschland schafft rund eine halbe Million Arbeitsplätze in Tschechien.
IHK vor Ort in Pilsen
Bei allen Fragen zu wirtschaftlichen Themen im Nachbarland hilft das gemeinsame Regionalbüro Pilsen der IHK Regenburg für Oberpfalz / Kelheim und der Deutsch-Tschechischen IHK gerne weiter.