Fachthemen

Gründung im Nebenerwerb

Was versteht man unter einer Nebenerwerbsgründung?

Von einer „Nebenerwerbsgründung“ spricht man, wenn neben der zeitlich überwiegenden Tätigkeit, wie beispielsweise einem Angestelltenverhältnis, als Hausfrau/-mann, Student/in oder während der Arbeitslosigkeit eine nicht hauptberufliche selbstständige Tätigkeit ausgeübt wird. Diese darf im zeitlichen Umfang die Haupttätigkeit nicht überschreiten, wobei der Umfang in Abhängigkeit von den genannten Personengruppen variieren kann Neben der Chance, sich mit einer selbständigen Nebentätigkeit das Einkommen aufzustocken, erhalten Sie auch die Möglichkeit, Erfahrungen als Unternehmer zu sammeln, um ggf. später eine Vollexistenz zu gründen.
Bitte beachten Sie, dass auch eine Existenzgründung im Nebenerwerb angemeldet werden muss. Dies erfolgt bei der Gemeinde, wo sich Ihr Betriebssitz befindet. Freiberufler müssen den Beginn ihrer nebenberuflichen Tätigkeit dem Finanzamt melden.
Achten Sie bitte besonders darauf, nicht als „scheinselbständig“ zu gelten. Kriterien sind u.a. wenn Sie nur für einen Arbeitgeber tätig sind, keinen eigenen Auftritt am Markt, nicht die freie Wahl des Arbeitsortes oder der -zeit haben und/oder an die fachlichen Weisungen Ihres Auftraggebers gebunden sind. Klären Sie Ihre Situation im Zweifel bei der Deutschen Rentenversicherung, da bei einer Prüfung hohe Forderungsbeträge drohen. Weitere  Informationen finden Sie im IHK-Merkblatt "Scheinselbstständigkeit".

Ist die Genehmigung des Arbeitgebers erforderlich?

In Deutschland besteht das Recht der freien Berufswahl. Dass heißt, Sie können nebenberuflich tätig werden ohne Ihren Arbeitgeber darüber informieren zu müssen, es sei denn,
  • Sie machen Ihrem Arbeitgeber Konkurrenz,
  • Sie vernachlässigen auf Grund der selbständigen Tätigkeit Ihre Pflichten als Arbeitnehmer,
  • Sie verwenden Ihren vertraglich festgelegten Erholungsurlaub auf die nebenberufliche Selbständigkeit und sind aus diesem Grund nicht erholt/ausgeruht,
  • Sie arbeiten nebenberuflich während einer Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung durch den Arzt und kurieren deshalb Ihre Erkrankung nicht aus.
Des Weiteren müssen Sie darauf achten, ob Sie eine so genannte Nebentätigkeitsklausel in Ihrem Arbeitsvertrag stehen haben. Lesen Sie aus diesem Grund Ihren Arbeitsvertrag genau durch. Auch sollten Sie die tarifvertraglichen Regelungen und Betriebsvereinbarungen prüfen, da die Bestimmungen zur Nebenbeschäftigung nicht unbedingt in Ihrem Arbeitsvertrag enthalten sein müssen.
Um Ihren Arbeitsplatz nicht zu gefährden ist es sinnvoll, mit dem Vorgesetzten über die selbständige Nebentätigkeit zu sprechen. Treffen Sie möglichst auch eine schriftliche Vereinbarung, durch die Ihre Nebentätigkeit auch offiziell freigegeben ist.
Bei Beamten und Mitarbeitern des öffentlichen Dienstes ist die Genehmigung des Dienstherren erforderlich. Ausnahmen sind in der jeweils gültigen Nebentätigkeitsverordnung geregelt. Nebenberufliche Tätigkeiten auf künstlerischem, wissenschaftlichem und schriftstellerischem Gebiet sowie für Dozenten- und Vortragstätigkeiten sind dagegen genehmigungsfrei. Bitte beachten Sie, dass aber auch hier eine Informationspflicht gegenüber dem Dienstherren besteht.

Hauptberufliche Arbeitnehmer

Ihre Arbeitszeit als nebenberuflich Selbständiger wird per Gesetz nicht eingeschränkt. Sie dürfen neben Ihrem Hauptberuf hinzuverdienen, was Sie wollen. Ihre Einnahmen müssen Sie ordnungsgemäß versteuern. Dies erfolgt z.B. auf Basis einer Einnahmen/Überschussrechnung.
Angestellte Arbeitnehmer sind in den meisten Fällen über Ihren Hauptjob und den Arbeitgeber sozialversichert. Im Rahmen der nebenberuflichen Selbständigkeit kommen folglich auch keine weiteren Kosten im Rahmen der Krankenversicherung auf die Selbstständigen zu, solange die Tätigkeit auch als nebenberuflich eingestuft wird. Die Beurteilung, ob eine selbstständige Tätigkeit im Rahmen der Krankenversicherung als nebenberuflich eingestuft wird, muss im Einzelfall durch die zuständige Krankenkasse erfolgen. Sollte man als hauptberuflich eingestuft werden, dann müssen Sie in der Regel Ihre Kranken-, Renten- und Pflegeversicherung selbst bestreiten.
Als hauptberuflich wird eine Selbständigkeit im Rahmen der Krankenversicherung unter anderem eingestuft, wenn diese von wirtschaftlicher Bedeutung ist und der zeitliche Aufwand den Mittelpunkt der Erwerbstätigkeit darstellt oder Sie in der Selbständigkeit mit Angestellten arbeiten. Bei Studenten, Arbeitslosen oder Familienversicherten trifft dies zu, wenn die Einkünfte aus der Selbstständigkeit zur überwiegenden Bestreitung des Lebensunterhaltes beitragen.
Eine eindeutige Rechtsprechung, ab wann von einem deutlich überwiegenden sowohl zeitlichen Aufwand, als auch der wirtschaftlichen Bedeutung auszugehen ist, gibt es laut dem Spitzenverband der Krankenkassen (GKV) nicht.
Aus diesem Grund sollte man sich vor Aufnahme der selbstständigen Tätigkeit immer individuell von seiner Krankenkasse beraten lassen und eine eventuelle Beitragspflicht klären.

Gründung in der Kurzarbeit

Können Selbständige Kurzarbeitergeld beziehen?
Nein, Selbständige können kein Kurzarbeitergeld beziehen, weil sie nicht versicherungspflichtig beschäftigt sind. Wenn diese keine oder nur geringe Einnahmen erzielen, können sie Leistungen der Grundsicherung im Jobcenter beantragen.
Darf ich in der Kurzarbeit hinzuverdienen?
Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Kurzarbeit können befristet bis Ende 2021 in allen Berufen einer zusätzlichen Nebenbeschäftigung nachgehen. Falls Ihr Unternehmen Hauptarbeitgeber ist, benötigen Sie von den Beschäftigten für die Abrechnung des Kug eine Nebenverdienstbescheinigung .
Insgesamt darf die Summe der folgenden drei Beträge das Entgelt, welches Sie im Kalendermonat erhalten hätten, nicht übersteigen:
  • Ist-Entgelt aus der ursprünglichen Beschäftigung (Resteinkommen des Hauptberufs)
  • Kurzarbeitergeld
  • Hinzuverdienst durch die Nebentätigkeit
Diese Regelungen gelten im Rahmen des Sozialschutzpakets II in der Corona-Situation.
Außerhalb dieser befristeten Regelung gilt: Wenn die Nebentätigkeit schon vor Beginn der Kurzarbeit durchgeführt wurde, ergeben sich keine Auswirkungen, erfolgt also keine Anrechnung auf das Kurzarbeitergeld. Nehmen Beschäftigte während des Bezugs von Kurzarbeitergeld eine Nebentätigkeit auf, wird das daraus erzielte Entgelt auf das Kurzarbeitergeld angerechnet, denn es liegt eine Erhöhung des tatsächlich erzielten Entgelts vor.
Weitere Informationen zur Kurzarbeit finden Sie hier.

Arbeitslose

Selbstständigkeit neben der Arbeitslosigkeit mag zunächst widersprüchlich klingen, doch ist auch diese Konstellation möglich.
Zu beachten ist allerdings, dass der zeitliche Umfang der Nebentätigkeit bei ALG I-Bezug unter 15 Stunden/Woche liegen muss, um weiterhin als arbeitslos zu gelten. Für ALG I-Empfänger gilt ein monatlicher Freibetrag von 165 Euro. Wenn der Gewinn aus der selbstständigen Tätigkeit wird den Freibetrag übersteigt, wird das Arbeitslosengeld gekürzt. Unter Umständen sind höhere Freibeträge möglich - Näheres dazu finden Sie auf der Seite der Arbeitsagentur unter Nebenbeschäftigung und Sozialversicherung - Arbeitslosengeld.
Arbeiten Sie mindestens 15 pro Woche in Ihrem eigenen Unternehmen, gelten Sie nicht mehr als arbeitslos. Der Anspruch auf Arbeitslosengeld entfällt.
Daher sollten Empfänger von Arbeitslosengeld 1 überlegen, ob sich eine hauptberufliche Selbstständigkeit lohnt. Die Agentur für Arbeit kann Sie mit dem sogenannten Gründungszuschuss auf dem Weg in die erfolgreiche Selbstständigkeit unterstützen.
Für Empfänger von ALG II bleiben 100 Euro Nebenverdienst anrechnungsfrei, Einkünfte darüber hinaus nur noch zu einem Bruchteil. Genauere Infos dazu gibt es ebenfalls auf der Seite der Arbeitsagentur unter Beschäftigung und Sozialversicherung - Arbeitslosengeld II.

Empfänger von ALG II können bei Aufnahme einer hauptberuflichen Selbstständigkeit das sogenannte Einstiegsgeld beantragen.
Sowohl der Agentur für Arbeit (ALG I) als auch dem Jobcenter (ALG II) muss die Aufnahme der selbstständigen Tätigkeit vor Beginn gemeldet werden.

Studenten

Häufig machen sich Studenten schon während ihres Studiums mit einem Kleinunternehmen beruflich selbstständig. Dabei darf die maximale Arbeitszeit während des Semesters 20 Stunden/Woche nicht überschreiten. Der „Studentenstatus“ bringt allerdings weitere Besonderheiten mit sich.
Sozialversicherung
Studenten können bis zur Vollendung ihres 25. Lebensjahres über ihre gesetzlich versicherten Eltern familienkrankenversichert bleiben. Hat der Student den Zivildienst, ein freiwilliges soziales Jahr (FSJ), ein freiwilliges ökologisches Jahr (FÖJ) oder den Bundesfreiwilligendienst abgeleistet, so verlängert sich der Anspruch auf die Familienversicherung um die Dauer des Dienstes über das 25. Lebensjahr hinaus. Sie zahlen dann keine Beiträge an die Krankenkasse.
Dies kann unter bestimmten Voraussetzungen auch so bleiben, wenn
  • Sie ihre selbstständige Tätigkeit nicht hauptberuflich ausüben. Hauptberuflich heißt beispielsweise, wenn der Zeitaufwand für die berufliche Tätigkeit deutlich höher wäre als für das Studium. Die Krankenkasse entscheidet darüber, ob eine selbstständige Tätigkeit hauptberuflich ausgeübt wird oder nicht. Daher ist eine frühzeitige Mitteilung an die Krankenkasse über die Selbstständigkeit und auch später regelmäßig über die Einkommensentwicklung (z. B. durch Vorlage eines Einkommensteuerbescheids) empfehlenswert. Andernfalls besteht die Gefahr, dass die Familienversicherung zu einem späteren Zeitpunkt rückwirkend beendet wird und Beiträge nachzuentrichten sind.
  • die monatlichen Einnahmen nicht höher als 455 Euro sind. Die Einnahmen berechnen sich bei der selbständigen Tätigkeit nach dem Einkommensteuerrecht. BAFöG zählt nicht zum Gesamteinkommen.
Einkommen über 455 Euro: Ja – Hauptberuflich: Nein
Für „Unternehmer“-Studenten, die mehr als monatlich 455 Euro verdienen, endet zwar die beitragsfreie Familienversicherung. Sofern sie aber ihre selbständige Tätigkeit nicht hauptberuflich ausüben, werden sie anschließend als Student krankenversicherungspflichtig. Bitte erkundigen Sie sich bei Ihrer Krankenversicherung nach der Höhe der Beiträge.
Hauptberuflich Selbständigkeit
Wenn Sie Ihre Selbständigkeit trotz Studium hauptberuflich ausüben, sind Sie weder über die Familienversicherung noch über die Pflichtversicherung für Studenten abgesichert. In diesem Fall besteht die Möglichkeit, sich entweder bei der gesetzlichen Krankenversicherung freiwillig zu versichern oder in eine private Krankenversicherung zu wechseln.
Zurück in die Familienversicherung
Wer seine Selbständigkeit wieder aufgeben möchte, kann während des Studiums wieder in die Familienversicherung der Eltern aufgenommen werden. Voraussetzung: das 25. Lebensjahr ist noch nicht vollendet (ggf. um die Dauer der freiwilligen Dienste usw. verlängert) und auch das sonstige Einkommen überschreitet im Monat nicht 455 Euro.
BAföG
Das BAföG hat das Ziel, durch finanzielle Förderung ein Vollstudium in möglichst kurzer Zeit zu ermöglichen. Aufgrund dessen ist die Förderung meist auf die Förderungshöchstdauer (entspricht der in der Studien- und Prüfungsordnung festgelegten Regelstudienzeit) begrenzt. Ein Zuverdienst ist in Folge dessen nur in geringem Umfang möglich.
Studentinnen und Studenten, die BAföG beziehen, dürfen mit ihrem Start-up im Bewilligungszeitraum (12 Monate) nicht mehr als 4.400 Euro verdienen. (Die Einnahmen berechnen sich bei der selbständigen Tätigkeit nach dem Einkommensteuerrecht.) BAföG zählt nicht zum Gesamteinkommen!. Ist das Einkommen der Studierenden höher, verringert sich die BAföG Zahlung entsprechend.
Detaillierte Informationen finden Sie im BAföG-Rechner.
Problem: Darlehen aufnehmen
Das BAföG wird zu 50 Prozent als Zuschuss und zu 50 Prozent als zinsloses Darlehen gewährt. Die Rückzahlungsverpflichtung beginnt fünf Jahre nach dem Ende der Förderungshöchstdauer.
Quellen: Verband der Ersatzkassen e.V. (vdek), Deutsches Studentenwerk

Elternzeit

Während des Erziehungsurlaubes ist es grundsätzlich möglich, eine selbständige Tätigkeit (max. 30 Stunden) auszuüben. Ihren Arbeitgeber sollten Sie darüber informieren und ggf. schriftlich sein Einverständnis einholen.
Bitte melden Sie die Gründung Ihrer gesetzlichen Krankenversicherung. Diese wird anhand der vorliegenden Fakten überprüfen, ob es sich um eine hauptberufliche oder aber nebenberufliche Tätigkeit handelt. Hierbei spielen die monatlichen Einnahmen, aber auch der zeitliche Aufwand eine Rolle. Eine individuelle Überprüfung erfolgt durch Ihre Krankenkasse.
Die Einkünfte werden auf das Elterngeld angerechnet.

Hausfrau/mann

Wenn Sie bisher nicht berufstätig und damit in der Familienversicherung pflichtversichert sind, so können Sie die bleiben, wenn Ihr durchschnittlicher monatlicher Gewinn weniger als 455 EUR beträgt. Es ist ratsam, sich vorab über die aktuelle Gewinnschelle bei Ihrer Krankenkasse zu informieren!
Hinweis: Wenn Sie ergänzend zu Ihrer nebenberuflichen Tätigkeit einen 450 EUR-Job annehmen, können Sie nicht mehr familienversichert bleiben!

Rentner


Auf welche Einnahmen muss ich als versicherungspflichtiger Rentner Beiträge bezahlen?

Krankenversicherung:
  • Gesetzliche Rente von der deutschen Rentenversicherung
  • Ausländische gesetzliche Renten
  • Versorgungsbezüge aus dem In- und Ausland, wie zum Beispiel Betriebsrenten, Pensionen, Renten der Zusatzversorgung im öffentlichen Dienst (zum Beispiel VBL), Lebensversicherungen aus einer Direktversicherung (davon werden für höchstens 120 Monate monatlich 1/120 der Zahlung berücksichtigt), Renten der Versorgungseinrichtungen für besondere Berufsgruppen (zum Beispiel Ärzte oder Architekten (Quelle: Deutsche Rentenversicherung, Stand Januar 2020)
  • Einkommen aus nebenberuflicher Selbstständigkeit
Falls Sie nicht mehr als 159,25 Euro (2020) pro Monat Einkommen aus Versorgungsbezügen und nebenberuflicher selbstständiger Tätigkeit haben, brauchen Sie dafür keine Beiträge zu zahlen.
Beiträge zahlen Sie nur bis zu einer Höchstgrenze, der Beitragsbemessungsgrenze von 4.687,50 Euro (2020) monatlich.
 
Rentenversicherung:
Rente nach Erreichen der Regelaltersgrenze:
Nach Erreichen der Regelaltersgrenze (vor dem 1. Januar 1947 geborene = 65 Jahre, nach dem 31. Dezember 1946 geborene = Regelaltersgrenze wird schrittweise auf 67 Jahre angehoben) bestehen für Versichertenrenten grundsätzlich keine Einschränkungen.
Hinzuverdienst vor der Regelaltersgrenze:
Bis zum Erreichen Ihrer Regelaltersgrenze dürfen Sie maximal 6.300 Euro im Kalenderjahr hinzuverdienen, ohne dass sich Ihre Rente verringern würde. Wenn Ihr Entgelt den Freibetrag von 6.300 Euro übersteigt, wird nur der darüber hinausgehende Betrag berücksichtigt. Dieser Betrag wird dann durch 12 geteilt und zu 40 Prozent auf Ihre Monatsrente angerechnet. Sie erhalten dann nur noch eine Teilrente.
Zusätzlich muss Ihre individuelle Höchstgrenze für den Hinzuverdienst beachtet werden - den sogenannte Hinzuverdienstdeckel. Dieser orientiert sich an Ihrem höchsten Einkommen in den letzten 15 Jahren vor dem Rentenbeginn. Liegt Ihr Hinzuverdienst zusammen mit der schon im ersten Schritt gekürzten Rente über dem Hinzuverdienstdeckel, wird der darüber liegende Betrag voll von Ihrer Teilrente abgezogen.
Betriebsrentnerinnen und -rentner aufgepasst!
Beziehen Sie neben Ihrer gesetzlichen Rente noch eine Betriebsrente? Dann sollten Sie sich unbedingt beim Träger Ihrer Betriebsrente erkundigen, ob der Bezug einer Teilrente Auswirkungen auf die Höhe Ihrer Betriebsrente haben könnte. Je nach Satzung Ihres Betriebsrententrägers kann es zu einer Kürzung oder sogar zum Ruhen Ihrer Betriebsrente kommen.
Empfehlung: Melden Sie jede Erwerbstätigkeit Ihrem Rentenversicherungsträger. Dort erfahren Sie auch, ob Ihr Verdienst die Grenzen einhält oder überschreitet. Kostenlose Beratung bieten die Auskunfts- und Beratungsstellen der Deutschen Rentenversicherung. Adressen und weitere Informationen erhalten Sie kostenfrei unter 0800 10004800 oder im Internet (www.deutsche-rentenversicherung.de)

Steuern

Die Einnahmen aus Ihrer selbständigen Tätigkeit müssen Sie gegenüber dem Finanzamt offenlegen. Zur Gewinnermittlung steht Unternehmern ein amtliches Formular, die Anlage EÜR, zur Verfügung. Dieses Formular ist für alle Unternehmer und Kleinunternehmer ab dem Veranlagungszeitraum 2017 verpflichtend. Die EÜR ist elektronisch an das Finanzamt zu übermitteln.
Eine kaufmännische doppelte Buchführung muss bei Überschreiten der Grenzen oder bei Eintrag des Unternehmens in das Handelsregister eingerichtet werden.
Ab einem Gesamteinkommen von mindestens 9.408 Euro (Ledige/2020) oder 18.816 Euro (Verheiratete/2020) sind Sie einkommensteuerpflichtig. Beachten Sie, dass Sie Ihr Einkommen aus selbständiger Tätigkeit zu Ihrem Einkommen aus unselbständiger Tätigkeit für die Zuordnung zu einem Steuersatz addieren müssen. Einkommensteuertabellen im Internet geben eine Orientierung über Ihre zukünftige Steuerhöhe, die auch für die durch Selbständigkeit erwirtschafteten Gewinne gilt.
Auf Grund Ihrer Tätigkeit werden Sie - bei Überschreitung des Freibetrages von 24.500 Euro - gewerbesteuerpflichtig.
Weitere Informationen finden Sie im IHK Merkblatt "Steuern für Gründer/innen - Hinweise zu Buchführung und Unternehmenssteuern".
Das Kleinunternehmerförderungsgesetz bietet steuerliche Erleichterung für die Umsatzsteuer: Ein Kleinunternehmen muss keine Umsatzsteuer zahlen, wenn der Umsatz im vorangegangenen Jahr nicht höher als 17.500 Euro war und im laufenden Jahr voraussichtlich nicht höher als 50.000 Euro sein wird. Aber: Wer keine Umsatzsteuer zahlt, kann auch keine Vorsteuer geltend machen. Diese Art der Steuerbefreiung muss daher gut durchdacht werden. Weitere Informationen zur Kleinunternehmerregelung finden Sie hier.
Ihre jetzige Einkommensteuernummer bleibt üblicherweise bestehen. Über diese wird - falls notwendig - auch die Umsatzsteuer abgeführt.

Bezeichnung des Unternehmens bei Kleingründungen

Kleingewerbetreibende - dies sind nicht im Handelsregister eingetragene Gewerbetreibende - müssen auf allen Geschäftsbriefen, die an einen bestimmten Empfänger gerichtet werden, ihren Familiennamen mit mindestens einem ausgeschriebenen Vornamen angeben. Dies gilt auch für Rechnungen und Quittungen sowie alle weiteren Geschäftspapiere mit Ausnahme von Werbeschriften. Familienname und Vorname sind in der gleichen Schreibweise wie im Personalausweis anzugeben. Eine Geschäftbezeichnung darf ergänzt werden. Das gleiche gilt für Gesellschaften bürgerlichen Rechts (GbR). Weitere Informationen finden Sie im IHK-Merkblatt "Geschäftsbezeichnung für Kleingewerbetreibende".

Aufzeichnungspflicht

Schon bevor Sie sich selbständig machen, fallen eventuell Kosten an, die mit Ihrer Selbständigkeit in Verbindung stehen. Falls am Jahresende so möglicherweise ein Verlust entsteht, können Sie diesen von Ihren anderen Einkünften (z.B. den Lohneinkünften) im Rahmen der Einkommensteuer-Erklärung abziehen.
Beachten Sie: Sammeln Sie Belege von allen Ausgaben. Entscheiden Sie sich bei der Umsatzsteuer nicht für die Kleinunternehmerregelung, so können Sie die auf den selbst gezahlten Belegen ausgewiesene Mehrwertsteuer von Ihrer einbehaltenen Umsatzsteuer Ihrer Rechnungen in Abzug bringen (Vorsteuerabzug) und lediglich den Differenzbetrag bis zum 10. des Folgemonats an das Finanzamt überweisen.
Kasse: Die baren Geschäftsvorfälle (Einnahmen und Ausgaben) müssen vollständig in einem Kassenbuch eingetragen werden. Der Barbestand, der sich aus dem Kassenbuch errechnet, muss mit dem tatsächlichen Bestand an Bargeld übereinstimmen.
Wegen der besonderen Relevanz insbesondere bei bargeldintensiven Unternehmen hat die IHK Karlsruhe die wichtigsten Grundlagen einer ordnungsgemäßen Kassenführung sowohl bei elektronischen Kassen(systemen) als auch bei offenen Ladenkassen umfassend und praxisnah in einem Infoblatt erläutert.
Warenein- und -ausgang: Jeder Gewerbebetrieb ist verpflichtet, alle eingekauften Halb- und Fertigwaren, aber auch Roh- und Hilfsstoffe, aufzuzeichnen (Datum, Lieferant, Warenbezeichnung, Preis, Beleg-Hinweis). Wenn keine doppelte Buchführung eingerichtet ist, muss ein Wareneingangsbuch geführt werden. Ein Warenausgangsbuch muss nur geführt zu werden, wenn z.B. als Großhändler Waren an andere gewerbliche Unternehmen geliefert werden.