Belastungen am Arbeitsplatz

Psychische Gefährdung am Arbeitsplatz


Informationen zur Psychischen Gefährdungsbeurteilung (PsyGB):

Die Beurteilung psychischer Belastungen am Arbeitsplatz ist seit Januar 2014 fester Bestandteil des Arbeitsschutzgesetzes (ArbSchG). Arbeitgeber, die nicht handeln, riskieren eventuell neben Bußgeldbescheiden der Gewerbeaufsichtsbehörden auch Regressansprüche der Sozialversicherungsträger.
Nach § 5 des ArbSchG, Absatz 3, Nr. 6 sind alle Arbeitgeber in der Pflicht, Arbeitsplätze auf potentielle psychische Gefahren, wie zum Beispiel Stress, Erschöpfung oder Monotonie zu untersuchen, unabhängig von der Größe ihrer Betriebe.
Worauf Sie bei der Psychischen Gefährdungsbeurteilung (PsyGB) achten sollten, zeigt Ihnen unser kurzer Leitfaden:


1. Wie läuft die Psychische Gefährdungsbeurteilung (PsyGB) prinzipiell ab?


Schritt 1: Erhebung der Kennzahlen im Unternehmen

Diese sind in der Regel aufgrund der eingesetzten EDV-Programme nach Abteilungen/Kostenstellen abrufbar. Notwendig sind branchenübliche Kennzahlen, die Rückschlüsse auf eine psychische Belastung (psychische Erschöpfung, psychische Ermüdung, Monotonie oder Stress) zulassen. Typischer Weise sind dies mindestens Angaben zu: AU-Tagen (Tage mit Arbeitsunfähigkeit), nicht genommenen Urlaub, Anzahl der Überstunden, und Informationen zu evtl. Beschwerden und Terminverstößen.
Um später nicht dem Vorwurf einer fahrlässigen Bewertung ausgesetzt zu sein, müssen diese Kennzahlen mit in der Branche üblichen Kennzahlen verglichen werden. Dazu geben jedes Jahr verschiedene Organisationen Informationen bekannt. Zum Beispiel das statistische Bundesamt, Bundesverbände, Berufsgenossenschaften oder Krankenkassen.
Bei schwieriger Kennzahlenlage
Hier sollte der betroffene Arbeitsplatztyp festgelegt werden und eine individuelle Befragung vor Ort erfolgen. Ein dafür geeignetes Mittel kann eine anonyme Mitarbeiter-Befragung sein. Ziel sollte sein, festzustellen, inwieweit das beobachtete Verhalten Hinweise darauf gibt, dass es nicht die Verhältnisse am Arbeitsplatz sind, die die psychische Belastung ergeben. Bei diesem Punkt macht es eventuell Sinn auf Profis, sogenannte Auditoren, zurückzugreifen oder im Vorfeld selbst eine Schulung zu besuchen, um eine professionelle Befragung zu garantieren.


Schritt 2: Ermittlung von bisherigen Präventionsmöglichkeiten im Unternehmen

Dazu müssen alle bisherigen Maßnahmen beispielsweise zum Thema Stressmanagement, Entspannung, Ernährung und Bewegung dargestellt und bewertet werden. Ziel ist es, zu erkennen, ob und wenn ja, welche grundsätzlichen Defizite im Unternehmen bestehen. Zum Beispiel, weil es im Unternehmen kein strukturiertes BGM (Betriebliches Gesundheitsmanagement) und BGF (Betriebliche Gesundheitsförderung) gibt.


Schritt 3: Entwicklung von geeigneten Maßnahmen

Auf Grundlage der aus den Punkten 1 und 2 gewonnenen Erkenntnisse, findet die Entwicklung von präventiven Maßnahmen, sowohl bezüglich der Verhältnis- als auch Verhaltensprävention statt.


Schritt 4:  Durchführung und Kontrolle der festgelegten Maßnahmen


2. Wer kann eine PsyGB durchführen?

Der Gesetzgeber erlaubt Arbeitgebern, diese selbst oder durch Fachpersonal nach geeigneter Unterweisung durchzuführen.
Prinzipiell kann also jeder eine Gefährdungsbeurteilung durchführen. Man muss sich aber darüber im Klaren sein, dass die Entscheidungen so nachvollziehbar sein müssen (z.B. Auswertung der Präventionsbefragung und der Befragung des Arbeitsplatztyps), dass kein Haftungsrisiko entsteht.
Zur Verdeutlichung: Der Fahrer eines PKWs entscheidet selbst über die Verkehrstüchtigkeit des Fahrzeugs. Sieht der TÜV nach einer Prüfung diesen Sachverhalt anders, haftet der Fahrer im Falle eines Unfalls selbst für die Schäden.

Es besteht die Möglichkeit, Ihre Mitarbeiter zum „Prozessmanager für die Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastung (IHK)“ zu qualifizieren. In diesem Lehrgang werden Teilnehmer mit mehrjähriger Berufserfahrung dazu befähigt, die Vorgaben des Arbeitsschutzgesetzes rechtskonform und praxistauglich zu realisieren. Informationen finden Sie im Weiterbildungs-Informations-System unter: wis.ihk.de.

3. Was müssen Arbeitgeber für eine PsyGB vorbereiten?

  1. Zeit für Vorgespräche mit Human Ressources (HR) und Geschäftsführung (GF) einplanen
  2. Kennzahlen bereitstellen, für die Erhebung (HR)
  3. Vorbereitung und Durchführung der Befragung nach den Präventionsmöglichkeiten (HR/GF/BGM)
  4. Auswertung der Kennzahlen und Festlegung der Arbeitsplatztypen (HR/GF/BGM)
  5. Vorbereitung und Durchführung der Befragung nach Problemfeldern beim einzelnen Arbeitsplatztyp (HR/Abteilungsleiter/Mitarbeiter/Betriebsrat)
  6. Vorschlag von Maßnahmen
  7. Dokumentation

4. Was wird dokumentiert?

  • Übersicht und Bewertung der ermittelten Kennzahlen
  • Übersicht und Bewertung der bisherigen Präventionsmaßnahmen
  • Übersicht und Bewertung der untersuchten Arbeitsplatz-Typen
  • Auflistung der angeordneten Maßnahmen
  • Nachkontrolle: teilgenommene Mitarbeiter
Die Dokumentation muss fälschungssicher und schriftlich erfolgen und von den einzelnen Teilnehmern unterschrieben sein.
Warum ist die Dokumentation so wichtig?
Entscheidend bei der PsyGB ist, dass die Beurteilung zutreffend war und damit die richtigen Maßnahmen gefunden wurden. Um das Haftungsrisiko so gering wie möglich zu halten, sind eine klar strukturierte Vorgehensweise und vor allem eine gute Dokumentation unabdingbar. Dies gelingt nur, wenn alle Schritte ordentlich dokumentiert wurden und die Bewertungen/Einschätzungen realistisch, aufgrund branchenüblicher Zahlen sind.

5. Wann sollten Sie Experten zu Rate ziehen?

Ein Unternehmen sollte sich unbedingt mit einem Experten zusammensetzen, da eine juristische Beratung notwendig sein könnte, wenn:
  • es keine Arbeitszeiterfassung hat bzw. Vertrauensarbeitszeit anwendet
  • es die Arbeitszeiterfassung nicht regelmäßig auswertet
  • es bei Arbeitnehmern als Entleiher oder Verleiher auftritt
  • es Niederlassungen im Ausland unterhält oder selbst eine Niederlassung/Tocher eines ausländischen Unternehmens ist.
Wer kann Ihnen bei der Umsetzung vor Ort helfen?
  • Berufsgenossenschaften
  • Betriebsärzte
  • erfahrene Auditoren

6. Weitere Informationen und nützliche Links

  • Die Geschäftsstelle der Nationalen Arbeitsschutzkonferenz in Verbindung mit der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin gibt eine Leitlinie für Gefährdungsbeurteilung und Dokumentation heraus: www.gda-portal.de
  • Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales informiert in Form von zahlreichen Interviews und Pressemeldungen zum Thema „Psychische Gefährdungsbeurteilung“: www.bmas.de
  • Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin bietet umfangreiches Infomaterial an: www.baua.de
  • Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA), die Europäischen Agentur für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz (EU-OSHA) und die Gemeinsame Deutsche Arbeitsschutzstrategie (GDA) gründeten das Portal für Gefährdungsbeurteilungen und bieten damit Expertenwissen und Service an: www.gefaehrdungsbeurteilung.de
  • Die PsyGA (Initiative Neue Qualität der Arbeit) liefert ebenso hilfreiche Informationen, wie auch auf den Seiten der jeweils zuständigen Berufsgenossenschaften. Und selbstverständlich unterstützt der Spitzenverband Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung e.V. (DGUV) mit vielen Informationen zum Thema.
Quelle: Balance Helpcenter mit IHK Region Stuttgart