Neue und modernisierte Ausbildungsberufe

Neuordnung Kaufleute für Groß- und Außenhandelsmanagement

Aus dem Kaufmann/ der Kauffrau im Groß- und Außenhandel wird der Kaufmann/ die Kauffrau für Groß- und Außenhandelsmanagement. Die neue Verordnung wurde am 1. April 2020 im Bundesgesetzblatt veröffentlicht und tritt zum 1. August 2020 in Kraft.
Die Berufsausbildung gliedert sich in fachrichtungsübergreifende berufsprofilgebende Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähigkeiten. Das künftige Berufsprofil stellt die übergeordneten Kompetenzen des prozessorientierten Steuerns, Reflektierens und Optimierens entlang der Wertschöpfungskette im Groß- und Außenhandel stärker heraus. Die Funktion dieses „Schnittstellenmanagements“ schlägt sich auch in der neuen Berufsbezeichnung nieder.
Die bisher bestehenden Fachrichtungen bleiben erhalten.


Neue Berufsbildpositionen
 

Elektronische Geschäftsprozesse (E-Business)
Aus dem Kontext der Digitalisierung ergeben sich neue Erfordernisse für die Erstausbildung: So wurde der Einsatz von E-Business-Systemen in der Ressourcenplanung, von elektronischen Plattformen in der Beschaffung sowie von Onlinevertriebskanälen im Verkauf in das Berufsbild aufgenommen.
Arbeitsorganisation projekt- und teamorientiert steuern
Der zunehmenden Bedeutung von Projektmanagement im Arbeitsalltag im Groß- und Außenhandel wird unter anderem durch die neue Berufsbildposition „Arbeitsorganisation projekt- und teamorientiert steuern“ Rechnung getragen; darin auch die Mitwirkung bei der Vorbereitung, Planung, Steuerung und Dokumentation betrieblicher Projekte.
Wesentliche inhaltliche Änderungen:
  • Waren- und kundenbezogene Dienstleistungen
  • Elektronische Geschäftsprozesse (E-Business), Datenschutz, IT-Sicherheit
  • Arbeit in Projekten (Projektmanagement)
  • Vielfalt der Vertriebskanäle, insbesondere Onlinevertriebskanal (E-Commerce)
  • Nachhaltigkeit in Lieferketten
  • Betriebliche Compliance
  • Retourenmanagement (Fachrichtung Großhandel)
  • Internationale Berufskompetenzen (Fachrichtung Außenhandel)

Prüfungsform - Einführung einer gestreckten Abschlussprüfung
 

Neu eingeführt wird im Berufsbild Kaufmann/-frau für Groß- und Außenhandelsmanagement die gestreckte Abschlussprüfung – die bisherige Zwischenprüfung entfällt damit. Die sogenannte „Teil 1-Prüfung“ fließt dann mit 25 Prozent in die Gesamtnote der Abschlussprüfung ein.
 
Teil 1 der gestreckten Abschlussprüfung
  • Organisieren des Warensortiments und von Dienstleistungen
     
Teil 2 der gestreckten Abschlussprüfung
  • Prozessorientierte Organisation von Großhandelsgeschäften (Fachrichtung Großhandel)
  • Prozessorientierte Organisation von Außenhandelsgeschäften (Fachrichtung Außenhandel)
  • Kaufmännische Steuerung von Geschäftsprozessen (beide Fachrichtungen)
  • Wirtschafts- und Sozialkunde (beide Fachrichtungen)
  • Fallbezogenes Fachgespräch zu einer betrieblichen Fachaufgabe (beide Fachrichtungen)
Eine weitere Änderung betrifft die mündliche Abschlussprüfung: Im fallbezogenen Fachgespräch haben die Betriebe künftig – wie bei den Kaufleuten für Büromanagement  auch – die Wahl zwischen der klassischen Variante oder der sogenannten Reportvariante. Dabei reicht der Prüfling einen Report über eine betriebliche Aufgabe ein, der zwar nicht bewertet wird, aber als Grundlage für das Prüfungsgespräch dient.

Varianten des Zugangs zum fallbezogenen Fachgespräch bei der mündlichen Prüfung:
  • „klassische Variante“: Der Prüfungsausschuss stellt zwei praxisbezogene Aufgaben aus zwei unterschiedlichen Prüfungsgebieten zur Auswahl durch den Prüfling. Prüfling wählt eine Aufgabe und erhält vorbereitende Bearbeitungszeit von 15 Minuten.
  • „Reportvariante“: Der Prüfling fertigt über zwei eigenständig im Ausbildungsbetrieb bearbeitete praxisbezogene Fachaufgaben aus zwei unterschiedlichen Prüfungsgebieten zwei Reporte. Der Prüfungsausschuss wählt eine Aufgabe für das Fachgespräch aus.

Teil 1 der gestreckten Abschlussprüfung findet im vierten Ausbildungshalbjahr zum Zeitpunkt der Zwischenprüfung im Frühjahr/Herbst statt, Teil 2 der gestreckten Abschlussprüfung zum Ende der Ausbildung im Sommer/Winter.
Für Ausbildungsverhältnisse, welche ab dem 1. August 2020 beginnen, gilt die neue Ausbildungsverordnung verbindlich.
Alle Ausbildungsverhältnisse, die ab  dem 1. August 2020 beginnen und bereits von der IHK Regensburg für Oberpfalz / Kelheim eingetragen wurden, werden automatisch auf die neue Verordnung umgestellt.
Der DIHK hat eine ausführliche Information zu den wesentlichen Änderungen im Rahmen der Neuordnung zur Verfügung gestellt.
Zum Informationsvideo
Eine Präsentation des Bundesverband Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA) e.V. finden Sie hier.
Für Fragen zur Neuordnung steht Ihnen Ihr Ausbildungsberater der IHK Regensburg für Oberpfalz / Kelheim gerne zur Verfügung.