Digitalisierung im Unternehmen

Erste Schritte und Geschäftsmodelle

Nutzen, Chancen und Risiken

Die Digitalisierung bringt viele Vorteile mit sich: Steigerung von Effizienz, Prozessqualität und Umsatz, Senkung von Fehlerquoten und weitere Faktoren.
Bei genauerer Betrachtung finden sich jedoch differenzierte Gründe für Digitalisierungsstrategien wie die Erschließung neuer Märkte. Ein Finanzinstitut z.B. ist ganz anderen Kundenbedürfnissen ausgesetzt als ein Maschinenbauer oder ein Einzelhändler.
Als zentrale Hürden für die Umsetzung von Maßnahmen werden eine unzureichende Breitbandversorgung, ein Mangel an Ressourcen bzw. Know-how oder Unsicherheiten hinsichtlich rechtlicher Vorgaben genannt.
Wie jeder Innovationsschritt bedarf auch die Digitalisierung von Geschäftsprozessen einer fundierten Vorbereitung - von der ersten Potenzialanalyse bis zur praktischen Umsetzung und fortlaufenden Weiterentwicklung.
In den folgenden Abschnitten finden Sie eine Reihe von Anregungen für den Einstieg in den digitalen Wandel. Die Übersicht erhebt nicht den Anspruch auf Vollständigkeit.

Fokus Kunde: Geschäftsmodelle

Die Entwicklung von neuen Geschäftsmodellen ist von grundlegender Bedeutung für eine erfolgreiche Positionierung im Zuge der digitalen Transformation. Im Kern wird ein Geschäftsmodell anhand von Unternehmensstrategie und Geschäftsidee abgeleitet, welche in eine entsprechende Architektur eingebettet ist, auf deren Grundlage Geld verdient wird. Typische Elemente sind u.a. Kundensegmente, Kostenstruktur, Vertriebskanäle und erforderliche Ressourcen. Während die positiven Effekte eines "Onlineshop" offensichtlich sind, kann eine Segmentierung möglicher Zielgruppen und Märkte ganz andere Ideen aufzeigen.
Folgende Tabelle zeigt eine komprimierte Auswahl möglicher "Suchfelder" in Zusammenhang mit der Entwicklung neuer Geschäftsmodelle:
Kundensegmente
z.B. räumlich, Einkommen, Alter, Kultur, ...
Kanäle
z.B. Marketing, Vertrieb, Kundenbindung, After-Sales-Betreuung, ...
Ressourcen
 z.B. Personal, Kapital, Technologien, Wissen, Partner, ...
Aktivitäten
z.B. Produktion, Beratung, Plattform-Bereitstellung, ...
Umsatzgenerierung
z.B. einmaliger Verkauf, Zubehör, Dienstleistungen, Wartung, Vermietung, Abo, ...

Eine mögliche Systematik zur Herangehensweise bei der Suche bietet das Business Model Canvas. Der Einstieg besteht aus einem Workshop, in dem Ideen für die Elemente eines Geschäftsmodells skizziert und diskutiert werden, welche sich in die Unternehmensarchitektur einfügen.
Grundsätzlich ist der Markt in der heutigen Zeit sehr vom Kunden geprägt. Tools wie Service-Design und Design-Thinking helfen, den Fokus auf Produktdienstleistungen zu legen.

Fokus Unternehmen: Vom Prozess zur Digitalisierung

Mit der Entwicklung neuer Geschäftsmodelle sind zwangsläufig Anpassungen von Prozessen notwendig. Prozesse werden nicht einfach durch die Einführung einer Software digitalisiert. Es muss schon eine Digitalisierungsstrategie hinter all dem stehen. Hierzu können Berater oder hausinterne Spezialisten hinzugezogen werden, welche die genauen Anforderungen ermitteln.
Vereinfacht gesagt kommt es darauf an, Prozesse zu identifizieren, die sinnvoll in eine Digitalisierungsstrategie integriert werden können. Darauf aufbauend kann eine adäquate Software eingesetzt werden. Eine softwarebasierte Interaktion mit Kunden und Mitarbeitern ermöglicht die Weiterentwicklung von Geschäftsideen.
Die Bedeutung von datengetriebenen Diensten an der Wertschöpfung nimmt zu. Die Auseinandersetzung mit dem Datenschutz ist hier unabdingbar.

Beispiele: Digitalisierung von Prozessen

Als erste Anregung für Ihre Vorüberlegungen finden Sie im Folgenden eine Übersicht von Themen, die Gegenstand einer Digitalisierungsstrategie sein können.
Elektronische Rechnung
Seit Entfall der Signaturpflicht für elektronische Rechnungen ist die Einführung der E-Rechnung in der Regel ohne großen Zusatzaufwand möglich.
Dokumentenmanagement
Verschiedenste Dokumente sind heutzutage per se elektronisch verfügbar oder können durch Einscannen digitalisiert werden. Ein Dokumentenmanagementsystem kann zu deutlichen Effizienzgewinnen führen.
Groupware
Unzählige Collaboration Tools unterstützen die Zusammenarbeit in Teams sowohl vor Ort als auch über große Distanzen hinweg.
Vorlagenmanagement
Ob Corporate Design, Layout oder Textbausteine - ein Vorlagenmanagement beschleunigt die Erstellung von Dokumenten und vermeidet Fehler.
Mobile Business
Mobile Geschäftsprozesse sind deutlich mehr als die Abbildung bestehender Vorgänge in einer App. Häufig können Prozesse mit Hilfe neuer Technologien effizienter gestaltet und Fehlerquoten reduziert werden.
ERP-Systeme
In vielen Unternehmen längst selbstverständlich, bietet ein ERP-System, vor allem bei kleinen und mittleren Unternehmen häufig noch viel Potenzial bei der Optimierung der Wertschöpfungsprozesse.
CRM-Systeme
Kundenbeziehung ist viel mehr als Marketing, Vertrieb und Auftragsabwicklung. Spezielle Systeme können das Kundenbeziehungsmanagement wirksam unterstützen.
Workflow-Management-Systeme
Viele Prozesse bestehen im Wesentlichen aus der Weitergabe von Informationen oder Dokumenten. Ein Workflow-Management kann hierbei Medienbrüche verhindern, Durchlaufzeiten verringern und die Systematik steigern.
Marketing Automation
Marketing findet heutzutage über verschiedenste Kanäle statt, die manuell kaum noch gleichzeitig zu bedienen sind. Verschiedenste Lösungen unterstützen hierbei durch Automatisierung von Abläufen.
Digitale Produkte
Produkteinstellungen über das Smartphone vornehmen oder den Zustand einer Maschine aus der Ferne überwachen - die Möglichkeiten im Internet der Dinge sind schon jetzt nahezu unbegrenzt.
Die Einrichtung einer Website oder eines Online-Shops ist mittlerweile nahezu Standard. Wie in vielen anderen Bereichen bestehen aber auch hier vielfach weitere Potenziale vom Content Marketing bis zur Verknüpfung mit anderen IT-Systemen.
IT-Sicherheit
Als zentrales Querschnittsthema zieht sich die IT-Sicherheit durch alle Handlungsfelder. Risiken und Anforderungen dürften eher noch steigen, das Thema sollte daher von Anfang an berücksichtigt werden.
Über diese exemplarische Auswahl hinaus sind, in Abhängigkeit von den verfügbaren Ressourcen, die Möglichkeiten nahezu unbegrenzt. Weitere Industrie 4.0-Technologien finden Sie hier.

Fokus: Erfolgsfaktoren und Veränderungen in der Wertschöpfungskette
Neue Geschäftsmodelle ermöglichen die stärkere Vernetzung von Kunden und Partnern durch Onlineanbindungen. Durch eine „Immer-Online“-Kultur der Gesellschaft verändert sich das Verbraucherverhalten. Der Konsument ist jederzeit mobil und vernetzt. Service und Qualität stehen an oberster Stelle. Ob das Produkt das Eigentum des Kunden ist oder er nur über Nutzungsrechte verfügt wird zur zentralen Frage. So kommen Pay-per-Use-Modelle ins Spiel. Die Produkte werden durch Services und dem Internet der Dinge komplementiert. Dabei treiben auch soziale Netzwerke die Entwicklungen voran. Neue Technologien, wie 3D-Druck oder Big Data aber auch neue Geschäftsmodelle durch Plattformen sind hier wegbereitend. Physische Produkte und digitale Services verschmelzen zu hybriden Lösungen. Dies ändert auch die Art des Arbeitens.
Es ist wichtig, die eigenen Serviceleistungen mit dem Kunden selbst auszubauen. Dabei sollte der Dialog mit den Mitarbeitern und den Kunden gewahrt, der Wettbewerb beobachtet und der Markt analysiert werden.
Viele Unternehmen gehen anfänglich den Schritt der digitalen Veredelung ihres derzeitigen Geschäftsmodells. Disruptive Innovationen können jedoch die gesamte Branchenlogik umkrempeln. Es ist bedeutsam darüber nachzudenken, wie in Zukunft Produkte und Dienstleistungen angeboten werden. Die Digitalisierung kommt aber nicht von heute auf morgen. Jedes Unternehmen muss seinen eigenen Weg der Digitalisierung selbst ausloten.

Fokus Mitarbeiter: Qualifizierung und Weiterbildung

Die Mitarbeiterqualifikation stellt einen wesentlichen Erfolgsfaktor für die Digitalisierung des Unternehmens dar. Eine Vielzahl an Veränderungen und eine Schnelligkeit kommt in die Arbeitswelt. Der Mensch sucht hier Orientierung. Die beste Digitalisierungsstrategie ist zwecklos, wenn die Mitarbeiter nicht mitgenommen werden. So bringen Umwälzungen der digitalen Wirtschaft auch neue Arbeitsformen, wie Crowdworking, hervor als auch einen anderen Qualifizierungsbedarf. Mitarbeiter müssen geschult werden um fit für die neue Arbeitswelt zu werden.

Fördermittel: Innovationsprogramm für Geschäftsmodelle und Pionierlösungen

Mit dem IGP startete das BMWi 2019 eine neue Pilotförderung, die Impulse für nichttechnische Innovationen setzt. Das IGP weitet den Fokus über die technologieorientierte FuE-Förderung hinaus auf die Entwicklung von zukunftsweisenden Geschäftsmodellen, Konzepten und Lösungen. Spezifische Ausschreibungsrunden adressieren jeweils bestimmte Themenbereiche. Weitere Informationen finden Sie hier.