Forschungszulagengesetz

Steuerersparnis für innovative Unternehmen

Die IHK-Geschäftsstelle Cham und das Beratungsbüro des Bezirks Oberpfalz informierten am Montagabend mehr als 40 Unternehmen aus ganz Ostbayern darüber, wie sie ihre Aufwendungen in Forschung und Entwicklung (FuE) künftig steuerlich fördern lassen können. Die Veranstaltung fand erstmals seit den Corona-Beschränkungen wieder in Präsenz am Technologie Campus in Cham statt. „Die steuerliche Anrechenbarkeit von Forschungs- und Entwicklungsleistungen der Unternehmen ist in vielen EU-Ländern seit langem ein Impulsgeber für Innovationen im Mittelstand. Zum 1. Januar 2020 ist nun in Deutschland das sogenannte Forschungszulagengesetz in Kraft getreten“, sagte IHK-Geschäftsstellenleiter in Cham Richard Brunner. Das Gesetz sichere allen Unternehmen, die nachweislich Forschung und Entwicklung betreiben und in Deutschland einkommens- oder körperschaftsteuerpflichtig sind, eine steuerliche Förderung zu. Und das unabhängig von Größe, Branche oder Rechtsform. „Die steuerliche Förderung von Forschungsleistung ist damit eine wichtige Ergänzung zur staatlich geförderten Grundlagenforschung und der Projektförderung und ein interessanter Förderweg für innovative Unternehmen“, betonte Technologiemanager Michael Zankl vom Beratungsbüro Oberpfalz.

Forschungszulage wird steuerfrei gewährt

Regierungsdirektorin Annette Mohaupt aus dem Bundesministerium der Finanzen in Berlin, die von Beginn an federführend den Gesetzgebungsprozess begleitet hatte, war via Videokonferenz zur Veranstaltung zugeschaltet und erläuterte Zielsetzung und Antragswege für die Forschungszulage. Ihre wichtigste Botschaft an die Unternehmer und Steuerberater lautete: „Die Forschungszulage wird steuerfrei gewährt werden und unterliegt somit nicht der Steuerprogression.“ Wie Unternehmen bei der Beantragung der Forschungszulage zielführend vorgehen, erläuterte Karl Spangler, Vorsitzender des IHK Steuerausschusses und Partner bei KPMG. „Jetzt ist der beste Zeitpunkt für die steuerliche Forschungszulage. Denn die aktuelle Krisensituation führt zwar zu vielen Disruptionen, ist aber auch eine Chance für viele neue Innovationen in den Unternehmen, die gefördert werden sollten“, so Spangler.

Unterstützung durch Experten-Netzwerk vor Ort

In einer Diskussionsrunde beantworteten die beiden Referenten gemeinsam mit Prof. Dr.-Ing. Wolfgang Aumer, Leiter des Technologie Campus Cham und Technologiemanager Michael Zankl die Fragen der Teilnehmer. Zankl erklärte anhand von konkreten Fallbeispielen, wie sich die steuerliche Forschungszulage zur klassischen Projektförderung abgrenzt: „Letztlich ist die Forschungszulage ein eigenständiger Förderweg, der eine gute Ergänzung zur bekannten Projektförderung sein kann. Eine Doppelförderung von Aufwendungen ist jedoch grundsätzlich ausgeschlossen.“ Eine für Unternehmen ebenso interessante Variante der Forschungszulage ist die Unterstützung der Auftragsforschung. Vergeben Betriebe Forschungs- und Entwicklungsleistungen an Hochschulpartner, so können die Kosten dafür bis zu 60 Prozent anerkannt und gefördert werden. Hier bot Campusleiter Aumer seine Zusammenarbeit an: „Wir können die Unternehmen vor allem im Bereich Robotik, additive Fertigung und Automatisierungstechnik unterstützen.“ In Zusammenarbeit mit der Technischen Hochschule Deggendorf könne nahezu jede technische Aufgabenstellung abgedeckt werden. IHK-Geschäftsstellenleiter Brunner appellierte an die Unternehmen: „Das Forschungszulagengesetz wurde von der IHK-Organisation seit Jahren gefordert. Jetzt müssen die Unternehmen diesen Förderweg aktiv beschreiten und damit ihre Wettbewerbsposition ausbauen. Dabei sollten sie auf das Netzwerk der Experten vor Ort zurückgreifen.“
(23.07.2020)