Neue Industriestandortkarte

Wirtschaftsraum Ostbayern-Westböhmen braucht Adern

26.02.2020
Die Oberpfalz und die Region Pilsen bilden eine Industrieregion von europäischem Format mit einer gemeinsamen Wirtschaftsleistung von mehr als 51 Milliarden Euro jährlich. Die hohe Verflechtung zwischen beiden Nachbarregionen veranschaulicht eine neue Industriestandortkarte der IHK Regensburg für Oberpfalz / Kelheim. Zur Veröffentlichung der Karte in Pilsen überreichten IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Jürgen Helmes und der Geschäftsführende Vorstand der Deutsch-Tschechischen IHK in Prag Bernard Bauer Tschechiens Generalkonsulin in München Kristina Larischová ein Exemplar der Karte. Beide diskutierten mit der tschechischen Top-Diplomatin über Chancen und Hemmnisse für die Entwicklung der Region. 
„Die Zukunft der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit liegt in einem intensiven Austausch zwischen Wirtschaft und Wissenschaft, Kooperation in den Bereichen der digitalen Wirtschaft und Industrie 4.0 und in der Start-up Szene“, sagte Helmes. Hierin sehen die Wirtschaftsvertreter die Treiber für eine moderne und robuste Industrie, die nicht auf einzelne Branchen und Technologiestandards angewiesen ist. „Der gemeinsame Wirtschaftsraum Oberpfalz-Pilsen ist eine europäische Benchmark mit beeindruckenden Kooperationen in Wirtschaft und Wissenschaft“, so Generalkonsulin Larischová.   
Einig waren sich die Gesprächspartner darin, dass beim Ausbau der Verkehrs- und der digitalen Infrastruktur mehr passieren müsse. „Die Grenzregion darf beim Ausbau der transeuropäischen Netze, vor allem beim 5G-Mobilfunknetz, nicht abgehängt werden“, betonte Bernard Bauer. So spiele der ost- und südostbayerische Grenzraum im Programmentwurf der EU-Kernnetzkorridore „Connecting Europe“ für 2021-2027 noch keine Rolle. Ein Missstand, auf den die ostbayerischen Wirtschaftskammern bereits im Frühjahr 2019 Bayerns Ministerpräsidenten Markus Söder per Brief hingewiesen hatten. 

Tschechien baut 25 km langen Tunnel

Lange verschlafen habe die deutsche Politik den Ausbau der Schiene zwischen den Metropolen München, Nürnberg und Prag. „Während Tschechien alle Projekte für den Ausbau seinerseits der Grenze auf den Weg gebracht hat, wartet die Deutsche Bahn gegenwärtig noch immer auf den Planungsauftrag des Bundesverkehrsministeriums“, mahnte Helmes. Die Bedeutung der Metropolenbahn zwischen München, Regensburg, Furth im Wald, Pilsen und Prag unterstreicht Tschechien mit konkreten Planungsaufträgen für die noch nicht ausgebauten Streckenabschnitte. 
Die Verkehrskommission des tschechischen Parlaments hat noch im Jahr 2019 alle wichtigen Projekte zum Ausbau der Metropolenbahn auf tschechischer Seite auf den Weg gebracht. Kernstück ist ein 25 km langer Bahntunnel zwischen dem mittelböhmischen Beroun und Prag – er wird einer der längsten Tunnels in Europa überhaupt und verkürzt die Fahrtzeit der Bahn enorm. „Tschechien macht es uns vor, wie die Eisenbahn im 21. Jahrhundert wieder zum wichtigsten Verkehrsmittel werden kann“, so Helmes. Das erhöhe den politischen Druck auf Bund und Freistaat, die erforderlichen Planungsaufträge auf deutscher Seite endlich voranzubringen. „Tschechiens Wunsch nach mehr Entscheidungsdynamik in der deutschen Verkehrspolitik ist unüberhörbar“, schob Bauer nach. Die Wirtschaftsvertreter hoffen, dass sie bei der geplanten Verkehrskonferenz der Bezirke Pilsen und Oberpfalz am 19. Mai 2020 in Pilsen vonseiten der deutschen Politik hier nun endlich positives hören können.