IHK-Gremium Amberg-Sulzbach

Silberstreif am Amberger Horizont

13.07.2020
Nahezu alle Branchen kämpfen mit den negativen Auswirkungen der Coronakrise. In einer Onlinekonferenz tauschten sich die Unternehmerinnen und Unternehmer des IHK-Gremiums Amberg-Sulzbach erstmals seit Beginn der Pandemie über den Wirtschaftsstandort im Corona-Modus aus. Die Situation sei zwar herausfordernd, aber derzeit stabil und durchaus mit Perspektiven, so der Konsens. Gremiumsvorsitzender Dr. Rolf Pfeiffer begrüßte zur virtuellen Sitzung den wieder gewählten Oberbürgermeister Ambergs Michael Cerny, der über den Status geplanter Investitionen in der Stadt berichtete. Pfeiffer appellierte an die regionale Wirtschaft, mit Mut und Verantwortung in die Zukunft zu blicken: „Die Unternehmen können sich nicht nur auf die Rettungsschirme des Staates verlassen. Als kurzfristige Lösung sind Finanzierungen natürlich richtig, um Strukturen zu erhalten und handlungsfähig zu bleiben. Mittel- und langfristig gesehen müssen wir aber schnellstmöglich beginnen, uns Schritt für Schritt aus eigener Kraft zu regenerieren.“
Hilfe erhalten die Betriebe von verschiedenen Seiten. Die kommissarische IHK-Geschäftsstellenleiterin in Amberg Silke Auer stellte das Informations- und Beratungsangebot der IHK vor und sagte den Unternehmen in der Region weiterhin volle Unterstützung zu: „In den letzten drei Monaten haben die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der IHK rund 12.500 telefonische Beratungen zu Themen wie Hilfsgelder, Kurzarbeit oder Ausbildung während der Pandemie durchgeführt. In dieser herausfordernden Zeit ist die IHK der erste Ansprechpartner für die regionalen Firmen und ein wichtiger Berater der Politik.

Kommune will keine Investitionsbremse sein

Wie sich die Coronakrise auf die Arbeit der Stadtverwaltung ausgewirkte, berichtete Ambergs Oberbürgermeister Cerny. Nach der Schließung aller Ämter ging es anfangs in erster Linie darum, einen Pandemieplan für die Stadt zu entwickeln, um den Betrieb in wichtigen Einrichtungen wie den Stadtwerken, dem Klärwerk oder im Klinikum aufrechtzuerhalten. Mit Blick auf die zu erwartenden Steuerausfälle aufgrund Corona erwartet Cerny massive Einnahmerückgänge, die nur durch einen entsprechenden Nachtragshaushalt teilweise kompensiert werden können. Trotzdem wolle man laufende Investitionsvorhaben wie beispielsweise Sanierungen im Klinikum oder die Erweiterung von Bildungseinrichtungen abschließen. „Die Kommune will in keinem Fall die Bremse bei Investitionen in der Stadt sein“, sagte der Oberbürgermeister. Zumal es deutlich teurer werden könne, wenn begonnene Maßnahmen unterbrochen würden. Großprojekte müssten dagegen priorisiert und neu bewertet werden. In der Innenstadt wolle man die Sondernutzungen für die Gastronomie erweitern, um Existenzen zu sichern. Die Wirtschaft brauche die Verwaltungen sowohl für das Alltagsgeschäft als auch für ihre Planungen, bestätigte Cerny. Alle Dienstleistungen der Ämter stünden inzwischen wieder vollumfänglich zur Verfügung, jedoch könnten die Abstandregelungen in den vorhandenen Wartebereichen nicht eingehalten werden. Zum Schutz der Bürger und Mitarbeiter müssen daher individuelle Termine vereinbart werden. Die Stadt Amberg führe dazu auch eine neue Terminvereinbarungssoftware ein, so Cerny. Sollte dies gut angenommen werden, sei eine komplette Öffnung der Ämtergebäude für den Herbst 2020 geplant.

Prognosen besser als erwartet

Im Anschluss berichteten die Gremiumsmitglieder über ihre Erfahrungen in der Coronakrise. Einige Wirtschaftszweige wie die Medienbranche, Automobilzulieferer, Gastronomie oder Tourismus habe es eiskalt erwischt. Viele kamen aber bis dato mit einem blauen Auge davon und blicken verhalten positiv auf das kommende Jahr. Umdenken sei gefragt, waren sich die Unternehmerinnen und Unternehmer einig. Geltende Hygieneregeln halfen nicht nur intern, um Mitarbeiter zu schützen und Infektionsfälle zu verhindern, sondern seien vor allem im Handel nach wie vor das Mittel der Wahl. Digitalisierung, flexibles Arbeiten oder Homeoffice waren die Schlagworte der Stunde. Viele Betriebe nutzten aber auch die Kurzarbeit, um Fachkräfte zu halten und Dellen im Auftragseingang sowie Stornierungen zu kompensieren. Als Risiko stuften die Gremiumsmitglieder weiterhin die Abhängigkeit der regionalen Firmen vom internationalen Geschehen ein. „Amberg ist mehr an weltweite Rahmenbedingungen gebunden als andere Wirtschaftsstandorte. Das zeigt schon die Exportquote von knapp 80 Prozent im vergangenen Jahr“, so Vorsitzender Pfeiffer. Es sei deshalb essenziell für die Unternehmen in der Region, dass sowohl Lieferketten ins Ausland als auch die internationale Akquise schnell und mit wenigen Einschränkungen wieder anlaufen.