IHK-Ausschuss International

Neue Spielregeln für bewährte Handelspartner

19.03.2020
Deutschland und Großbritannien müssen ihre gute Partnerschaft auch nach dem Brexit aufrechterhalten – das war der Konsens des Ausschusses International der IHK Regensburg für Oberpfalz / Kelheim vergangene Woche. Ausschussvorsitzender und IHK-Vizepräsident Thomas Hanauer begrüßte bei der Sitzung den britischen Generalkonsul Simon Kendall, der die Zukunft der britisch-europäischen Beziehungen aus Sicht des Vereinigten Königreichs (VK) erläuterte. In der jetzigen Übergangsphase, die bis Ende 2020 dauert, gilt es, neue Rahmenbedingungen für die Zusammenarbeit zu entwickeln. Bis dahin bleibt beim Außenhandel regionaler Unternehmen mit dem VK erst einmal so gut wie alles beim Alten. Bis zum 31. Dezember 2020 gelten die bisherigen Zoll- und Handelsregelungen mit dem Vereinigten Königreich. Doch Eile sei geboten, betonte Vorsitzender Hanauer: „Die Politik ist gefordert, in den kommenden Monaten ein umfassendes britisch-europäisches Partnerschaftsabkommens auszuarbeiten und der Wirtschaft die notwendige Planungssicherheit zurückzugeben.“

Freier Handel oberste Priorität

Die ungeklärte Frage, wie die künftigen Beziehungen aussehen werden, beobachtet die Wirtschaft mit Sorge. „45 Prozent der Industrieunternehmen aus dem IHK-Bezirk befürchten laut aktueller Konjunkturumfrage aufgrund der bestehenden Unsicherheit Einbußen in der Auftragslage“, sagte IHK-Abteilungsleiterin International Dominique Mommers. Knapp 280 Unternehmen in der Oberpfalz und dem Landkreis Kelheim pflegen enge Geschäftsbeziehungen zum VK. Bei einem Abkommen müssten insbesondere die Interessen der mittelständischen Unternehmen, die dort aktiv sind, gewahrt werden, so Mommers. „Das VK ist einer der wichtigsten Handelspartner Bayerns. Der Markt darf nicht wegbrechen.“ Das bestätigte auch Generalkonsul Kendall. Der freie Handel sowie eine freundschaftliche Zusammenarbeit auf Augenhöhe habe für die britische Regierung oberste Priorität. „Mit genügend politischem Willen auf beiden Seiten schaffen wir die Rahmenbedingungen dafür“, zeigte sich Kendall optimistisch. Das Vereinigte Königreich beanspruche keine Sonderrechte als Handelspartner der EU. Stattdessen setze es auf ein normales Freihandelsabkommen mit der EU, ähnlich dem Handelsabkommen mit Kanada.
Nichtsdestotrotz wird das VK nach Ende der Übergangsphase ein unabhängiger Drittstaat sein. Großbritannien verlasse gewollt den freien europäischen Binnenmarkt, was zu einer Bürokratiezunahme für den Güterhandel an der neuen Grenze oder Standortverlagerungen auf das EU-Festland führen werde, waren sich die Mitglieder des Ausschusses einig. Neben den vielen offenen Fragen müsse insbesondere auch geklärt werden, wie deutsche Unternehmen ab 2021 neue Mitarbeiter in ihre Werke nach Großbritannien entsenden können. Dem pflichtete auch Dr. Stefan Brand, Geschäftsführer des Medizintechnik-Experten DFS-Diamon GmbH, bei, der einen Einblick in seine Branche gab. Der freie Marktzugang sei hier wesentlich wichtiger als Zollfragen – in Freihandelsabkommen werde dies in der Regel leider kaum behandelt.