Förderung neuer Ausbildungsverträge

Mit Beruflicher Bildung die Nase vorn

04.08.2020
Die Corona-Pandemie geht auch am Ausbildungsmarkt in der Region nicht spurlos vorüber. Die aktuelle Statistik der Agentur für Arbeit weist in der Oberpfalz und im Landkreis Kelheim für Juli 2020 rund 4.800 unbesetzte Lehrstellen auf. Dem gegenüber stehen etwa 1.100 Bewerber, die bislang noch keinen Ausbildungsvertrag unterschrieben haben. „Dass der regionale Ausbildungsmarkt während der Corona-Krise noch immer ein Bewerbermarkt ist, begünstigt die demografische Entwicklung und der Trend zur höheren Schulbildung“, betont  Dr. Jürgen Helmes, Hauptgeschäftsführer der IHK Regensburg für Oberpfalz / Kelheim. Zudem seien während der Pandemie wertvolle Bausteine zur Berufsorientierung, wie etwa die Job-Messen in der Region, Schnupperpraktika oder auch das persönliche Engagement der Lehrerinnen und Lehrer in den Abschlussklassen bei der Vermittlung von Ausbildungsbetrieben weggefallen.

Lukrativer Karriereweg

Ob Schulabgänger oder Studienabbrecher – warum nicht mehr junge Menschen eine duale Ausbildung beginnen, ist für den IHK-Chef dennoch schwer nachvollziehbar: „Nach dem Schulabschluss erstmal studieren – so verdient man am meisten? Das stimmt nicht unbedingt. Mit einer Ausbildung und anschließender Weiterbildung hat man finanziell oft sogar die Nase vorn. Höchste Zeit also, mit dieser weit verbreiteten Annahme zu brechen.“ Am Ende ihres Erwerbslebens haben Akademiker und Fachkräfte mit einer abgeschlossenen höheren Berufsbildung – beispielsweise Meister, Fachwirte und Techniker – fast gleich viel verdient. Das belegt eine aktuelle Studie des Instituts für Angewandte Wirtschaftsforschung an der Universität Tübingen (IAW). Auf lange Sicht dürfte sich auch das Einkommensgefüge zu Gunsten der beruflich Gebildeten verschieben, wenn der Trend zur Akademisierung weiter anhält. „Denn gleichzeitig fehlen in vielen Branchen immer mehr Fachkräfte mit einem beruflichen Bildungsweg“, sagt Ralf Kohl, IHK-Bereichsleiter Berufsbildung. Die Ausbildungsbereitschaft der regionalen Unternehmen sei trotz Krise weiterhin hoch. „Die Betriebe setzen nach wie vor auf qualifizierte Fach- und Führungskräfte aus den eigenen Reihen. Entsprechend gut sind die Chancen im Betrieb mit einer beruflichen Aus- und Weiterbildung“, betont Hauptgeschäftsführer Helmes. Auf der IHK-Matching-Plattform www.ihk-lehrstellenboerse.de können junge Menschen offene Ausbildungsplätze in ihrer Region finden.

Bundesprogramm „Ausbildungsplätze sichern“ gestartet

Dass der Ausbildungsbetrieb in den Unternehmen während und nach der Corona-Krise gesichert ist, dafür sorgt nun der Bund mit dem Förderprogramm „Ausbildungsplätze sichern“. IHK-Bereichsleiter Kohl erläutert: „Den Schwerpunkt bilden zwei verschiedene Ausbildungsprämien, mit der Ausbildungsbetriebe in der aktuell herausfordernden Situation unterstützt und motiviert werden sollen, ihr Ausbildungsplatzangebot aufrecht zu erhalten beziehungsweise sogar zu erweitern.“ Darüber hinaus solle Kurzarbeit für Auszubildende vermieden und Anreize zur Übernahme im Falle einer Insolvenz eines anderen Ausbildungsbetriebs geschaffen werden. Die Förderung richtet sich an kleine und mittlere Unternehmen (KMU), die von der Corona-Krise betroffen sind, und kann bei der Bundesagentur für Arbeit beantragt werden. „Das Förderprogramm ist das lang erhoffte, fehlende Puzzleteil in den Corona-Hilfsmaßnahmen des Bundes. Es schafft Perspektiven für junge Menschen und gibt Planungssicherheit für die Unternehmen, damit sie auch weiterhin die Fachkräfte von morgen ausbilden können“, zeigt sich Helmes sicher.
Alle Informationen zum Bundesprogramm „Ausbildungsplätze sichern“ erhalten Betriebe unter www.ihk-regensburg.de/ausbildungspraemie