Umfrage-Ergebnisse

Industriestandort Deutschland: Umfrage Netzwerk Industrie 2020

Schwächen des „Industriestandorts Deutschland“ jetzt beherzt anpacken
Das Konjunkturprogramm der Bundesregierung hat den notwendigen Re-Start aus der Krise eingeleitet. Das ist ein guter Anfang – im nächsten Schritt müssen aber auch die strukturellen Probleme am Industriestandort beherzt angepackt werden. Und davon gibt es viele, wie die aktuelle DIHK-Industrie Umfrage 2020 mit Rückmeldungen von rund 1.800 Industrieunternehmen und industrienahen Dienstleistern zeigt.
Schwaches Zeugnis für den Industriestandort Deutschlands
Die Industrieunternehmen geben der Wirtschaftspolitik der Bundesregierung mit Blick auf die Wettbewerbsfähigkeit ihres Industriestandorts mit 3,9 nur eine eher schlechte Bewertung – und damit eine ganze Notenstufe schlechter als noch vor drei Jahren (2017: 2,9). Auch die Beurteilung der 24 Standortfaktoren folgt einem absteigenden Ast. Die  Faktoren haben sich innerhalb der letzten drei Jahre verschlechtert und das in Folge. Der Mittelwert aller „Schulnoten“ rutscht auf 3,6 (2017: 3,3; 2014: 3,2) – sie ist sogar die schlechteste Bewertung seit Umfragebeginn 2008.
Hemmschuh: Bürokratie und lange Genehmigungsverfahren
Großer Handlungsbedarf zeigt sich in Sachen Bürokratie. Die Schlusslichter bei den Standortfaktoren sind mit einer mangelhaften Bewertung die „Fülle und Verständlichkeit von bürokratischen Auflagen“, mit denen Unternehmen tagtäglich zu kämpfen haben (4,8) sowie die „Dauer und Komplexität von Planungs- und Genehmigungsverfahren“. Bei letzterem verschlechtert sich die Bewertung gegenüber der Vorumfrage so stark wie bei keinem anderen Standortfaktor (4,7; 2017: 4,2).
Steuerrecht und Energiekosten schneiden schlecht ab
Schon fast traditionell landen die Komplexität des Steuerrechts (4,6; 2017: 4,5) und die Energiekosten auf den hinteren Plätzen. Viele Sondervorschriften und zum Teil sehr kurzfristige Steuerrechtsänderungen führen zu Rechtsunsicherheit. Bei den Energiekosten (4,5; 2017: 4,0) bestätigt die Bewertung durch die Unternehmen in noch stärkerem Maße, dass hier ein strukturelles, langfristiges Risiko für den Industriestandort Deutschland besteht.
Nur „ausreichend“ für digitale Infrastruktur
Die Zukunftsfähigkeit der deutschen Industrie steht und fällt mit einer leistungsfähigen Breitbandanbindung. Vor allem die Corona-Krise verdeutlicht deren Notwendigkeit. Die Unzufriedenheit der Industrieunternehmen mit der digitalen Infrastruktur nimmt stetig zu (2008: 2,3; 2020. 4,0).
Bestes Ergebnis: Energieversorgungssicherheit
Auf Platz 1 der Bewertung der Standortfaktoren landet mit einem Wert von 2,6 erneut die Energieversorgungssicherheit, allerdings hat sich auch dieser Faktor in der Einschätzung der Unternehmen gegenüber 2017 merklich verschlechtert (2,3). Ein rascher Netzausbau ist von entscheidender Bedeutung, um auch zukünftig die Versorgung mit Strom sicherzustellen. Positiv wird auch die Verfügbarkeit von Zulieferunternehmen und Kunden vor Ort (2,7) bewertet. Bei aller Internationalisierung bleibt die regionale Nähe von Dienstleistern und Zulieferern für das produzierende Gewerbe ein wichtiges Standbein – gerade auch in Krisenzeiten.
Umfeld für Innovationen nur befriedigend
Dem Standortfaktor „Umfeld für unternehmerische Innovationsaktivitäten“ geben die Unternehmen erneut nur eine befriedigende Note (3,2; Vorumfrage 2,9). Kleinere Betriebe bis 50 Mitarbeiter geben sogar noch eine schlechtere Bewertung ab (3,3). Die neu gesetzten Maßnahmen wie die Einführung der steuerlichen Forschungsförderung, das Konjunkturprogramm sowie die Anpassung von ZIM werden erst später ihr Wirken zeigen. Auch dürfte die Chancen der neu gegründeten Agentur für Sprunginnovationen in der nächsten Umfrage ihre Wirkung zeigen.
Die Umfrage hat vom 10. Februar bis zum 23. März 2020 stattgefunden. Die Corona-Krise hatte zu dem Zeitpunkt vor allem in Asien schon ihre wirtschaftlichen Spuren hinterlassen. Das Herunterfahren vieler wirtschaftlicher Aktivitäten mit all den Konsequenzen fand erst nach der Befragung statt. Auch das Konjunkturpaket mit den zahlreichen Maßnahmen auch zur Zukunftssicherung Deutschlands erfolgte später. Deutschlandweit haben 1.800 Unternehmer aus der Industrie und den industrienahen Dienstleistungen an der Umfrage teilgenommen.