Export

Wirtschaft will frei handeln

15.02.2017
Die Wirtschaft in Ostbayern setzt auf den Freihandel. „Leider nimmt weltweit die Abschottung der Märkte zu“, stellte der Vorsitzende des Außenwirtschaftsausschusses der IHK Regensburg für Oberpfalz / Kelheim, Rainulf Diepold, fest. Die Mitglieder trafen sich zu ihrer Sitzung bei der Linn High Term GmbH in Eschenfelden. Die Unternehmerinnen und Unternehmer plädieren für offene Märkte und freien Kapitalverkehr. Die deutsche Außenwirtschaftspolitik solle die Chancen deutscher Unternehmen in der Globalisierung erhöhen und die Wettbewerbsposition der Betriebe im internationalen Wettbewerb stärken. Mit einer Exportquote von 58 Prozent sichern die internationalen Geschäfte in der Oberpfalz viele Arbeitsplätze.
„Protektionismus ist der falsche Weg“, fasste Diepold die Diskussion zusammen. Die Erfahrung habe gezeigt: Hohe Zölle bremsen das Wirtschaftswachstum und steigern die Konsumentenpreise in einem Land. Freihandelsabkommen fördern Exporte und Importe gleichermaßen. Natürlich – waren sich die Ausschussmitglieder einig – müssten dabei Sicherheitsvorschriften für technische Produkte und vor allem für Lebensmittel gewährleistet sein.

CETA positiv bewertet

Das neue CETA-Handelsabkommen zwischen der EU und Kanada stuft der Ausschuss als positiv ein. Nach der Verabschiedung im EU-Parlament treten rund 90 Prozent der Regelungen unmittelbar in Kraft. Weitere Abstimmungen werden folgen. Die regionalen Exportunternehmen hoffen – trotz der politischen Lage in den USA – weiterhin auf TTIP. Zu Gast war Michaela Schobert, Chefberaterin der Deutsch-Amerikanischen IHK in Atlanta. Sie gab einen Überblick über die neue US-Politik. Positiv gesehen wird seitens der Unternehmen das geplante Infrastruktur-Investitionsprogramm, abgelehnt  wird die Idee einer Importsteuer.

Weiter auf USA setzen

US-Expertin Schobert zeigte vier Schwerpunkte der wirtschaftspolitischen Agenda des neuen US-Präsidenten Donald Trump. „America First“, das bedeute mehr Protektionismus. Ein großes Infrastrukturprogramm soll Flughäfen, Straßen und Schienennetz modernisieren. Die Immigration soll eingeschränkt werden. Einkommens- und Körperschaftssteuer sollen gesenkt werden.
Deutsche Unternehmen sollten ihren Kunden in den USA die Treue halten. Ob die Zölle auf Einfuhren aus Deutschland wirklich erhöht werden, sei fraglich. Gerade High-Tech-Produkte aus Ostbayern blieben gefragt. Denn die Vereinigten Staaten brächten derart hohe Qualität auch auf lange Sicht nicht aus eigener Kraft hervor. Mehrere Ausschussmitglieder können sich vorstellen, wieder verstärkt in den USA zu investieren, vor allem mit Serviceniederlassungen und sogar mit Teileproduktion. Derzeit unterhalten 290 Unternehmen im IHK-Bezirk Geschäftsbeziehungen dorthin. Die meisten exportieren, 38 haben bereits Vertriebsniederlassungen und 17 produzieren dort.