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Aktuelle Broschüre
Eine Übersicht über die Methodik des bankinternen Ratings, den Zusammenhang zwischen Rating und Preis eines Kredits und aktuelle Änderungen in der Praxis bietet die „Rating Broschüre“ der Initiative Finanzstandort Deutschland (IFD), die kostenlos unter http://www.finanzstandort.de/ abgerufen werden kann.
Verschärfte Eigenkapital- und Liquiditätsvorschriften für Banken sollen die Kreditwirtschaft weniger krisenanfällig machen. Sie wirken sich auch auf die Finanzierungsbedingungen für mittelständische Firmen aus. Zwar werden konkrete Auflagen erst ab 2013 in Kraft treten. Unternehmer tun aber gut daran, schon jetzt die Weichen zu stellen.
Internationales Flair ist man in Basel gewohnt. Die Stadt liegt mitten im Dreiländereck aus Deutschland, Frankreich und der Schweiz, grenzüberschreitende Kontakte sind da fast selbstverständlich. Als Ausgangspunkt wirtschaftlicher Weichenstellungen allerdings reicht die Bedeutung von Basel heute weit darüber hinaus. Das liegt daran, dass hier der bei der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) angesiedelte Ausschuss für Bankenaufsicht an Regelwerken für die globale Finanzindustrie arbeitet. Die neuesten, unter dem Titel „Basel III“ firmierenden Ergebnisse der Aufseher sind brisant. Denn sie sehen höhere Eigenkapital- und Liquiditätsstandards für Banken vor, die schon heute weite Schatten voraus werfen. Betroffen davon sind nicht nur Kreditinstitute, sondern letztlich auch die Finanzierung des deutschen Mittelstands. „Die Folgen der Basel III-Bankenregulierung könnten die Wirtschaft ausgerechnet dann treffen, wenn Investitionen und Kreditnachfrage aufgrund der gut laufenden Konjunktur sprunghaft steigen“, warnt Dr. Reinhard Rieger, Finanzierungsspezialist und Geschäftsführer der IHK Regensburg für Oberpfalz / Kelheim.
Banken rechnen mit höheren Kosten
Im Grundsatz findet das Ziel, den Bankensektor besser gegen Krisen zu wappnen, Zustimmung. Nachdem die Regierungschefs der G20-Staaten das Regelwerk im November abschließend beraten haben, müssen es die Staaten nun auf nationaler Ebene umsetzen. Allerdings besteht die Gefahr, dass Basel III übers Ziel hinausschießt, nicht genügend differenziert und in mancher Hinsicht möglicherweise sogar mehr Schaden als Nutzen bringt. Worum genau geht es? Zum einen wollen die Aufseher künftig mehr und gleichzeitig qualitativ besseres Kapital bei den Banken sehen. So soll das „harte“ Kernkapital, das aus Gesellschaftskapital (im genossenschaftlichen Sektor auch aus Geschäftsguthaben) und Gewinnrücklagen besteht, künftig 4,5 statt bisher zwei Prozent betragen. Parallel dazu wird die gesamte Kernkapitalquote bis 2015 von vier auf sechs Prozent angehoben. Die Kernkapitalquote sagt aus, inwieweit die Risikopositionen einer Bank im Fall von Verlusten durch eigene Mittel gedeckt sind. In der Konsequenz heißt das, dass auch Mittelstandskredite künftig mit mehr Eigenkapital unterlegt werden müssen. „Die Anforderungen an die Kapitalunterlegung nehmen unabhängig vom Risiko der vergebenen Kredite zu, das führt bei den Banken generell zu höheren Kosten für die Beschaffung von Kapital“, erläutert Erwin Bernhard, bei der Commerzbank Mitglied der Geschäftsleitung Mittelstandsbank Nordbayern.
Eigenkapital stärken
Wie stark sich die steigenden Eigenkapitalkosten auf die Preise für Kredite auswirken, hängt von mehreren Faktoren ab. „Die von einer Bank proklamierten Ansprüche auf die eigene Eigenkapitalverzinsung gehören dazu ebenso wie die Risiken des Geschäftsmodells und die Kosten für die Kapitalbeschaffung“, sagt Franz Büechl, Leitung Regionalbereich Bayern Nord der HypoVereinsbank. „Falls die Kapitalquote nicht reicht, werden sich einige Institute zusätzliches Geld am Kapitalmarkt beschaffen.“ Dafür aber müssen sie auch wieder Zinsen oder Dividenden bezahlen. Die Gefahr dabei: Mit Blick auf die eigene Profitabilität könnten Banken versucht sein, lieber gar keine Kredite zu vergeben oder härtere Konditionen zu verlangen.
Ebenso dürften sie von den Kunden solidarisches Verhalten einfordern. „Die Banken müssen mehr Eigenkapital vorhalten und fordern das dann auch von den Unternehmen“, sagt Finanzierungsexperte Rieger. Auch das ist ein Grund, sich mit Blick auf die betriebliche Kapitalbeschaffung schon früh auf Basel III einzustellen. Mögliche Lösungen bieten auf die Bedürfnisse mittelständischer Unternehmen ausgerichtete Beteiligungsgesellschaften. Die zur Sparkassengruppe gehörende S-Refit etwa oder die Beteiligungsfonds der aus öffentlichen Geldern gespeisten Bayern Kapital investieren in junge Wachstumsfirmen. Die BayBG Bayerische Beteiligungsgesellschaft wiederum stellt offene und vor allem stille Beteiligungen für den Mittelstand bereit. Ebenso kann man mit der Hausbank über individuelle Mezzaninefinanzierungen sprechen, die zwischen Eigen- und Fremdkapital angesiedelt sind. Sie gewinnen nicht zuletzt deshalb an Bedeutung, weil die standardisierten Mezzanineprogramme in den kommenden Monaten und Jahren ersatzlos auslaufen.
Kreditkonditionen vor dem Umbruch
Mit Blick auf den klassischen Kredit müssen Mittelständler umdenken, weil Basel III neue Liquiditätsanforderungen an die Banken stellen wird. So soll eine „Leverage Ratio“ festlegen, dass das Geschäftsvolumen eines Instituts nie über das 33-fache seines Kernkapitals hinausgehen darf. Das belastet insbesondere Pfandbrief-, Bürgschafts- und Förderbanken, aber auch generell würden die Kreditkapazitäten willkürlich begrenzt. „Bei einer einheitlichen Verschuldungsobergrenze werden risikoreiche Kapitalanlagen gleichgestellt mit den bewährten Mittelstandskrediten, bei denen Genossenschaftsbanken und Sparkassen nur unwesentliche Ausfallraten zu verzeichnen haben“, sagt Erhard Gschrey, Stellvertretender Vorstandsvorsitzender des Genossenschaftsverbandes Bayern. Ebenso nachteilige Folgen hätte das Vorhaben, die Laufzeiten der Kredite und Darlehen stärker an die Refinanzierungen anzupassen. Die Crux dabei: Gerade die stark im Mittelstandsgeschäft engagierten Sparkassen und Genossenschaftsbanken finanzieren sich in hohem Maße aus den eher kurzfristig ausgerichteten Einlagen ihrer Kunden. „Schlimms tenfalls kann das dazu führen, dass der langfristige Festzinskredit zu Grabe getragen wird und der Trend hin zu den in Ländern wie Großbritannien, USA oder Spanien üblichen kurzen Laufzeiten mit variabler Verzinsung geht“, warnt Karl Novotny, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Neumarkt. Konsequenz: Unternehmer könnten dann nicht mehr so sicher planen wie bisher und müssen zudem mit einer Verschlechterung ihrer Liquiditätskennzahlen rechnen, die dann wiederum das Rating negativ beeinflussen können. Dem aber, so hofft Novotny, kann in weiteren Verhandlungen und bei der Umsetzung in nationales Recht noch entgegentreten werden. „Für die Finanzmarktkrise gab es konkrete Gründe, die aber dürfen nicht eins zu eins auf das regional ausgerichtete und wichtige Mittelstandsgeschäft in Deutschland übertragen werden“, sagt er. Er rät dennoch dazu, sich für geplante Finanzierungen schon jetzt lange Laufzeiten zu sichern.
„Je schwieriger es für die Banken und Sparkassen wird, langfristige Kredite zu refinanzieren, desto teuerer wird es für die Unternehmen“, sagt Novotny.
Herausforderung für den Mittelstand
Die ersten konkreten Auflagen von Basel III werden zwar erst im Januar 2013 in Kraft treten und auch dann gibt es für viele Vorschriften noch Übergangsregelungen. Genau hinsehen aber lohnt sich jetzt schon, zumal mit der Bankenangabe und einer geplanten Finanztransaktionssteuer zusätzliche Belastungen auf die Kreditinstitute zukommen. Laut einer zur Jahreswende vom DIHK durchgeführten Umfrage scheint Basel III bereits jetzt zu einer stärkeren Differenzierung bei der Darlehensvergabe zu führen. Vor allem Unternehmen mit geringen Eigenkapitalquoten und im Wettbewerb nicht so gut aufgestellte Betriebe, so heißt es in der Studie, haben es schwer. Aber auch für Unternehmen mittlerer Bonität und Firmen, die viel in Innovationen investieren, dürfte der Zugang zu Bankkrediten schwieriger werden oder mit höheren Finanzierungskosten verbunden sein. Angesichts solcher Warnsignale lohnt es sich, frühzeitig gegenzusteuern. So könnte man prüfen, wie stark die eigene Hausbank von der verschärften Regulierung betroffen sein wird. Möglicherweise kommt es dann in Betracht, zumindest eine ergänzende Bankverbindung aufzunehmen und die Finanzierung so auf ein breiteres Fundament zu stellen. Ebenso bietet sich die intensivere Nutzung von alternativen Finanzierungsformen wie Factoring und Leasing sowie von Beteiligungskapital und Mezzanine an. Auch Fremdkapitallösungen wie das „Borrowing-Base-Konzept“ könnten verstärkt ins Blickfeld rücken. „Der Umfang dieser atmenden Kreditlinien orientiert sich am Umlaufvermögensbedarf des Unternehmens und ist von Veränderungen des Bereitstellungszinses dadurch weniger betroffen“, sagt Experte Bernhard von der Commerzbank. Er ist davon überzeugt, dass zinsgünstige Kredite öffentlicher Förderinstitute wie der LfA und der KfW bei der Gestaltung langfristiger Finanzierung noch mehr gefragt sein werden als bisher. Größere Mittelständler finden heute zudem immer bessere Gelegenheiten, an speziell auf ihre Bedürfnisse ausgerichteten Segmenten der deutschen Börsen Fremdkapital aufzunehmen. Größere Unternehmen, das belegt die DIHK-Umfrage vom Jahresanfang, haben bereits 2010 die guten Bedingungen an den Kapitalmärkten genutzt, um sich über Anleihen zu finanzieren.
Auf Bonität achten
Für den Mittelstand gewinnt mit Blick auf Basel III das Rating an Gewicht. „Die Unternehmen sollten sich mit Problembereichen wie etwa einer schwachen Rentabilität oder einer labilen Liquiditätslage auseinandersetzen, da sich die Kreditvergabe bei erhöhten Eigenkapitalanforderungen an die Banken verstärkt am Rating-Ergebnis ausrichtet“, sagt Gschrey. Angesichts eines zunehmend automatisierten und anonymen Kreditvergabeprozesses sei es wichtig, die Einflussfakto- ren auf das Ratingergebnis zu kennen und auch einzufordern. Auch Franz Büechl rät, frühzeitig den Austausch mit der Bank zu suchen. „Wenn beide Seiten eine offene Informationspolitik betreiben, führt das beinahe zwangsläufig zu einer fruchtbaren Diskussion, die dem Unternehmen nicht nur bei der eigenen Bonitätsbeurteilung (Rating), sondern auch mit Blick auf internes Optimierungspotenzial weiterhilft“, so der Experte von der HypoVereinsbank. So sinnvoll vorbeugende Maßnahmen mit Blick auf Basel III sind, so wenig gibt es andererseits aber auch Anlass zu übertriebener Sorge. „Die Unternehmen haben auch diese Krise überraschend gut überstanden, eine gefährliche Bedrohung für die deutsche Wirtschaft lässt sich aus heutiger Sicht jedenfalls nicht erkennen“, sagt Vorstand Novotny von der Sparkasse Neumarkt. Das liegt nicht zuletzt daran, dass mittelständische Unternehmen schon seit einigen Jahren auf eine verbesserte Eigenkapitalausstattung und mehr Transparenz und Partnerschaft gegenüber den Kreditinstituten achten. Den Ini tiatoren der Neuregulierung wiederum legen deutsche Finanzexperten heute nahe, künftig doch etwas mehr auf Wettbewerbsgleichheit zu achten. „Die USA etwa streben dem Vernehmen nach erst jetzt eine Annäherung an die Vorschriften von Basel II an, die in Deutschland längst umgesetzt sind“, wundert sich Büechl.
Norbert Hofmann
Wirtschaft konkret, April 2011
Über Anleihe-Emissionen an den Börsen kann auch der Mittelstand das Finanzierungspotenzial der Kapitalmärkte nutzen
Als bei der Nabaltec AG nach der weltweiten Konjunkturkrise die Geschäfte wieder anzogen, stand bei dem in Schwandorf ansässigen Unternehmen die Finanzierung der Expansionsstrategie für die kommenden Jahre auf der Agenda. Denn das Spezialchemieunternehmen sieht für seine halogenfreien flammhemmenden Füllstoffe, die weltweit von Kabelproduzenten und Kunststoffherstellern nachgefragt werden, noch jede Menge Marktpotenzial. „Die Kreditinstitute zeigten sich mit Blick auf die anstehende Neuregulierung durch Basel III jedoch sehr zurückhaltend“, sagt Vorstand Gerhard Witzany. Die passende Alternative fand Nabaltec an der Stuttgarter Börse, die im vergangenen Jahr unter dem Namen „Bondm“ ein spezielles Segment für den Kapitalbedarf mittelständischer Unternehmen gestartet hat. Dort konnten die Schwandorfer im Oktober innerhalb von nur vier Tagen eine Anleihe mit einem Volumen von 30 Millionen Euro platzieren. Das Segment Bondm steht für Transparenz, Publizität und eine für Kleinanleger freundliche Stückelung von 1.000 Euro, so dass auch viele Privatpersonen gezeichnet haben. Die Anleihe der Nabaltec AG läuft bis zum Jahr 2015 und wird bei einem Rating von BBB- mit 6,5 Prozent verzinst. „Das ist zwar nicht ganz preiswert, eingebettet in die Gesamtfinanzierung für uns aber dennoch eine günstige Alternative“, sagt Witzany. Das Unternehmen (ca. 110 Millionen Euro Umsatz 2010) kann nun über Jahre hinweg bankenunabhängig investieren und hat gleichzeitig seine Position gegenüber den Kreditinstituten deutlich gestärkt. Die seit 2006 im Entry Standard der Frankurter Wertpapierbörse notierte Nabaltec brachte allerdings auch günstige Vorraussetzungen für die Anleiheemission mit. Im Berichtswesen und bei der Erstellung des Börsenprospekts konnte man sich auf die Erfahrungen aus dem Börsengang stützen, auf die internationale Rechnungslegung nach IRFS hatte man bereits in 2008 umgestellt. Für zukünftige Finanzierungen sieht sich Witzany nun bestens gewappnet. „Dank unserer Profitabilität werden wir die Eigenkapitalquote in den nächs - ten Jahren noch einmal deutlich verbessern und ein in 2013 auslaufendes Standard-Mezzanine-Programm können wir aus dem eigenen Cashflow zurückzahlen“, sagt der Vorstand.
Durch Basel III wird das Rating noch mehr ins Blickfeld rücken. Eine vielerorts unbekannte Alternative mit Blick auf die Bonitätsbeurteilung kennt Christof Stölzel, Gründer und Beirat des Energiespartechnik-Unternehmens Variotec GmbH & Co. in Neumarkt. Er verweist darauf, dass auch die Deutsche Bundesbank interessierten Unternehmen eine kostenlose und detaillierte Bonitäts-Analyse anbietet. Diese Auswertungen machen Stärken und Schwächen transparent und die errechneten Kennzahlen können zudem mit den Bilanzzahlen der gleichen Branche verglichen werden. Nicht zuletzt hilft die Analyse bei Rating- oder Kreditverhandlungen mit der Bank. „Der von der Bundesbank ermittelte Bonitätsgrad wird innerhalb einer Skala von 1 bis 7 eingestuft, wobei Unternehmen der Rangstufen 1 bis 3 das Testat der Notenbankfähigkeit erhalten“ erklärt Stölzel. Der Clou dabei: Banken und Sparkassen können Kreditforderungen an solche Unternehmen als Sicherheit für ihre Refinanzierung bei der Deutschen Bundesbank verwenden, was wiederum die Position des Mittelständlers bei den Finanzierungsgesprächen stärkt. Nutzen können das Programm Firmen, die einen vollständigen HGB-Abschluss erstellen und deren Umsatz sich mindestens im sechsstelligen Euro-Bereich bewegt. Anlaufstellen sind alle Filialen der Deutschen Bundesbank – in Bayern zum Beispiel die Niederlassung in München und Nürnberg. „Wichtig ist es, einen persönlichen Kontakt zum Entscheider herzustellen und die eingereichten Bilanzen gemeinsam mit dem Steuerberater zu erläutern, da auch weiche Faktoren berücksichtigt werden“, rät Stölzel. Die Einführung von Basel III werde infolge der höheren Eigenkapitalquoten bzw. Sicherheitskorridore der Geschäftsbanken erneut zu Restriktionen gegenüber dem Mittelstand führen. Jedes Kreditengagement belaste nun die Banken in einem höheren Umfang als bisher, was unweigerlich zu einer noch kritischeren Beurteilung der Unternehmenszahlen führe. Gut für den Mittelständler der mit einer Notenbankfähigkeit in die Verhandlungen gehen kann.