23.11.2010
Treffpunkt Hochschule: Sicherheit und Verlässlichkeit moderner Informationssysteme
[mehr]25.11.2010
Treffpunkt Unternehmen – AUER GUSS GmbH
[mehr]02.12.2010
IHK-Workshop: Der ganzheitliche Ansatz im Innovationsmanagement
[mehr]
[weitere Veranstaltungen]
Nichtraucherschutz in Bayern ab 1. August 2010
[mehr]IHK-Online Datenbanken „Gütertransportmarkt“ und „Omnibusverkehrsmarkt“ aktualisiert
[mehr]So war’s: Das IHK-Forum Handel 2010
[mehr][weitere
Artikel]
Verkehrsgewerbe von A – Z
[mehr]E-Commerce-Leitfaden
[mehr]Verkehrsnachrichten - Personenverkehr
[mehr]
[weitere Publikationen]
Die wichtigsten Schritte beim Unternehmenskauf
Wie geht man einen Unternehmenskauf am besten an? Was sind die wichtigsten Schritte?
„Bionade gehört jetzt zum Oetker-Konzern!“ titelten vor wenigen Wochen die Tageszeitungen. Auch so manch kleineres Unternehmen macht sich Gedanken darüber, wie es seinen Betrieb weiterentwickeln kann. Warum nicht ein bereits existierendes Unternehmen dazukaufen? Wenn Unternehmen den Besitzer wechseln, tauchen strategische Fragen auf, die sich vom Alltagsgeschäft abheben.
„Wirtschaft konkret“ hat einen Experten gefragt. Bernd Mümmler von Concess M+A, Ehmann Consulting GmbH in Neumarkt weiß, wie man am besten vorgeht.
Herr Mümmler, Sie beraten Unternehmen in der Unternehmensnachfolge, bei Beteiligungen und Firmenübernahmen. Wie kamen Sie dazu?
Mümmler: In erster Linie sind meine eigenen Erfahrungen dafür verantwortlich. Im Betrieb meiner Eltern war ich 15 Jahre Geschäftsführer, habe Beteiligungen gekauft und wieder verkauft. Die Ausbildung zum MBA für Unternehmensnachfolge stellte dann den theoretischen Hintergrund auf eine neue Ebene.
Wie wirkt sich die momentane Wirtschaftskrise auf den Markt aus?
Mümmler: Tatsächlich stehen zurzeit überdurchschnittlich viele Firmen zur Disposition, andererseits bereitet die Kreditklemme Probleme bei der Finanzierung von Unternehmensbeteiligungen und Übernahmen. Die Unternehmenswerte haben sich aufgrund mangelnder Bilanzzahlen und negativer Zukunftsprognosen verschlechtert, so dass der „gefühlte Unternehmenswert“ des Verkäufers nicht mit den tatsächlichen Verhältnissen übereinstimmt. Das beeinflusst den Nachfolgeprozess negativ.
Welche Aspekte sind aus Ihrer Erfahrung bei dem Kauf eines Unternehmens besonders wichtig und wo liegen die größten Fallstricke?
Mümmler: Die Gefahren lauern jenseits der rein bilanziellen Aspekte. Wichtig sind Fragen wie: In welchen Fällen bestehen Garantien und Haftungsübernahmen? Gibt es Gewährleistungs- oder Pensionsrückstellungen? Bestehen Nießbrauchrechte für den Alteigentümer? Sind vollständige behördliche Genehmigungen und Zulassungen für den Betrieb vorhanden? Welche Konzessionen sind etwa für ein erweitertes Vorhaben notwendig? Wie ist die Personalstruktur? Gibt es eine zweite Führungsebene? Welche Themen hat der Betriebsrat auf die Agenda gesetzt? Welche langfristigen Miet-, Leasing- und Versicherungsverträge bestehen, welche Lieferverträge? Können lange laufende Kreditverträge auf Erwerber übertragen werden? Welche Abhängigkeiten von Großkunden bestehen?
Auf was muss ein Käufer in der Vorbereitungsphase achten?
Mümmler: Ich rate, besonders großen Wert auf Bonität des zu kaufenden Unternehmens zu legen und zu fragen: Welche Synergieeffekte ergeben sich für mich, wenn ich dieses Unternehmen erwerbe? Oft unterschätzt ist auch die Wettbewerbs- und Marktanalyse. In einem frühen Stadium sollte auch die Finanzierung geprüft werden.
Welche Aspekte des Unternehmens muss ein potenzieller Käufer vor der Entscheidung prüfen?
Mümmler: Nach einer ersten Annäherung stellen professionell agierende Unternehmenskäufer die so genannte Due-Dilligence-Prüfung an. Hier geht es ans Eingemachte. Das ist umso wichtiger, um später keine bösen Überraschungen zu erleben. Unumgänglich ist die Analyse der Kunden nach der ABC-Methode. Auch technische Aspekte müssen beachtet werden. Wie steht es mit Zertifizierungen, technischen Konzessionen, Umwelt- und Qualitätsaudits? Potenzielle Unternehmenskäufer müssen selbstverständlich auch die Rechte Dritter prüfen. Bestehen Verpfändungen, ausstehende Einlagen oder Gesellschafterbeschlüsse? Schließlich steht die Personalfrage auf dem Prüfstand. Wie sich die Mitarbeiterschaft in Bezug auf Qualifikation, Alter, Vergütung, Betriebsvereinbarungen, Fluktuation und Management, seine Bezüge oder etwaige Inhaberabhängigkeiten zusammensetzt, ist ein wesentlicher Aspekt im Abwägungsprozess.
Was sind die Risiken für den Bestand und den Ertrag des Unternehmens, auf die der Käufer achten muss?
Mümmler: Gefahren existieren, wenn etwa Know-how nicht dokumentiert ist und ausschließlich beim Verkäufer liegt. Das Gleiche gilt für Kunden, die eine sehr persönliche Bindung an den Verkäufer haben. Böse Überraschungen kann ein Käufer auch erleben, wenn er Pensionsrückstellungen, Mietverträge oder Verpflichtungen aus alten Gewährleistungsfällen nicht prüft. All diese Schärfen mildert eine zweite Führungsebene, weil sie Unternehmensprozesse transparent gestalten kann. Davon profitieren Unternehmenskäufer selbstverständlich.
Wie wird der Wert des Unternehmens bewertet?
Mümmler: Fast alle gängigen Methoden der Bewertung basieren auf Vergangenheitswerten. Die zentrale Frage lautet jedoch: Welchen Cashflow kann ich in Zukunft mit diesem Betrieb erwirtschaften? Durch die momentane Wirtschaftskrise lassen sich aber zukünftige Cashflows nur schwer ermitteln. Daher kann eine Unternehmensbewertung nach Substanzwerten oder in einem kombinierten Verfahren durchaus sinnvoll sein.
Welche Finanzierungsformen bieten sich bei Unternehmenskäufen an?
Mümmler: Mezzanine-Kapital ist eine Möglichkeit, von der immer mehr Unternehmen Gebrauch machen. Ferner gibt es Förderprogramme der LfA oder KfW-Mittel, Bürgschaften und Beteiligungskapital (BayBG).
Was muss ein potentieller Käufer im Umgang mit den Mitarbeitern und Kundenbeziehungen des betreffenden Unternehmens beachten?
Mümmler: Vor dem Kauf sind absolutes Stillschweigen, absolute Vertraulichkeit geboten. Nach dem Kauf: sofortige persönliche Information. Wichtig ist es vor allem, Kunden und Mitarbeitern Sicherheit zu vermitteln. Das geschieht immer am besten im persönlichen Gespräch. Transparenz schaffen, ist die oberste Devise.
Wo finde ich den passenden Betrieb zu kaufen?
Mümmler: In Internetbörsen wie der nexxt–change-Börse oder auf den Seiten von Beratungsunternehmen wie www.concess.de werden Verkaufsabsichten veröffentlicht. Ferner lohnt es sich bei den Kammern oder den regionalen Wirtschaftsförderern zu fragen. Dort finden Unternehmenskäufer auch qualifizierte erste Beratung für ihr Vorhaben.
Vielen Dank, Herr Mümmler, für diese Informationen.
Wirtschaft konkret, November 2009