Strukturreform der Berufsschulen in der Oberpfalz

01.06.2011

IHK-Info


Neue Schulsprengel für Azubis

In folgenden IHK-Berufen ergeben sich durch die Strukturreform der Berufsschulen ab dem 1. August 2011 Änderungen in der Sprengelzugehörigkeit:

  • Automobilkaufleute
  • Bauzeichner/in Architektur / Ingenieurbau / Tief-, Straßen- und Landschaftsbau
  • Beton- und Stahlbetonbauer/in
  • Elektroniker/in für Automatisierungstechnik
  • Elektroniker/in für Betriebstechnik
  • Fachkraft im Gastgewerbe
  • Fachfrau/-mann für Systemgastronomie
  • Kaufleute im Groß- und Außenhandel – Fachrichtung Großhandel
  • Hotelfachleute
  • Hotelkaufleute
  • Industriekaufleute
  • IT-Kaufleute
  • Kfz-Mechatroniker/in – Nutzfahrzeugtechnik
  • Informatikkaufleute
  • Köche
  • Restaurantfachleute

Welche Sprengelzugehörigkeiten für den jeweiligen Beruf gelten, erfahren Sie im Regierungsamtsblatt Nr. 4/2011.
Sie finden es im Internet unter www.ropf.de/download/schule/.

Die Schülerzahlen in der Region gehen zurück. Wenn immer weniger Auszubildende in einem Landkreis einen Beruf erlernen, hat das Folgen für die Berufsschulen. Ist die Klassenstärke in einen Ausbildungsberuf zu gering, können neue Schulsprengel eine Lösung sein. Sie gelten ab 1. August 2011.

Diskussionen um eine Strukturreform im regionalen Bildungswesen sind bekanntlich heiße Eisen. Kein Landrat und keine Gemeinde gibt freiwillig Schüler ab. Das gilt für Grundschulen genauso wie für Berufsschulen. Neben den Interessen der Kommunen, des Kultusministeriums sowie den Sorgen der Eltern und des Nachwuchses spielen bei Berufsschulen die Interessen der ansässigen Firmen eine wichtige Rolle. Betriebe schicken ihre Azubis ungern auf lange Reisen, damit diese ihrem Berufsbild entsprechend beschult werden. „Dennoch greift Kirchturmpolitik im Berufsschulwesen zu kurz“, warnt IHKHauptgeschäftsführer Dr. Jürgen Helmes. „Wir wollen die hohe Qualität in der Ausbildung in der Region halten, deshalb war es nötig, dass die Regierung der Oberpfalz an einigen Stellschrauben drehte.“

Die beste Meldung der Strukturreform vorweg: Der Erhalt aller Berufsschulen in der Oberpfalz scheint sicher. In der Region bilden die Betriebe derzeit in knapp 200 IHKBerufen aus, nur 16 dieser Ausbildungen sind von der Reform betroffen. Bei ihnen werden die Schulsprengel neu geordnet, da mit an jedem Berufsschulstandort zwischen Regensburg und Wiesau die Schülerzahl stabil bleibt. „Betroffen sind von den Sprengelneubildungen etwa drei Prozent aller Azubis im IHK-Bezirk“, schätzt Ausbildungsexperte Ralf Kohl von der IHK. „Ein Azubi-Tourismus, wie von vielen befürchtet, bleibt wohl aus.“

Der ein oder andere Berufsschüler wird ab nächstem Schuljahr dennoch längere Wege zwischen Wohnort, Betrieb und Berufsschule in Kauf nehmen müssen. Die Reformen betreffen vor allem Berufe im Hotel- und Gaststättengewerbe sowie kaufmännische Ausbildungen. IT-Systemkaufleute aus dem südlichen Landkreis Schwandorf zum Beispiel gingen bisher nach Regensburg auf die Berufsschule. Ab dem 1. August 2011 werden sie in Wiesau beschult. „Natürlich gibt es Betroffene, alles in allem aber werden die Fahrtstrecken für die wenigsten wesentlich länger“, sagt Kohl. „In manchen Fällen verkürzt sich der Schulweg sogar.“

Teufel steckt im Detail
Ob die Betriebe ihre Azubis fortan im Heimatlandkreis auf die Berufsschule schicken können, hängt nicht nur vom jeweiligen Ausbildungsberuf ab, sondern auch davon, in welchem Ausbildungsjahr der Nachwuchs steckt. Während ein Azubi im ersten Jahr (Jahrgangsstufe 10) meist noch betriebsnah beschult werden kann, sinkt mit den Jahrgangstufen 11 und 12 meist die Anzahl der Standorte, an denen sie beschult werden können. Doch auch hier gibt es Positivbeispiele. Elektroniker für Betriebstechnik aus dem Landkreis Cham etwa mussten bisher nach dem ersten Lehrjahr an die Schwandorfer Berufsschule wechseln. Bald können Sie auch im zweiten Jahr in Cham bleiben.

Heute gibt es deutschlandweit 350 verschiedene Ausbildungsberufe. Wenn immer weniger Nachwuchs aus solch einer Vielzahl an Berufen auswählen kann, bleibt in Zukunft wohl nichts anderes übrig, als über Landkreisgrenzen hinweg zu beschulen. Nicht jede Ausbildung erfreut sich so hoher flächendeckender Azubiquoten wie die der Einzelhandels- oder Industriekaufleute. Wie können aber lange Schulwege vermieden werden? „Gemeinsame Rahmenlehrpläne ermöglichen eine längere Beschulung in Heimatnähe“, empfiehlt IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Helmes. Denn dann werden auch in weniger stark nachgefragten Berufsgruppen entsprechende Klassenstärken erreicht. Zur Vertiefung geht es dann an eine Berufsschule in der Region, die für die jeweilige Ausbildung über spezielles Expertenwissen verfügt.

Peter Burdack, IHK Regensburg für Oberpfalz / Kelheim 

Wirtschaft konkret, Juni 2011