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08.02.2012
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10.02.2012
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Schöne neue Technikwelt. Die Zeiten, in denen Sie eine Aufgabe nach der anderen auf einer To-do-Liste abhaken konnten, sind gezählt. Multitasking lautet das Gebot der Stunde. Nur fragt sich, ob uns das wirklich weiterhilft.
Im Meeting nicht aufgepasst, weil Sie am Blackberry rumgespielt haben. Die einzige Palme, die Sie im Urlaub gesehen haben, war die auf dem Hintergrundbild Ihres Laptops. Kundengespräch vermasselt, weil dauernd wichtige Anrufe dazwischenkamen. Je mehr Sie sich den Segnungen des Informationsalters hingeben, umso mehr halsen Sie sich dabei auf. Der Mensch scheint für die multiple Nutzung elektronischer Kommunikationshilfen nicht geschaffen, beim Multitasking verliert er den Überblick. Das Paradoxon des Informationszeitalters lautet: Wir wissen immer weniger.
Bei Software-Problemen wird gerne der Ausdruck „nicht kompatibel“ verwendet. Nicht nur das Zusammenspiel von Platine und Programm, auch die Symbiose von Anwender und Anwendung mag nicht immer klappen. Doch an modernen Kommunikationsmitteln kommt heute kein Unternehmen mehr vorbei. „Die Frage ist nicht, ob wir digitale Kommunikationstechnologien in den Unternehmen einsetzen, sondern wie wir sie produktiv und effizient für unsere Arbeit nutzen", erklärt Rainer von Kiparski, Professor am Institut für Arbeitswissenschaft und Betriebsorganisation in Karlsruhe und Vorstandsvorsitzender im Verband Deutscher Sicherheitsingenieure.
Wenn Rechner überhitzen
In der modernen Kommunikation wachsen Ihnen und Ihren Mitarbeitern die Möglichkeiten über den Kopf: Das menschliche Gehirn ist permanenten Mehrfachbelastungen nicht gewachsen. „Wenn Sie mehrere komplexe Aufgaben gleichzeitig erledigen müssen, steigt gleichzeitig die Fehlerquote“, so der Arbeitswissenschaftler von Kiparski. Wertvolle Arbeitszeit müsse dann dafür aufgebracht werden, Fehler zu korrigieren und sich der als eigentlich anstehenden Aufgaben wieder zu besinnen. Das Arbeitsvolumen bleibe bei der gleichzeitigen Anwendung mehrerer Geräte bestenfalls gleich, meist verringere es sich sogar.
Testen Sie das ganze einmal an sich selbst. Arbeiten Sie an einem Tag mit ständig geöffnetem E-Mail-Programm und am anderen checken Sie nur ein paar mal Ihre E-Mails und arbeiten sie blockweise ab. Ziehen Sie am Ende jedes Arbeitstages ein Fazit, was Sie effektiv geleistet haben und vergleichen Sie die beiden Tage einmal miteinander.
Taylors Schatten
Frederick W. Taylor beobachtete einst das Verhalten von Bauarbeitern mit Schaufeln, um deren optimalen Arbeitseinsatz zu ermitteln. 9,5 Kilogramm Aushubmaterial pro Schaufelladung lautete sein Ergebnis. Fortan konnte Taylor das als Idealmaß vorgeben. In den Fängen des Taylorismus konnte es sich der Schaufelnde dann nicht mehr aussuchen, wann er mal schneller, wann langsamer arbeitete oder wann er sich eine Auszeit gönnte.
Für den FAZ-Herausgeber Frank Schirrmacher ist das moderne elektronische Multitasking ein „digitaler Taylorismus“. In seinem Buch „Payback“ meint er damit, dass wir bei Übernutzung all dieser Kommunikationsmittel unsere Kreativität, Flexibilität und Spontaneität verlieren würden, da wir immer mehr nach dem Takt der Maschinen leben müssten. Er sagt: „Multitasking ist Körperverletzung“.
Ein großer Vorteil des Computers ist ja der, dass er mehrere Aufgaben auf einmal erledigen kann. Oft merken Sie gar nicht, welche Prozesse im Hintergrund ablaufen, wenn Sie zum Beispiel gerade einen Text in Word schreiben. Die Technik wird dabei immer intelligenter, verselbstständigt sich und auf einmal dreht sich der Spieß um: Wenn es „ping“ macht unterbreche Deine Arbeit und öffne Dein Postfach – und schon gehorcht der Mensch der Maschine, und nicht mehr umgekehrt.
Sie kennen diese menschliche Angst aus Charlie Chaplins „Moderne Zeiten“ oder von Arnold Schwarzenegger in „Terminator“. Der Technik hilflos ausgeliefert und irgendwann übernehmen die Maschinen die Macht über uns. Zum Glück haben Sie heute noch die Wahl: Ziehen sie einfach den Stecker! Der Vorteil an einer E-Mail etwa ist der, dass sie nicht sofort beantwortet werden muss. Ihr Gegenüber erwartet das übrigens auch gar nicht, sonst hätte es angerufen. Auf den bewussten Einsatz der Kommunikationsmittel kommt es an, nicht darauf, dass Sie möglichst viel kommunizieren. Sowohl für den Terminator als auch für die automatische Abwesenheitsnotiz gilt letztendlich der gleiche Satz: „Ich komme wieder.“
Peter Burdack
IHK Regensburg für Oberpfalz / Kelheim
Wirtschaft konkret, Mai 2010