Bundesbeste Azubis aus dem IHK-Bezirk - Botschafter für Beruf und Betrieb

01.01.2012

Vier Auszubildende aus dem IHK-Bezirk wurden bei einer großen Preisverleihung der IHKs in Berlin als bundesweitbeste Auszubildende ihres Faches aus-gezeichnet. Das ehrt die jungen Leute, ihre Ausbilder und ihre Unternehmen.

Eine immense Leistung der jungen Menschen, aber auch Zeugnis des hohen Ausbildungsniveaus der Unternehmen in unserer Region“, freute sich der Hauptgeschäftsführer der IHK Regensburg für Oberpfalz / Kelheim, Dr. Jürgen Helmes, über die Nachricht aus Berlin. Vier junge Menschen aus der Oberpfalz wurden im Dezember als Bundesbeste ihres Ausbildungsberufs ausgezeichnet. „In Ostbayern herrscht heute in vielen Bereichen Vollbeschäftigung. Wer qualifizierte Mitarbeiter beschäftigen möchte, sollte über eine hervorragende betriebliche Ausbildung seinen Nachwuchsselbst heranziehen“, rät er.

Die bundesbesten Azubis 2011 aus dem IHK-Bezirk sind: Matthias Kummert, Technischer Zeichner bei der Deutsche Steinzeug AG in Schwarzenfeld sowie der Fertigungsmechaniker Christoph Wolf von BMW Regensburg und zwei junge Menschen aus Eschenbach in der Oberpfalz: der Bankkaufmann Stefan Gebert von den Vereinigten Sparkassen Eschenbach i.d.Opf. sowie der Oberflächenbeschichter Daniel Fichtner von der Curamik GmbH. Überreden ist Gold
Nach der Schule hatte sich Daniel Fichtner bei der Eschenbacher Curamik als Mechatroniker beworben, wie die meisten jungen Leute, deren Bewerbungsmappen bei Ausbildungsleiter Johannes Beierl auf dem Schreibtisch landen. „Für die Ausbildung zum Oberflächenbeschichter bewerben sich leider nicht so viele“, sagt Beierl, der beim Durchforsten der Mappen in Fichtners Bewerbung unter Hobby „Chemie“ entdeckte. Für ihn Anlass, den jungen Mann zu überreden, es als Oberflächenbeschichter, früher sagte man Galvanisierer, zu probieren – bei Curamik das Kerngeschäft. Die Entscheidung hat der heute 19-jährige Fichtner nicht bereut.

Curamik versteht sich darauf, Kupferfoliendirekt mit elektrisch isolierender Keramik zu verbinden. In Eschenbach produzierte Leiterplatten finden sich weltweit in Antriebssteuerungen für Aufzüge, Pumpen oder Klimaanlagen, in Elektrofahrzeugen oder in Anlagen für die Erzeugung erneuerbarer Energien. „Das Produkt ist äußerst hochwertig und präzise, denn die Spannungen, die die Platten aushalten müssen, sind sehr groß“, erklärt Daniel Fichtner. Wo Kupfer als Spannungsleiter nicht ausreicht, werden die Platten mit anderen Edelmetallen, Gold, Nickel, Silber oder Palladium beschichtet. Wie das geht, und welches Edelmetall in welcher Dicke der Kunde benötigt, das ist heute mit Aufgabe von Daniel Fichtner, der jetzt bei Curamik in der Prototyping-Abteilung arbeitet. Er ist nicht nur zum wichtigen Mitarbeiter geworden, sondern wirbt jetzt auch als Botschafter für Fach und Firma: „Auf Ausbildungsmessen stelle ich meinen Beruf vor, zum Beispiel vernickeln wir mit den Schülern zusammen Münzen.“

Lernen mit Mehrwert
Ausbildungsleiter Beierl freut sich über die Leistung seines Schützlings: „Uns ist es wichtig, die Azubis wertschöpfend einzusetzen.“ Lernen mit Mehrwert lautet die Formel. So arbeiten die Azubis von Curamik etwa an eigenen Projekten, die später in die Realität umgesetzt werden. „Das läuft meist so: Unsere Forschungsabteilung beauftragt die Azubis mit der Lösung eines Problems, etwa im Bereich Messautomatisierung. Die jungen Leute setzen dann im Team das Projekt um, vom Entwurf über den Materialeinkauf zur Konstruktion bis hin zum Schreiben der Gebrauchsanleitung.“ Sie lernen dabei nicht nur Eigenverantwortung und Teamwork, sondern leisten auch einen wichtigen Beitrag zum Unternehmenserfolg.

Dreimal in Folge Bester
Ausbilder Gerhard Rewitzer von der Deutsche Steinzeug Cremer & Breuer AG in Schwarzenfeld entlässt mit einem weinenden und einem lachenden Auge seinen Azubi Matthias Kummert, der bundesbester technischer Zeichner in diesem Jahr geworden ist. Matthias zieht es nach der Ausbildung ins Studium. „Ich habe gerade die BOS angefangen und will bald schon ein Maschinenbaustudium an der HAW in Amberg machen.“ Die Heimatnähe ist ihm in jedem Fall wichtig, er spielt Trompete im Orchester und ist in vielen Vereinen aktiv. „Natürlich lässt man so jemanden nicht gerne ziehen“, so Ausbilder Rewitzer. Er ist sich sicher, dass sein Schützling einmal ein hervorragender Konstrukteur wird. „Beste Grundlagen dafür hat er bei uns gelernt.“

In seinem Büro steht Rewitzer stolz vor einer Wand mit Auszeichnungen. „Wir stellen pro Jahrgang nur einen Azubi als technischen Zeichner ein, und haben es dennoch geschafft, die letzten drei Jahre immer den besten technischen Zeichner in der Region auszubilden.“ Er zeigt auf die Urkunden der IHK Regensburg und landet schließlich beider obersten, der von Matthias Kummert. „Matthias setzt dem ganzen natürlich das i-Tüpfelchen auf. Bundesbester, da hat er sogar die Azubis von Weltkonzernen hinter sich gelassen.“ Wie hat Matthias das geschafft? „Natürlich hatte er super Noten, als er sich bei uns beworben hatte“, erklärt Ausbilder Rewitzer. Für besagtes i-Tüpfelchen folgte er der Maxime „Als Ausbilder muss man den jungen Menschen immer das Gefühl geben, gefordert zu sein.“ Und bei Matthias legte er die Messlatte besonders hoch. Die letzten drei Monate der Ausbildung haben Matthias dann am besten gefallen. „Da habe ich oft selbst das Büro geschmissen und bekam viel Eigenverantwortung.“

Werbetrommel rühren
Werksleiter Reinhold Walber weiß um den Nutzen der IHK-Auszeichnung: „Gerade in Zeiten des Fachkräftemangels ist das eine gute Möglichkeit, sich in der nahen Umgebung von der Konkurrenz um junge Leute abzusetzen.“ Die Deutsche Steinzeug beschäftigt im Werk Buchtal bei Schwarzenfeld rund 550 Mitarbeiter. Im technischen Dienst bildet das Unternehmen schon immer mehr Auszubildende aus, als man später benötigt. „Was diesen Bereich angeht, haben wir eigentlich nie Sorgen, Fachkräfte zu finden.“ Ein für das Unternehmen wichtiger Ausbildungsberuf aber ist der Industriekeramiker. „Ein Exotenberuf und entsprechend müssen wir Werbung dafür machen.“ Das geschieht auf Ausbildungsmessen, in Schulen oder im Gespräch mit Lehrern.  Mundpropaganda sei noch immer die beste Möglichkeit, zu zeigen, dass man tolle Perspektiven bieten kann.

Peter Burdack

Wirtschaft konkret, Januar 2012