Grenzenlose Erfolgsaussichten am ehemaligen „Eisernen Vorhang“

Eine Kontaktbörse, wie es sie in dieser Form noch nie gegeben hatte: Die IHK Regensburg hat jetzt Unternehmer, Studenten und Absolventen beiderseits der Grenze zusammengebracht. Das Hauptfazit aus Sicht der Unternehmen: Die Erfolgsmöglichkeiten bei einem Blick über die böhmische Grenze sind noch längst nicht ausgeschöpft.

Es ist vielleicht das schönste Weihnachtsgeschenk, das die Europäische Union den Menschen und Unternehmen in Ostbayern macht: Ab 21. Dezember gehören die Grenzkontrollen zu Tschechien der Vergangenheit an. Drei Tage vor Heiligabend tritt die Tschechische Republik dem Schengener Abkommen bei.

Nach Tschechien ohne jede Kontrolle – das ist für Unternehmen, aber auch für Studenten und Nachwuchsakademiker eine starke Botschaft: In Zukunft kann man zwischen Cham und Tachov, zwischen Regensburg und Pilsen genauso leicht pendeln wie zwischen Passau und Linz.

Idealer Zeitpunkt für die tschechische „Markteroberung“
Diese Entwicklung kommt für viele ostbayerische Unternehmen gerade richtig, glaubt Werner Dandl, der Inhaber der Internet-Marketing-Agentur dw2000 in Cham-Willmering. Dandl hat festgestellt, dass sich die grenzüberschreitenden Aktivitäten der Betriebe und Dienstleister in den vergangenen Jahren stark gewandelt haben: „Früher ging es darum, mit mehrsprachigen Seiten zu sagen: Schaut her, mich gibt es auch“, erklärt er. Heute sei das Ziel, auf der anderen Seite der Grenze in Online-Shops zu verkaufen. Ein tschechischer Dachziegelhersteller vertreibt jetzt online in Deutschland, ein bayerischer Gartenzaunhersteller setzt auf E-Business zwischen Pilsen und Prag.

„Jetzt ist die ideale Stunde, um den tschechischen Markt mit Angeboten zu erobern“, sagt Werner Dandl. Denn in den vergangenen Jahren sei die Kaufkraft der Tschechen gestiegen, viele Unternehmen seien zudem wirtschaftlich gesund und könnten investieren. Mehr als 20 Unternehmen, Organisationen und Hochschulen präsentierten sich deswegen auf Einladung der IHK Regensbug im Centrum Bavaria Bohemia bei der Personalmesse „Karriere ohne Grenzen“ in Schönsee.

Unternehmen ergreifen selbst die Initiative
Führung- und Fachkräfte werden nicht nur in Bayern knapp: In Tschechien beklagen die Unternehmen, es gebe zu wenig Absolventen in den Studiengängen Maschinenbau und Elektrotechnik und in bestimmten Branchen auch zu wenige Facharbeiter.

Deshalb haben mehrere tschechische Unternehmen mit deutschen Muttergesellschaften jetzt selbst die Initiative ergriffen. Fünf Firmen, Suspa, EMZ, Gerresheimer Wilden, Scherdel und Grammer, haben den westböhmischen Firmenkreis gegründet, um in einem EU-Projekt gemeinsam Mechaniker zur Betriebsmittelwartung auszubilden. Weitere Unternehmen, sagt Eva Burger von der Organisation, seien im Firmenkreis herzlich willkommen. Kontakt: veit.schmucker@emz.cz.
Jens Henning

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