Gemeinsam geht es besser

01.12.2009

Die IHK Regensburg für Oberpfalz / Kelheim erinnert an den Fall des Eisernen Vorhangs

„Wir sind gekommen, um Ihnen zu sagen…“ Tschechische und deutsche Schüler ließen nicht locker, bis er ihn noch einmal sagte, den berühmten unvollendeten Satz, den Genscher, vom Balkon der Prager Botschaft aus, tausenden von DDR-Flüchtlingen überbrachte und ihnen so die Ausreise in die Bundesrepublik ermöglichte. Bei der Festveranstaltung „20 Jahre Fall des Eisernen Vorhangs“ verständigten sich Wirtschaft und Politik auf gemeinsames grenzüberschreitendes Engagement.

Es ist jetzt 20 Jahre her: Einen Tag vor Weihnachten, am 23. Dezember 1989, durchschnitten Hans Dietrich Genscher und Jiri Dienstbier in Rozvadov/Waidhaus bei Furth im Wald den Eisernen Vorhang. Sechs Wochen nach dem Fall der Berliner Mauer fiel in Ostbayern die unmenschliche Grenze zur damaligen Tschechoslowakei. Mitte November richtete die IHK den Blick auf die Grenze im Landkreis Cham und erinnerte nahe am Ort des Geschehens in Furth im Wald gemeinsam mit der Regierung der Oberpfalz, der Bezirkswirtschaftskammer in Pilsen und der Pilsner Bezirksregierung an dieses historische Datum.

Die wahren Helden
Prominentester Gast beim Festakt war Bundesaußenminister a.D. Hans-Dietrich Genscher. Gefragt von Moderatorin Heidi Wolf, der Pressesprecherin des Bayerischen Landtags, blickte er unaufgeregt und sehr persönlich noch einmal zurück in die späten Jahre des Kalten Krieges als die Mauer bröckelte und der Eiserne Vorhang schneller zu rosten schien als in den Jahren vorher. Bescheiden lenkte der in Halle geborene Genscher von sich selbst ab und nannte die Menschen in Warschau, Prag, Leipzig, Berlin und anderen Städten Europas „die wahren Helden“. Die Regimegegner in der Danziger Werft, die Demonstranten auf dem Wenzelsplatz initiierten die politische Wende Europas. Genschers diplomatisches Geschick, seine vertrauensvollen Kontakte zu Papst Johannes Paul II, Eduard Schewardnadse, dem Außenminister der UDSSR oder Jiri Dienstbier, seinem tschechischen Amtskollegen, wirkten im Hintergrund.

Schicksalsjahr 1989
Genscher resümierte: „1989 sollte zum Schicksalsjahr für eine bessere Zukunft Europas werden. Die Europäer haben nach den dramatischen Erlebnissen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts gezeigt: Man kann aus der Geschichte lernen und man kann lernen - gemeinsam geht es besser“, so formulierte Genscher die historische Qualität der Ereignisse von 1989. Wenn es im 21. Jahrhundert um eine neue Weltordnung gehe, dann kämen die Europäer nicht mit leeren Händen. IHK-Präsident Peter Esser erinnerte: „Die europäische Geschichte hat gezeigt, dass nur grenzüberschreitende Kooperationen zu historischen Erfolgen führen.“ Die Qualität gemeinsamen grenzüberschreitenden Handelns stellte auch Thomas Hanauer, Geschäftsführer der emz-Hanauer GmbH & Co KGaA in den Mittelpunkt seiner Festrede. Er appellierte an Wirtschaft und Politik, den Begriff „Europaregion“ ernst zu nehmen und sich grenzüberschreitend in Ostbayern, Westböhmen und Oberösterreich für ein starkes Miteinander zu engagieren.

Der Begriff „Europaregion“ sei ein Standortprädikat und keine Zweckgemeinschaft zur Beschaffung von Fördermitteln, mahnte Hanauer und zeichnete ein starkes Bild von der Zukunft einer Europaregion (siehe Gastkolumne).

Julia Weigl, IHK Regensburg für Oberpfalz / Kelheim

Wirtschaft konkret, Dezember 2009