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Wenn auch Sie einen Teil Ihres Archivs ins Wirtschaftsarchiv auslagern möchten
Ihre Ansprechpartnerin ist:
Dr. Eva Moser
Bayerisches Wirtschaftsarchiv
Gemeinschaftseinrichtung der Bayerischen Industrie- und Handelskammern
Telefon 089/5116-285, Fax 089/5116-5634
E-Mail moser@muenchen.ihk.de
Internet www.bwa.findbuch.net
Regensburger Firmen im Rückspiegel
Bis zum 30. April zeigt der Kunst- und Gewerbeverein in den Räumen in der Ludwigstraße 6 in Regensburg die Ausstellung „20er Jahre - Es ist eine Lust zu leben!“
Die kulturgeschichtliche Schau thematisiert Kunst, Kunstgewerbe und Gewerbe, Stadt, Stadtentwicklung und Architektur. Sie rückt nicht nur das Schillernde der Roaring Twenties ins Bild, sondern stellt die alltäglichen Nöte und Freuden in einen stadtgeschichtlichen Zusammenhang. Begleitend zu dieser Ausstellung, ist ein für die Wirtschaftsgeschichte der Stadt hochinteressantes Werk vorgelegt worden.
Unter dem Titel „Uns gab’s schon damals. Krisenfeste Firmen und Institutionen“ haben Klaus Caspers, Rudolf Ebneth und Gerd Otto ein Buch herausgegeben, das sein Augenmerk auf jene Firmen richtet, die bereits in den 20er Jahren das Wirtschaftsbild der Stadt geprägt haben und das nach wie vor tun. Von Glas Adamer bis Zirngibel Haustechnik sind darin ungefähr 100 Firmen portraitiert.
Caspers, Klaus, Ebneth, Rudolf, Otto, Gerd (Hg.): Uns gab’s schon damals. Krisenfeste Regensburger Firmen und Institutionen, 14,90 Euro, ISBN 978-3-00-029226-2.
Im Bayerischen Wirtschaftsarchiv heben Historiker und Archivare auf, was Unternehmer für zu wertvoll halten, um es dem Reißwolf zum Fraß vorzuwerfen. So dient verstaubtes Inventar zur Rekonstruktion so mancher Firmengeschichte.
Was haben Altbundeskanzler Helmut Schmidt und der Räuber Hotzenplotz gemeinsam? Genau, beide sind passionierte Schnupfer. Zu den ältesten Herstellern des beliebten „Niespulvers“ gehört die 1733 gegründete Firma Bernard aus Offenbach am Main, die 1812 für den Export nach Bayern aus zollrechtlichen Gründen in Regensburg einen Betrieb errichtete. Heute produziert die Schnupftabakfabrik ihre Traditionsmarken wie „Civette extrafein“, „gekachelter Virginie“ oder „Original Schmalzlerfranzl“ in Sinzing. Die traditionsreiche Geschichte der Manufaktur hat sich in einer Vielzahl wertvoller historischer Originaldokumente im Bayerischen Wirtschaftsarchiv erhalten. Dort befinden sich mehr als 200 Archivbestände traditionsreicher Unternehmen und Wirtschaftsorganisationen aus ganz Bayern, vom mainfränkischen Schiffbau über die schwäbische Textilindustrie bis zum oberbayerischen Braugewerbe. In den „Schatzkammern“ des Archivs lagern auf rund 5.000 Regalmetern wertvolle historische Bild-, Schrift- und Tondokumente.
Mehr als Altpapier
Nur wenige Unternehmen und Verbände leisten sich ein eigenes Archiv. Häufig fristen historische Unterlagen in Kellern und Dachböden ein verstaubtes Dasein oder fallen der Vergessenheit anheim. Bei Standortverlagerungen, Betriebsstilllegungen und Konkursen endet ein unwiederbringlicher Dokumentenschatz häufig im Reißwolf.
Um der Historie ihrer Mitgliedsunternehmen eine neue und gesicherte Bleibe zu bieten, haben die bayerischen Industrie- und Handelskammern 1994 das Bayerische Wirtschaftsarchiv als Gemeinschaftseinrichtung ins Leben gerufen. Vorläufer war das acht Jahre zuvor gegründete IHK-Wirtschaftsarchiv der Industrie- und Handelskammer für München und Oberbayern, das seine Bestände in die neue landesweite Einrichtung einbrachte.
Doch nicht nur „Altpapier“ liegt in den Magazinen. Mit Taschenlampe und Stemmeisen bewaffnet, haben die Mitarbeiter des Archivs so manchen „Schatz“ ans Tageslicht befördert: historische Fotos aus der Arbeitswelt von einst, das erste bayerische Tischtelefon, das Plakat der ersten Kraftund Arbeitsmaschinenausstellung 1888, für die Seine Königliche Hoheit, der Prinzregent, als „Protector“ wirkte.
Flugblätter vom Bayern-Streik
Das Bayerische Wirtschaftsarchiv verwahrt aber nicht nur Nostalgisch- Schönes. Zu den Raritäten zählt etwa der Vertrag, mit dem die Baumwollspinnerei Kolbermoor 1873 die „Todtenfrau“ Cäcilie Bertl für den werkseigenen Friedhof verpflichtete. Alte Aktenbände erzählen von den Problemen der Inflationszeit und der Mühsal des Wiederaufbaus nach dem Zweiten Weltkrieg. Fotos und Flugblätter dokumentieren den harten Arbeitskampf von 1954, der als Bayern-Streik in die Geschichte einging.
Umfangreiche Sammlungen mit Firmenschriften, Geschäftsberichten bayerischer Unternehmen oder Dekorativem wie alten Briefbögen und Postkarten ergänzen den breitgefächerten Bestand des Wirtschaftsarchivs. Dazu zählen auch die farbenprächtigen Werbemarken, die unsere Großeltern so leidenschaftlich sammelten und in große Alben klebten.
Anlaufstelle für alle
Die Quellenlage zu Industrie, Handel und Dienstleistungen im Bayerischen Wirtschaftsarchiv ist immens. Das Bayerische Wirtschaftsarchiv versteht sich als Partner von Wirtschaft und Wissenschaft. Unternehmen und Verbände können für Jubiläumsvorbereitungen, Festschriften oder Werbemaßnahmen problemlos auf die Archivbestände zurückgreifen. Zugleich ist das Wirtschaftsarchiv Anlaufstelle für wirtschafts-, technik- und sozialgeschichtliche, aber auch heimatkundliche Forschungsvorhaben. Dabei verstehen sich guter Service, hohe Benutzerfreundlichkeit und Sachkompetenz der Archivmitarbeiter von selbst.
Als echte Selbstverwaltungseinrichtung arbeitet das Landeswirtschaftsarchiv ganz ohne staatliche Zuschüsse. Es trägt sich über die bayerischen IHKs und über das die Unterstützung eines gemeinnützigen Förderkreises. Rund 180 Unternehmen, Organisationen und Persönlichkeiten der Wirtschaft unterstützen die Aufgaben und Ziele dieser im Freistaat einmaligen Institution. Neue Mitglieder sind immer herzlich willkommen.
Eva Moser, Bayerisches Wirtschaftsarchiv
Wirtschaft konkret, Februar 2010