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Liquiditätsmanagement in der Krise - So bleiben Sie flüssig

01.02.2010

IHK Service


Broschüren zum Thema

Das Servicepaket zur Mittelstandsfinanzierung und zum Krisenmanagement bietet Unternehmen ein systematisches, modular aufgebautes Informations-, Schulungs- und Beratungsangebot, das den Dialog zwischen Unternehmen und Kreditwirtschaft verbessert, den Unternehmen Handlungsbedarfe und Handlungsmöglichkeiten zur Verbesserung des Rating und zur Unternehmenssicherung aufzeigt und ihnen gerade in schwierigen wirtschaftlichen Situationen konkrete Hilfestellung geben soll.

Die Broschüre „Finanzierungsalternativen“ stellt die wichtigsten alternativen Finanzierungsinstrumente zum klassischen Bankkredit in knapper Form dar und beleuchtet deren Eignung für mittelständische Unternehmen. Einen Schwerpunkt bildet dabei die Gegenüberstellung der Vor- und Nachteile der einzelnen Instrumente. Für ein Unternehmensrating unter Basel-II-Bedingungen ist insbesondere die Frage interessant, inwieweit mit den vorgestellten Finanzierungsoptionen positive Wirkungen in der Bilanzstruktur verknüpft sind, die zur Sicherung des künftigen Kreditzugangs beitragen können.

Die Broschüre „Kreditverhandlungen erfolgreich führen“ bereitet gezielt auf die entscheidenden Gespräche mit der Hausbank vor. Sie bietet Informationen und viele Tipps für die richtige Verhandlungsstrategie sowie einen Überblick über die wichtigsten Bonitätskriterien. Arbeitsblätter und Checklisten ermöglichen jedem Unternehmer eine Stärken- und Schwächenananalyse im Vorfeld der Kreditverhandlungen.

Sie können die Broschüren kostenlos bestellen bei
Armgard Schneider
Telefon 0941/5694-216, Fax 0941/5694-5216
E-Mail schneider@regensburg.ihk.de

Die deutsche Wirtschaft erholt sich langsam. Doch stehen vielen Firmen schwierige Zeiten bevor: Bayerns Wirtschaftsminister Martin Zeil befürchtet eine „verschärfte Kreditklemme“. Der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Martin Wansleben, mahnt: „Der Aufschwung darf jetzt nicht von einer Kreditklemme abgewürgt werden.“ Wirtschaft konkret analysiert die Möglichkeiten, die Ostbayerns Unternehmen haben, um 2010 liquide zu bleiben.

„Die Unternehmensfinanzierung ist im Moment das wichtigste Thema“, sagte DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben Ende Dezember in einem Interview. Deutschlands Industrie- und Handelskammern machen das Thema 2010 zur Chefsache. Für den 11. März ist ein Kreditgipfel mit Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble und Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle geplant. Mit dabei, der von der Bundesregierung eingesetzte Kreditmediator Hans-Joachim Metternich. Auch die IHK Regensburg für Oberpfalz / Kelheim hofft: „Wir müssen im Umgang mit Finanzierungsfragen zu neuen Formen des Aufeinanderzugehens gelangen“, fordern Hauptgeschäftsführer Dr. Jürgen Helmes und Geschäftsführer Dr. Reinhard Rieger. Letzterer kümmert sich bei der IHK seit vielen Jahren um die Finanzierung mittelständischer Unternehmen.

Wie wichtig dieses Thema für deutsche Unternehmen ist, zeigt ein Blick auf die Ergebnisse der jüngsten Umfrage des DIHK im Herbst 2009. Fast ein Drittel der Betriebe gab an, die Kreditversorgung habe sich gegenüber dem Vorjahr verschlechtert. Rund 5.000 Antworten wurden in dieser Befragung ausgewertet. Besonders brisant ist demnach die Lage in den mittelständischen Unternehmen, während viele Großunternehmen dank der Entspannung an den Aktien- und Anleihemärkten ihre Finanzierungssituation stabilisieren konnten. Bei den Mittelständlern indes verdoppelte sich im Vergleich zum Frühsommer 2009 die Zahl der Unternehmen, die mit ungünstigeren Konditionen und Kreditablehnungen konfrontiert waren. Bei zwei von drei Firmen, die schlechtere Bedingungen bei der Vergabe feststellten, forderten die Banken höhere Sicherheiten und verlangten höhere Zinsen.

Eingetrübte Bilanzen
Ein weiterer Aspekt macht vielen Unternehmen – auch in Ostbayern – zunehmend zu schaffen: Weil die ungünstige Auftragslage 2008 und 2009 die Bilanzen trübt, verschlechtern sich die Bonitäts- und Ratinganalysen der Banken. Die Folge: zum Teil hohe Risikoaufschläge bei der Kreditaufnahme. „Von diesem Effekt sind sogar Firmen betroffen, deren Perspektiven sich inzwischen schon wieder verbessert haben“, weiß IHK-Finanzierungsexperte Dr. Rieger.

Auch Bayerns Wirtschaftsminister Martin Zeil rechnet aus den oben dargelegten Gründen mit einer „verschärften Kreditklemme“. Das gab er Ende Dezember in einem Interview mit der Nachrichtenagentur ddp zu Protokoll. „Kreditversorgung wird 2010 ein ganz großes Thema“, sagte Zeil weiter. Dabei kritisierte der Minister insbesondere die hohen Zinsen bei kurzfristigen Kreditlaufzeiten. Der FDP-Politiker sieht einen Konflikt zwischen der „Verpflichtung der Banken, ihre Kredite durch mehr Eigenkapital und Risikozuschläge abzusichern, und dem Bedürfnis der Wirtschaft nach frischem Geld“, zitiert die Agentur. Zeil monierte Bonitätsprüfungen, die mitunter zu streng gehandhabt werden. Sein Appell: „Die Banken dürfen an sich gesunde Unternehmen nicht durch zu große Kreditzurückhaltung in ihrer Existenz gefährden.“

Kostenlose Bonitätsanalyse
Welche Möglichkeiten haben ostbayerische Unternehmen, im Jahr 2010 liquide zu bleiben und die eigenen Kreditkonditionen möglichst optimal zu gestalten? Immer noch gilt: Ein gutes Rating ist die Grundlage für gute Bedingungen auf dem Weg zu frischem Geld. Die Deutsche Bundesbank unterstützt den deutschen Mittelstand mit der Möglichkeit einer kostenlosen Bonitätsanalyse. „Damit können Unternehmen herausfinden, wo sie stehen und möglicherweise die Stellschrauben finden, an denen sie drehen können“, sagt Dr. Reinhard Rieger von der IHK.

Die Auswertung der eingereichten Jahresabschlüsse wird in einem Faktenblatt zusammengefasst. Dessen erster Teil bildet das betriebswirtschaftliche Profil des Unternehmens ab. Dafür verwenden die Bundesbanker Kennzahlen zu Ertragslage (Umsatz- und Betriebsrendite), Innenfinan- zierung und Liquidität (Einnahmenüberschussquote, Kapitalrückflussquote, Schuldentilgungsfähigkeit, Debitoren- und Kreditorenumschlag) sowie Kapitalstruktur (Eigenkapital- und Eigenmittelquote). Der zweite Teil des Faktenblatts stellt Zahlen aus der Bilanz sowie der Gewinn- und Verlustrechnung dar. Ferner ermittelt die Bundesbank unterschiedliche Cashflowgrößen (aus laufender Geschäfts-, aus Investitions- und aus Finanzierungstätigkeit). Den ermittelten Werten werden relevante Branchenvergleichszahlen (Medianwerte) gegenübergestellt. Damit können Unternehmen Rückschlüsse auf ihre Stellung im Branchenumfeld ziehen, Stärken und Schwächen des Unternehmens werden herausgearbeitet.

Türöffner im Kreditgeschäft
Was kaum bekannt ist: Banken und Sparkassen können Kreditforderungen an Unternehmen, die die Bonitätseinstufung „notenbankfähig“ erhalten haben, als Sicherheit für ihre eigene Refinanzierung bei der Deutschen Bundesbank verwenden. Für das beurteilte Unternehmen kann sich dies im Geschäftsverkehr mit Kreditinstituten und anderen Unternehmen als ausgesprochen nützlich erweisen. Das Bonitätsurteil ist in sieben Rangstufen aufgefächert (Rangstufe 1 bis 3 heißt notenbankfähig, 4 bis 7 nicht notenbankfähig), um dem analysierten Unternehmen eine genaue Einschätzung zu geben. Notwendig für die Analyse durch die Bundesbank sind zwei, besser drei Jahresabschlüsse. Das Analyseergebnis liegt dem Unternehmen nach Angaben der Deutschen Bundesbank zurzeit innerhalb von etwa zwei Wochen nach dem Einreichen aller Unterlagen vor.

Staat fördert Unternehmen
Neben der Optimierung des eigenen Ratings haben Unternehmen noch andere Möglichkeiten: staatliche Bürgerschaften und Förderkredite der staatlichen bayerischen Förderbank LfA. Pro Jahr stehen über dem sogenannten Bayerischen Mittelstandsschirm 2009 und 2010 jeweils zusätzlich hundert Millionen Euro zur Verfügung. Im vergangenen Jahr vermittelte die LfA insgesamt Kredite in einer Gesamthöhe von 463 Millionen Euro an knapp 2.000 bayerische Unternehmen. Bayerns Wirtschaftsminister Zeil kündigte an, die staatlichen Bürgschaften könnten bei Bedarf in diesem Jahr aufgestockt werden. Zusätzlich erhält die BayernLB für 2010 ein Globaldarlehen in Höhe von ebenfalls hundert Millionen Euro, das sie nach eigenen Angaben in zinsgünstige Einzeldarlehen für ihre mittelständischen Firmenkunden umwandeln will.

Rettungspläne und Akutkredite
Der Bayerische Mittelstandsschirm eröffnet Unternehmen in Schwierigkeiten noch weitere Wege, die Krise zu meistern. Dazu gehören unter anderem Rettungs- und Umstrukturierungsbürgschaften bei der LfA. Mit einer Laufzeit von sechs Monaten und einem Bürgschaftssatz von bis zu 80 Prozent haben Betriebe die Möglichkeit, ihr Geschäft weiterzuführen und einen Umstrukturierungsplan zu erarbeiten, um im zweiten Schritt mit der Sanierung ihres Unternehmens zu beginnen. Ist die erste Stufe geschafft, müssen die Maßnahmen aus dem Rettungsplan umgesetzt und die langfristige Rentabilität des Unter- Eine Voraussetzung für die Bürschaft ist, dass der Betrieb, je nach Unternehmensgröße einen Eigenanteil leistet.

Zur Stabilisierung von Unternehmen durch Überbrückung von Liquiditätsengpässen bietet die LfA den zinsverbilligten Akutkredit an. Bei allen Maßnahmen verspricht die Förderbank auf ihrer Homepage (www.lfa.de) kurze Bearbeitungszeiten. Auf der Internetseite finden Sie auch Ansprechpartner und Details über die einzelnen Programme.

Wenn die Kunden nicht zahlen
Viele Unternehmen haben damit zu kämpfen, dass Kunden nicht oder nur verspätet zahlen. Neben besonderen Zahlungsanreizen (Skonto bei schnellerer Rechnungsbegleichung) und einem straffen Forderungsmanagement macht dort unter Umständen auch eine Warenkreditversicherung Sinn. Damit können sich Betriebe gegen Zahlungsausfälle schützen. Zahlreiche große Versicherungskonzerne haben solche Policen im Angebot. Die Versicherung übernimmt Forderungsausfälle für nicht oder zu spät bezahlte Rechnungen. In der Regel erstreckt sich der Schutz auf 80 bis 90 Prozent des Lieferantenkredits. Die Prämie beträgt etwa 0,1 bis 0,2 Prozent des Jahresumsatzes des Versicherungsnehmers.

Der Bilanz den Giftzahn ziehen
Noch eine andere Maßnahme könnte auch ostbayerischen Unternehmen helfen, günstiger an Kredite zu kommen. Schlechtere Kreditkonditionen aufgrund schwacher Bilanzen in den Jahren 2008 und 2009 könnten durch einen längeren Betrachtungszeitrum für die Bankenratings – beispielsweise fünf oder sechs statt zwei oder drei Jahre – aufgefangen werden. In Österreich soll das ab diesem Jahr praktiziert werden. „Wir können Basel II nicht abschaffen, aber wir können das bestehende Regelwerk unter Ausnutzung der Handlungsspielräume an die Realität anpassen“, sagte kürzlich der Chef der österreichischen Finanzmarktaufsicht Helmut Ettl. Eine entsprechende Ausweitung des Beobachtungszeitraums stehe durchaus im Einklang mit den Basel-II-Richtlinien zur Kreditvergabe, ergänzte der österreichische Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Leitl. „Das verflacht die Risikokurve beträchtlich und zieht den 2009er-Bilanzen bonitätsmäßig den Giftzahn“, schreibt die Wiener Tageszeitung „Die Presse“. Die nächsten Monate werden zeigen, ob die Kreditinstitute in Ostbayern dem Beispiel der österreichischen Nachbarn folgen.

Jens Henning

Wirtschaft konkret, Februar 2010

 

Gemeinsam aus der Krise

Für viele Mittelständler sind die Zeiten unsicher. Doch: mit alten Kaufmannstugenden und verlässlichen Partnern gelingt die Unternehmensfinanzierung auch jetzt.

Sicherlich stecken wir in keiner echten Kreditklemme, dass allerdings viele Banken ihre Kreditbedingungen verschärft haben, stellt manches Unternehmen auf eine harte Probe. Naturgemäß beurteilen sie die Kreditwürdigkeit der Unternehmen in Krisenzeiten vorsichtiger, stellen höhere Anforderungen an Sicherheiten und versuchen größere Risiken mit höheren Margen zu kompensieren. Besonders heftig bekommen das Unternehmen mit mittlerer oder mäßiger Bonität zu spüren, ihr Zugang zu frischem Geld ist voller Hürden. Knackpunkt der Kreditvergabe ist dabei die Absicherung des gestiegenen Kreditrisikos. Genau hier greift die Bürgschaft oder Haftungsfreistellung einer Förderbank. Indem sie der Hausbank einen wesentlichen Teil des Risikos abnimmt, ermöglicht sie dem Unternehmer seinen Kredit. Allerdings muss die Hausbank auch bereit sein, zumindest einen Teil des Risikos zu tragen. Die Bereitschaft zur gemeinschaftlichen Risikoteilung und Finanzierung beobachten wir in der aktuellen Situation zwar erfreulich häufig, sie könnte aber Schule machen. Auch die Banken sollten mehr Mut zeigen, und auf Unternehmen setzen, die bereits gute Kunden waren und schon morgen wieder gute Kunden sein können.

Manches Problem ist hausgemacht
Aber auch Unternehmer sollten sich an der eigenen Nase fassen und nicht nur pauschal über die schwierigeren Finanzierungsbedingungen klagen. Manche Probleme sind hausgemacht und es gab sie schon vor der Krise. Jetzt treten sie offen zu Tage - ich denke da zum Beispiel an Wachstumsstrategien mit nur kurzfristig finanzierten Investitionen oder an Unternehmen, die sich in guten Zeiten von ihrer Hausbank abgewendet haben, um bei einer Auslandsbank noch bessere Konditionen zu bekommen. Inzwischen sind viele dieser Kreditinstitute weggebrochen. Wer heute reumütig zu seiner Hausbank zurückkehrt, muss sich erst einmal hinten anstellen, weil sich die Banken natürlich vor allem um ihre Bestandskunden kümmern. Erfahrene Mittelständler pflegen kontinuierlich den Kontakt zu ihrer Hausbank, vielmehr noch achten sie auf ihre zentralen Finanzierungsaufgaben: eine realistische Liquiditätsplanung und eine solide Liquiditätsvorsorge. Solche Vorsichtsmaßnamen und Transparenz schützen in Krisenzeiten gegen plötzliche Finanzlöcher, eröffnen Investitionschancen wenn es wieder aufwärts geht und gehören zur Verantwortung eines jeden Unternehmers.

Hausbank, Unternehmen, Förderbank
Wo nötig, muss der Staat eingreifen. In Bayern hat die LfA zusammen mit der Bayerischen Staatsregierung seit rund einem Jahr den Mittelstandsschirm aufgespannt. Wir entlasten die Hausbanken mit Bürgschaften und Haftungsfreistellungen mit bis zu 80 Prozent vom Kreditrisiko. Das gilt nicht nur bei Investitionsfinanzierungen, sondern auch bei der Finanzierung von Betriebsmitteln, vor allem zur Schließung unvorhergesehener Liquiditätslücken. Dadurch fließen wieder Kredite und viele der von Umsatzeinbrüchen betroffenen Unternehmen können ihre Löhne, Mieten und Lieferantenrechnungen zahlen und damit schwere Zeiten überbrücken.

Inzwischen stehen über 1.500 Betriebe – 98 Prozent davon sind kleine und mittlere Unternehmen – unter diesem Mittelstandsschirm. Bis Ende Oktober 2009 hatten diese Risikoübernahmen Kreditzusagen in einer Gesamthöhe von über 400 Millionen Euro mobilisiert. Die starke Resonanz auf den Mittelstandsschirm bestätigt, wie dringend Hilfe benötigt wird.

Die große Zahl geförderter Betriebe bestätigt aber auch, dass wir den Engpass in der Mittelstandsfinanzierung mit einem funktionierenden Dreiklang aus Hausbank, Unternehmen und Förderbank meistern können. Allerdings nur, wenn jeder der Beteiligten seiner Verantwortung gerecht wird.

Michael Schneider
Vorstandsvorsitzender der LfA Förderbank Bayern

Wirtschaft konkret, Februar 2010

 

Ist Ihr Unternehmen notenbankfähig?

Für den Mittelstand ist es von zentraler Bedeutung, dass die Finanzierung seiner Investitionen und Innovationen gesichert ist. Zwar hat die Regierung mit dem Rettungsschirm für Unternehmen auf die teilweise schleppende Kreditvergabe an Unternehmen reagiert und die Banken wurden vom Eurosystem reichlich mit Liquidität versorgt. Dennoch empfinden viele Unternehmen die momentane Kreditvergabepraxis der Banken nach wie vor als zu restriktiv. Ob tatsächliche Kreditklemme oder „nur“ Kredithürde, Unternehmen suchen händeringend nach Auswegen aus der Misere. Eine mögliche Hilfe: die Bonitätsanalyse der Deutschen Bundesbank.        

Im Rahmen geldpolitischer Operationen des Eurosystems gewährt die Deutsche Bundesbank inländischen Banken Kredite gegen Hinterlegung entsprechender Sicherheiten. Neben bestimmten Wertpapieren können die Banken auch Kreditforderungen an Wirtschaftsunternehmen für die Besicherung des Notenbankkredits einsetzen. Voraussetzung dafür ist, dass diese Wirtschaftsunternehmen „notenbankfähig“ sind, also eine hohe Bonität aufweisen. Dies prüft die Deutsche Bundesbank mit ihrem institutseigenen Bonitätsanalyseverfahren. Neben dieser refinanzierungsbezogenen Bonitätsprüfung bietet die Notenbank ihre kostenfreie Bonitätsanalyse allen interessierten Unternehmen an. „Über 600 Unternehmen aus der Oberpfalz und dem Landkreis Kelheim lassen pro Jahr bei uns eine solche Bonitätsanalyse durchführen“, sagt Johann Meier, Leiter des Referats Bonitätsanalyse bei der Hauptverwaltung München der Deutschen Bundesbank.

Auf Basis der Jahresabschlüsse werden dazu aussagekräftige Kennzahlen zu Rentabilität, Innenfinanzierungskraft, Liquidität und Kapitalstruktur gebildet und diese dann mit denen von Unternehmen derselben Branche verglichen. Das Ergebnis der Bonitätsanalyse wird in einer Rangstufe auf einer Skala von 1 bis 7 abgebildet. Das Testat „notenbankfähig“ erhalten dabei grundsätzlich nur Unternehmen mit einer Rangstufe von 1 bis 3, aufgrund der Finanzmarktkrise – befristet bis Ende 2010 – aber auch Unternehmen mit Rangstufe 4. Informationen unter: www.bundesbank.de/download/gm/gm_bonitaetsanalyse.pdf

Günstigere Kreditfinanzierungen
Das lohnt sich mehrfach für die Unternehmen: Zum einen erhalten sie eine Bonitätseinschätzung von einer unabhängigen Institution, die mit dem Ergebnis keine Geschäftsinteressen verknüpft. Zum anderen können sie sich anhand der in einem Faktenblatt aufbereiteten Auswertungsergebnisse über die eigene Stellung im Wettbewerbsumfeld informieren, weil in die Analyse Vergleichswerte von Unternehmen derselben Branche einbezogen werden. Anhand der für drei Jahre ermittelten betriebswirtschaftlich relevanten Kennzahlen können zudem die Veränderungen der individuellen Stärken und Schwächen im Vergleich zu den Wettbewerbern verfolgt werden. „Mit dem Testat notenbankfähig werden Unternehmen für ihre Hausbank, aber auch für potenzielle weitere Banken ein noch interessanterer Geschäftspartner, da sie nachweislich über eine gute Bonität verfügen und die Kreditinstitute ihre Forderung als Sicherheit einsetzen können“, so Johann Meier. Im Klartext: Es verbessert sich ihre Verhandlungsposition. Es gibt keine Begrenzungen hinsichtlich der Unternehmensgröße. Es sollten allerdings mindestens zwei Jahresabschlüsse vorgelegt werden. Einige Unternehmen haben außerdem erkannt, dass sich das Prädikat „Notenbankfähigkeit“ gut im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit einsetzen lässt und werben damit auf ihrer Internetseite. Aus gutem Grund: Mit diesem „Gütezeichen“ kann Banken und Geschäftspartnern Sicherheit vermittelt und Vertrauen geschaffen werden.

Weitere Informationen:
DEUTSCHE BUNDESBANK, Hauptverwaltung München, Referat Bonitätsanalyse und Wertpapiere, Ludwigstraße 13, 80639 München, Telefon 089/2889 -3545 oder -3213

Wirtschaft konkret, Februar 2010