So starten Sie den Innovationsmotor - Neue Ideen für Ihr Unternehmen

01.09.2010

IHK-Service


Buchtipp: „Innovationsmanagement“

Darüber, wie Sie den Zukunftsschatz Innovation in Ihrem Unternehmen heben, gibt es unzählige Ratgeber. Bei Praktikern als umfassende Einführung besonders beliebt: Der Titel „Innovationsmanagement“ aus dem Gabal-Verlag (19,90 Euro). Das Buch ist ein systematischer Leitfaden und bietet eine Schritt-für-Schritt-Anleitung, von der Idee bis zur umgesetzten Innovation. Mit einem einfachen Innovationsprozess wird aufgezeigt, wie erfolgreiche Produkte, Dienstleistungen oder Prozessverbesserungen entwickelt und umgesetzt werden. Die Autoren verzichten auf Schubladendenken, Plattitüden und Zeigefinger. Stattdessen inspirieren sie lieber, stiften dazu an, selbst kreativ zu sein und quer zu denken, motivieren zur Umsetzung starker Ideen in marktreife Produkte. Mehr unter www.innovationsmanagement.eu.

Neue Ideen, neue Produkte und neue Service-Leistungen sind der Schlüssel für den Erfolg von morgen. Doch oft stottert der Innovationsmotor. Lesen Sie, wie Sie Ihr Unternehmen neu erfinden und den Grundstein für ein funktionierendes Innovationsmanagement legen!

Große Schlagzeilen macht man nicht mit alten Hüten. Gezielte Forschung nach innovativen Wirkstoffen ebnete dem Neumarkter Arzneimittelhersteller Bionorica den Weg dazu, Deutschlands größter Spezialist für Medikamente auf rein natürlicher Basis zu werden. Die Konzentration auf erneuerbare Energien und die Umwelttechnologien von morgen verschaffte dem Traditions-Maschinenbauer G+R in Regenstauf im Landkreis Regensburg neue Perspektiven. Der Mainburger Schuhmachermeister Erwin Haimerl revolutionierte das einst von seinem Vater gegründete Unternehmen, indem er mit Feuerwehr- und anderen speziellen Sicherheitsschuhen ganz neue Absatzmärkte für den Betrieb im Landkreis Kelheim erschloss. Innovation als Basis für den Erfolg von morgen, Beispiele wie diese gibt es viele in der Region.

Auch ein Blick in die Statistik belegt den Trend: Innovationsmüdigkeit ist eine kaum verbreitete Krankheit in deutschen Unternehmen. Der Innovationsreport des Deutschen Industrie- und Handelskammertages DIHK von 2009 kommt zu dem Ergebnis: Bei Innovationstätigkeit und Innovationsdynamik schneiden die Unternehmen gut ab. Nachholbedarf gibt es aber besonders beim innerbetrieblichen Innovationsmanagement, also der gezielten und systematischen Nutzung der Kompetenzen innerhalb des Unternehmens auf der Suche nach neuen Produkten und Dienstleistungen. Rund zwei Drittel der Unternehmen geben in der Studie des DIHK an, ein Innovationsmanagement entweder überhaupt nicht oder wenn, dann nur ansatzweise systematisch etabliert zu haben.

Zufällige Einfälle statt System
Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt eine aktuelle Studie des Berliner Fraunhofer-Instituts für Produktionsanlagen und Konstruktionstechnik, des Vereins Deutscher Ingenieure und der Unternehmensberatung K+K Wissenstransfer: Innovationen im deutschen Mittelstand beruhen der Umfrage zufolge zu über 80 Prozent auf dem Zufallsprinzip. Nicht fehlendes Geld, sondern die mangelnde Nutzung intellektuellen Kapitals bremst bei deutschen Mittelständlern die Umsetzung von Neuerungen. Bei kleinen und mittleren Unternehmen liegt demnach viel Potenzial brach, das bei gezieltem Ressourcen- Einsatz und gutem Innovationsmanagement den langfristigen Erfolg sichern könnte.

Die Studie zählt detailliert auf, welche Hindernisse Unternehmen sich auf dem Weg zu mehr Innovationen selbst in den Weg gestellt haben: Nur jeder dritte Betrieb gibt seinen Mitarbeitern die notwendige Zeit, um neue Ideen zu entwickeln. Nicht einmal in jedem zweiten Unternehmen ist überhaupt ein Innovationsprozess definiert. Und jedes zweite Unternehmen verzichtet komplett auf Markt- und Wettbewerbsanalysen. Über 60 Prozent der Befragten gaben an, eine Neuerung scheitere spätestens auf dem Weg zur konkreten Umsetzung. Auch Geschäftpartner und Kunden, heißt es in der Erhebung, würden häufig nur ungenügend eingebunden. Am Geld scheitern Innovationen hingegen nicht: Probleme bei der Kapitalbeschaffung und geringes Eigenkapital sehen die Befragten im Zusammenhang mit Innovationen eher unkritisch.

Bündeln Sie Ihre Energie
Innovation funktioniert nicht auf Knopfdruck. Deshalb sind Unternehmen gut beraten, die kreativen Ideen ihrer Mitarbeiter in einem strukturierten Prozess zu kanalisieren Seit vielen Jahren beschäftigt sich das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung mit dem Thema. „Viele Unternehmen haben zahlreiche gute Ideen, tun sich teilweise aber mit der Priorisierung schwer. Vor allem im Hinblick darauf, welche der Ideen ein hohes Umsetzungspotenzial am Markt haben, also zu einer echten Innovation für die jeweiligen Kunden werden können“, sagt Daniel Jeffrey Koch, der am Institut das Geschäftsfeld Innovations- und Technologiemanagement leitet. „Unternehmen schöpfen das Potenzial ihrer kreativen Mitarbeiter zu einem gewissen Grad aus. Aber welche dieser Ideen einen echten Mehrwert für die Kunden haben, wird noch zu wenig betrachtet“, erklärt Koch.

Im Unterschied zu Forschungseinrichtungen können Unternehmen Innovationen nicht zum Selbstzweck betreiben. In großen Firmen ist Produktforschung und Innovationsmanagement längst gängige Praxis. „In mittelständischen Unternehmen ist das aber deutlich schwieriger umzusetzen. Ihr Ziel muss es vielmehr sein, schöpferische Prozesse in marktreife Produkte münden zu lassen.

Die Formel lautet: Innovation gleich Erfindung plus Vermarktung“, sagt Josef Beimler, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der IHK für Regensburg für Oberpfalz / Kelheim. „Denn Änderungen und Anpassungen sind nötig, um wettbewerbsfähig zu sein und zu bleiben.“

Die IHK Regensburg für Oberpfalz / Kelheim unterstützt Mittelständler in der Region dabei. Etwa im Rahmen des Förderprogramms „Neue Wege – neue Welten“, mit gezielten Seminaren zum Thema Innovationsmanagement. „Diese Angebote helfen den Unternehmen, eingefahrene Gleise zu verlassen, Mitarbeiter stärker einzubinden und den eigenen Betrieb weiterzuentwickeln“, so Beimler.

Häufig gehe es ja nicht darum, etwas völlig Neues zu machen: „Oftmals reichen eine Kurskorrektur, eine kleine Modifikation oder ein neuer Vertriebsweg, um neue Märkte zu erschließen.“ Betriebe, die sich für den Service der IHK im Innovationsmanagement interessieren, können sich direkt an Caroline Heß, Telefon 0941/5694-299, hess@regensburg.ihk.de wenden.

Offene Innovationskultur entwickeln
Die Forschung zeigt: Nur wer alle Ressourcen im Unternehmen nutzt, kann das gesamte Innovationspotenzial ausschöpfen. Doch wie lässt sich das aus den Mitarbeitern herauskitzeln? Der Regensburger Innovationsexperte Dr. Josef Hechberger, Ansprechpartner beim Unternehmen XWS für eine Software zur systematischen Erfassung neuer Ideen, plädiert für eine „offene Fehlerkultur“. Nur wenn ein Mitarbeiter wisse, dass ihm etwaige Fehleinschätzungen in Innovationsprojekten nicht zum Nachteil gereichen, werde er sich auch in Zukunft vorbehaltlos einbringen. Seine Erfahrung: Eine offene Unternehmenskultur führe in seinem Innovations-Softwareprogramm häufig zu einer vermehrten Eingabe von Ideen zu neuen Produkten oder Produktverbesserungen, aber auch zu einer objektiven Bewertung des Erfolgs einer Innovation. „Mittelständler sollten ihren Mitarbeitern das Gefühl geben: Jede Idee ist willkommen, kein Einfall geht mehr verloren“, sagt Hechberger. Systematisches Innovationsmanagement könne Unternehmen helfen, den Innovationsprozess effektiver zu gestalten um so deutliche Wettbewerbsvorteile zu erzielen. Aber auch Hechberger weiß: „Den Aufbau und die Pflege einer innovationsfreundlichen Unternehmenskultur können wir einem Unternehmer nicht abnehmen.“ Wichtig ist, das Innovationsmanagement zu systematisieren und standardisieren, von der Erfassung einer Idee bis zur Markteinführung eines Produktes oder einer Dienstleistung. Ziel ist die Verbesserung des Innovationsprozesses hinsichtlich Durchlaufzeit, Entscheidungs-Transparenz, Planungssicherheit und Visualisierung der Aktivitäten. Die interne Kommunikation der Mitarbeiter– ein Punkt, an dem Innovationen immer wieder scheitern – sollte ebenfalls strukturiert und verbessert werden. Der schnelle und flexible Erwerb, die Verwendung und der Austausch von Wissen im Innovationsprozess sind unerlässlich. Mitarbeiter aus allen Abteilungen können beispielsweise bei der Software von XWS parallel ihre Einschätzung zu Wettbewerbern, Kundenwünschen, gesetzlichen Bestimmungen und zu den Möglichkeiten der technischen Umsetzung abgeben. „Erfahrungen zeigen, dass die rechtzeitige Einbindung verschiedener Abteilungen in den Innovationsprozess die Motivation und die Eigeninitiative der Mitarbeiter deutlich steigern“, sagt Marketingleiter Hechberger. Kunden von XWS sind sowohl Groß- als auch mittelständische Unternehmen und Hochschulen wie die Universität Regensburg oder die Hochschule Amberg-Weiden.

Innovation kann man planen
Innovationen nicht dem Zufall überlassen – sondern sie gezielt „planen“: Ein Regensburger Unternehmen hat dieses Prinzip mit großem Erfolg zu seinem Geschäftsmodell gemacht: Darf es vielleicht eine Jacke gegen Handystrahlung sein oder antibakterielles Material für chirurgische Implantate, vielleicht aber auch eine spezielle Algenkultur, aus der Biogas wird? Wenn Unternehmen nach neuen Produkten und der Lösung kniffliger Probleme suchen, dann bedienen sie sich immer öfter einer deutschlandweit einmaligen wissenschaftlichen Ideenschmiede in Regensburg. Der Firmenname „Rent a Scientist“ verrät auch schon die Geschäftsidee: Wenn sich kleine und mittelständische Unternehmen keine eigene Forschungsabteilung leisten können oder Großkonzerne auf externe Querdenker setzen, können sie gegen Honorar auf den Einfallsreichtum der Regensburger Forschungs-Dienstleister zurückgreifen. Von den zahlreichen Erfindungen, die die Vordenker aus Regensburg bisher ausgetüftelt wurden, sind bereits mehr als einhundert patentiert worden. Angefangen hat diese ostbayerische Erfolgsgeschichte im Jahr 1995: Damals hatten sich die Studienfreunde und Chemie-Doktoranden Raimund Brotsack, Georg Maier und Robert Nusko aus dem etablierten Forschungsbetrieb verabschiedet, weil ihnen das Theoretische nicht so lag. Die seit der Gründung vor 15 Jahren eingereichten Patente belegen: Innovationen sind planbar. Der Start eines Innovationsvorhabens gliedert sich nach dem bei „Rent a Scientist“ angewandten Modell in vier Schritte: die Vorbereitung, das Finden einer Idee, die Bewertung und die Auswahl der Idee. Wichtigster Grundsatz dabei auf dem Weg zum Erfolg: „Wer zu spät an die Kosten denkt, ruiniert sein Unternehmen. Wer immer zu früh an die Kosten denkt, tötet die Kreativität.“ Der Weg zum neuen Produkt oder zur neuen Dienstleistung gleicht dabei einem Trichter: Am Anfang stehen viele Ideen, am Ende wenige vermarktungsreife Produkte.

Die Kosten und der personelle Aufwand jedes Entwicklungsprojektes nehmen mit jedem Stadium fortlaufend zu, so dass mit zunehmender Entwicklungsreife eine immer geringere Anzahl von Initiativen gleichzeitig konsequent weiter verfolgt werden kann. Mehr über die konkreten Schritte lesen Sie im pdf-Dokument „Wie Sie die Brücke von der Idee zur Innovation schlagen“ unter „Downloads“.

Jens Henning

Wirtschaft konkret, September 2010